Säbelrasseln an der nordkoreanischen Grenze - Chinesische Kritik an amerikanischer Aufrüstung

Säbelrasseln an der nordkoreanischen Grenze - Chinesische Kritik an amerikanischer Aufrüstung
Im Konflikt zwischen Nordkorea und dem Süden haben die USA Marinesoldaten an die Grenze zwischen beiden Staaten verlegt und halten dort Übungen ab. Die Aufrüstung führt zu Spannungen in der Region.

von Olga Banach

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18 September, 2016
Der nord-koreanische Präsident Kim besucht eine Apfelfarm der Kosan Combined Fruit Farm, Pyongyang, September 2016.

Die Übungen sollen bis Mittwoch anhalten und an ihnen sollen 200 amerikanische und 120 südkoreanische Marinesoldaten teilnehmen. Als "Korea Maritime Exercise Program" bezeichnet, gibt es die Kriegsspiele seit dem Jahr 2010.

Ziel sei die mentale und physische Vorbereitung auf Raketen- und Nuklearangriffe, hieß es in einer Presseerklärung. Nordkorea hat im letzten Monat zum wiederholten Male einen Nuklearwaffentest durchgeführt. Dieser offenbarte eine Sprengkraft zwischen 10 bis 30 Kilotonnen und führte zur Auslösung eines Erdbebens der Stärke 5,3 im Süden und an der Grenze zu China. Es war der größte Nukleartest, den das isolierte Land bis dato durchgeführt hat. Die internationale Gemeinschaft quittierte den Test mit scharfer Kritik.

Die USA verlegten anschließend zwei Bomber des Typs B-1B von Guam an die Grenze Nordkoreas. Jeder nukleare Test des Staatschefs der "Demokratischen Volksrepublik Korea", Kim Jong-Un, bringt die Nordkoreaner einer möglichen Konfrontation mit den USA ein Stück näher. Ein Angriff auf die bestehenden Nuklearanlagen im Norden aber ist unrealistisch, da dies zu einer verheerenden Katastrophe in der gesamten Region führen würde.

In China heißt es in Bezug auf das Verhältnis zu Nordkorea:

Die Verbindung ist so stark wie die zwischen Lippen und Zähnen.“

Südkoreanische Luftstreitkräfte schauen auf ein E-3 Sentry AWACS, US-Luftwaffenbasis in Osan, Südkoera.

Ein Vergleich, der auch eine schmerzhafte Interpretation erlaubt - und tatsächlich würde diese die Qualität der derzeit bestehenden Beziehung am treffendsten beschreibt. Denn der Norden Koreas ist nun auch für China zu einem unkalkulierbaren Partner geworden. Eine Wiedervereinigung würde aber für China bedeuten, dass Südkorea, ein Vorzeigeland Asiens, den Norden unter seine Doktrin stellen und dieser damit den Westmächten zuzurechnen sein würde. Ein Dilemma für das Reich der Mitte.

Ins Zentrum des Interesses gelangte unterdessen einmal mehr die chinesische Grenzstadt Dandong. Das Konter-Proliferationszentrum des FBI (CPC) hat Unregelmäßigkeiten im ökonomischen Vergehen einer chinesischen Firma namens Hongxiang bemerkt. Es stellte sich heraus, dass die Firma große Mengen an Konstruktionsmaterialien und "Dual-Use-Technologie" nach Nordkorea exportierte. Darüber hinaus managte die Firma Geschäfte von Nordkoreanern in Shenyang. In der chinesischen Presse wurde die Firmenbesitzerin als die erste Goldsucherin Nordkoreas bezeichnet. Die Regierung in Peking hat nun als Reaktion auf diese Verdachtsmomente Exporte von Dandong nach Nordkorea generell erschwert.

Die jüngsten schweren Überschwemmungen in Nordkorea durch den Tumenfluss und die Reaktionen der chinesischen Sicherheitsverwaltung zeigten indessen, dass China auf einen möglichen Zusammenbruch Nordkoreas vorbereitet ist und auf einen gut funktionierenden Überwachungsapparat in der Region zurückgreifen kann.

Führerkult in Nordkorea. Dem russischen Regisseur Vitaly Mansky gelang ein außergewöhnlicher Film über das abgeschottete Land.

So bestand die erste Reaktion des Landes in der umfassenden Absicherung der Grenze und der Evakuierung von Grenzanwohnern. Die Chinesen erkundeten das Grenzgebiet mithilfe von Drohnen. Verletzte Nordkoreaner wurden schnell aufgegriffen und behandelt. Sollte China jedoch den Warenfluss nach Norden untersagen, wäre mit einem Flüchtlingsstrom vonseiten hungernder Nordkoreaner zu rechnen.

Unter dem Schutz der Chinesen wartet unterdessen "Little Fatty Kims“ Halbbruder, wie der Führer im Volksgebrauch Chinas genannt wird, auf einen Regimewechsel. Kim Jong-nam war einst bei seinem Vater Kim Jong-il in Ungnade gefallen, als er sich mit falschem Pass auf den Weg nach Tokio machen wollte, um Disneyland zu besuchen.

Die amerikanische Aufrüstung an der nordkoreanischen Grenze hat unterdessen auch zu weiteren Spannungen mit der Volksrepublik China geführt. Insbesondere die Instandsetzung eines amerikanischen THAAD-Systems erregt das Misstrauen Pekings. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, erklärte mit Blick auf die US-Aktivitäten:

Die THAAD-Aufstellung wird in keinem Fall die Sicherheitsbedürfnisse in der Region der verschiedenen Parteien befriedigen. Auch werden hierdurch keine De-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel, kein Frieden und keine Stabilität gefördert."