Alarmierende Klimameldungen: Aufstände in Indien wegen Wasserknappheit

Die letzten drei Jahre brachten jeweils wieder einen weltweiten Temperaturanstieg mit sich. Vor allem in den Schwellenländern ziehen die Hitzerekorde Dürre nach sich. In Indien kommt es deshalb nun sogar zu Verteilungskämpfen ums Wasser.
Die letzten drei Jahre brachten jeweils wieder einen weltweiten Temperaturanstieg mit sich. Vor allem in den Schwellenländern ziehen die Hitzerekorde Dürre nach sich. In Indien kommt es deshalb nun sogar zu Verteilungskämpfen ums Wasser.
Laut Wetterdaten erlebt die Erde seit elf Monaten eine beispiellose Hitzewelle. Diese trifft vor allem Schwellenländer wie Brasilien, Russland und Indien. In der IT-Metropole Bangalore kam es jüngst wegen Wasserknappheit zu schweren Ausschreitungen.

Indien erlebt gegenwärtig die schlimmste Dürre in den vergangenen Jahrzehnten. Im gesamten Land kommt es zu Konflikten, etwa zwischen Industrie und Bauern, darüber, wie das knappe Wasser verteilt werden soll. Nachdem am Montag ein Bundesgericht entschieden hatte, dass der Bundesstaat Bangalore Wasser aus dem Fluss Kaveri an die Nachbarregionen weiterleiten muss, kam es zu schweren Ausschreitungen. 

Die indische Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Die Behörden schickten zusätzlich 15.000 Sicherheitskräfte in die Stadt. Bangalore ist das Zentrum der indischen IT-Industrie. Doch die großen Computer- und Internetfirmen forderten am Montag ihre Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben.

Wie das Handelsblatt berichtet, hatten sich zuvor ganze Stadtteile in Schlachtfelder verwandelt: Um ihrer Forderung nach Wasser aus dem Kaveri Nachdruck zu verleihen, zündeten Demonstranten Autos und Geschäfte an. 

Indien ist einer der Staaten, die am stärksten von der allgemeinen Temperaturerwärmung betroffen sind. Die NASA stellte in einer aktuellen Untersuchung fest, dass die mittlere Temperatur auf der Erde seit elf Monaten ohne Unterbrechung ansteigt. Eine solche Serie von Hitzerekorden hat es seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen nicht gegeben. Seit Oktober 2015 war jeder einzelne Monat der jeweils heißeste aller Vergleichszeiträume seit dem Jahr 1880. 

Aus dem Mittleren Osten waren Ende Juli Temperaturen von über 50 Grad gemeldet worden. Laut Daten aus dem Goddard Institute for Space Studies, welche die NASA vorstellt, zieht sich ein heißes Band von der russischen Uralregion über den Mittleren Osten bis auf die arabische Halbinsel. Außerdem lassen sich überdurchschnittlich hohe Werte in Brasilien, Indien, China und Südafrika feststellen. Zudem registrierten die Beobachtungsstationen an der amerikanischen Nordostküste ungewöhnliche Temperatursteigerungen.

Für die meisten betroffenen Regionen gilt, dass die jeweils vorhandene Infrastruktur für die Wasserversorgung ohnehin unzureichend ist. So beruht die Versorgung der Dienstleistungsmetropole Bangalore mit Trinkwasser zum Großteil auf dem Fluss Kaveri. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Einwohner in der Region auf etwa zehn Millionen Menschen verdoppelt. Nur ein geringer Teil des verbrauchten Wassers wird aufbereitet, die Hälfte der Haushalte ist nicht einmal an die Kanalisation angeschlossen. 

Aber auch die Bauern der Region müssten jetzt ihre Felder bewässern. Das gleiche Problem haben die Farmer im Nachbarstaat Tamil Nadu. Die aktuellen Ausschreitungen sind ein klarer Verteilungskampf um das kostbarste Gut der Erde, das Wasser. In Bangalore machte der Mob Jagd auf Bürger aus Tamil Nadu. In Chennai, der Hauptstadt von Tamil Nadu, griffen Menschen ein Hotel an, das von Familien aus Karnataka betrieben wird, so Frederic Spohr, der Korrespondent des Handelsblatts.

Der Konflikt könnte sich zum Musterfall für viele andere Regionen entwickeln. Laut den aktuellen Klimadaten gilt es als sicher, dass auch das Jahr 2016 wieder das wärmste Jahr zu Buche schlagen wird, das je gemessem wurde. Der bisherige Rekordhalter war das Vorjahr 2015, zuvor war es 2014. Auch dies stellt einen weiteren Negativrekord dar. Drei aufeinander folgende Rekordjahre hat es bisher in der Geschichte der globalen Wetteraufzeichnungen nicht gegeben.