BRICS-Gipfel in Indien: Globale Krisenherde im Fokus der Gespräche – Insbesondere Syrien-Konflikt

 BRICS-Gipfel in Indien: Globale Krisenherde im Fokus der Gespräche – Insbesondere Syrien-Konflikt
Der achte BRICS-Gipfel hat in Indien unter dem Motto „Empfängliche, inklusive und kollektive Lösungen“. Für den US-Politikwissenschaftler Daniel Shaw ist der Gipfel ein weiterer Schritt zur Schaffung einer multipolaren Welt.

Die Staatschefs aus Russland, Indien, China, Südafrika und Brasilien sowie zahlreiche Gäste aus anderen Ländern treffen im indischen Goa zusammen. Sie diskutieren den Ausbau strategischer Partnerschaften, den Einstieg in russische und chinesische Infrastrukturprojekte, gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung des globalen Terrorismus, des Drogenhandels und der Korruption. Außerdem stehen die „wichtigsten“ politischen Fragen auf der Agenda, denen sich die Welt heute gegenübersieht.

Es wird erwartet, dass beim Gipfel eine gemeinsame Erklärung der BRICS-Gruppe zur Krise in Syrien unterzeichnet wird. China unterstützt mittlerweile offen die Position Russlands in der Syrien-Frage. Indiens vorderstes Interesse im Nahen Osten ist die Durchsetzung von Stabilität, die sie in der Stärkung der syrischen Regierung am besten gesichert sieht.

„China und Russland haben in den meisten wichtigen internationalen und regionalen Fragen, einschließlich Syrien und Afghanistan, ähnliche Positionen“, sagte erst diese Woche Chinas stellvertretender Außenminister Li Baodong. „Als permanente Mitglieder des UN-Sicherheitsrates setzen beide Seiten ihre enge Kooperation in internationalen und regionalen Angelegenheiten fort.“

Im Gegensatz zu China und Indien dürfte Brasilien als Verbündeter westlicher Staaten eine neutrale Haltung hinsichtlich Syrien einnehmen, bemerkte der politische Analyst Aleksander Schatilow im Interview mit RT.

Vetternwirtschaft und Korruption gehörten zu den Vorwürfen, die am Beginn des zweifelhaften Amtsenthebungsverfahrens gegen Brasiliens gewählte Präsidentin Dilma Rousseff standen. Diese scheinen nun tatsächlich wieder an der Staatsspitze zu grassieren - unter ihrem Nachfolger.

„Der Westen schaffte es, die BRICS mit dem Putsch in Brasilien zu zerbrechen“, betonte er. „Im Ergebnis dürfte sich Brasilien in zahlreichen Problemen künftig neutral verhalten. Darunter gehört der Anspruch der BRICS, internationale Konflikte lösen zu wollen.“

Auch wirtschaftliche Fragen beschäftigen den Gipfel. Eines der Hauptziele des Treffens ist die Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion, der Russland, Armenien, Weißrussland, Kasachstan und Kirgisistan angehören, in den sogenannten Seidenstraßenwirtschaftsgürtel Chinas.

Der Gipfel könnte überdies einen weiteren Ausbau der Eurasischen Wirtschaftsunion gen Osten ins Auge fassen, erklärte der Direktor der Union, Wladimir Lepehin.

„Heute sprechen wir von der Eurasischen Wirtschaftsunion, morgen von der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) – und den Tag darauf über andere Länder des eurasischen Wirtschaftsraumes, die nicht Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion oder der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit sind“, sagte Lepehin.

Die Schaffung der BRICS weckte seinerzeit die Hoffnung, dass das Ende der unipolaren Welt nahe sei, doch dieser „Traum“ könne noch nicht erfüllt werden. Der neue Gipfel in Indien sei allerdings ein wichtiger Schritt zur Erreichung des Ziels, glaubt der Politikwissenschaftler Daniel Shaw von der Universität New York.

Die Börsenanalysten des Bankhauses HSBC halten noch in den kommenden Tagen eine drastische Korrektur an den Finanzmärkten für wahrscheinlich.

„Der Traum der BRICS-Staaten und aller unterdrückten Staaten der Welt bleibt noch unerfüllt“, schlussfolgerte der Politikwissenschaftler gegenüber RT. „Vor acht Jahren kamen Russland, China, Südafrika, Indien und Brasilien zusammen, um die BRICS als Gegengewicht zu der US-amerikanischen Hegemonie zu implementieren. Acht Jahre später bleibt zu sagen, dass wir es noch mit einer unvollendeten Mission zu tun haben. Daher ist das Gipfeltreffen an diesem Wochenende umso wichtiger.“

Das letzte BRICS-Treffen fand im Juli 2015 in Russland statt. Dabei entschieden die Mitglieder die Gründung der Neuen Entwicklungsbank (NDB), welche das Potenzial hat zu einer echten Alternative für den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu werden.