Russland orientiert sich nach Ostasien um: Erdgas-Exporte sollen um 900 Prozent steigen

Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt und politische Spannungen machen Europa zu einem instabileren Markt für russisches Erdgas. Aus diesem Grund will die Gazprom ihre Geschäftsbeziehungen nach China mit noch höherem Tempo forcieren.
Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt und politische Spannungen machen Europa zu einem instabileren Markt für russisches Erdgas. Aus diesem Grund will die Gazprom ihre Geschäftsbeziehungen nach China mit noch höherem Tempo forcieren.
Politische Spannungen mit der Europäischen Union und die wachsende Rolle von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Europa veranlassen die Russische Föderation als den weltgrößten Energieversorger, sich geografisch neu zu orientieren.

Moskau wird verstärkt in Exportmärkte des Asien-Pazifik-Raumes einsteigen, teilte die Ressourcenverwaltungsagentur der Russischen Föderation mit.

DIHK-Chef Schweitzer (r.) sieht infolge der Sanktionspolitik deutschen Unternehmen den russischen Markt wegbrechen. Dennoch will er sich dem

Die Krise in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen hat bereits zu einer Verringerung russischer Erdgasexporte in die EU und die Ukraine geführt. Die geringere Nachfrage westlicher Partner nach Pipeline-Erdgaslieferungen aus Russland ist kein lokales Problem, sondern ein langfristiger Trend, der direkten Einfluss auf die russische Rohstoff- und Handelspolitik in den kommenden Jahrzehnten haben wird", gab die russische Agentur in einem Bericht zum Ausblick auf die Rohstoffentwicklung Russlands bis zum Jahre 2030 an.

Ein Schlüsselproblem für Russland stellt die wachsende Beliebtheit von verflüssigtem Erdgas (LNG) auf den europäischen Märkten dar. Der Anteil dieses Energieprodukts steigt kontinuierlich. Weiter heißt es in dem Bericht:

Die deutliche Verringerung der Kosten für die Verflüssigung von Erdgas zerstört das Monopol von Pipeline-Systemen, die Erdgas direkt zum Konsumenten transportieren. Im Ergebnis gibt es statt mehrerer regionaler Märkte mit spezifischen Bedingungen und Preisen eine Entwicklung hin zu einem einzigen globalen Markt für Erdgas.“

Dem Bericht zufolge kann Russland die Probleme in Europa über die Steigerung von Erdgasexporten in den Asien-Pazifik-Raum ausbalancieren. Moskau müsste dazu in den nächsten Jahren die Ausfuhr von Erdgas in die Region um 800 bis 900 Prozent erhöhen. Die Folge wäre, dass die russischen Erdgasförderunternehmen dazu verpflichtet werden müssten, den jährlichen Erdgas-Output Russlands auf mindestens 800 Milliarden Kubikmeter anzukurbeln.

Die Russische Föderation und Saudi-Arabien scheinen hinsichtlich der Notwendigkeit einer Stabilisierung des Ölpreises auf den internationalen Rohstoffmärkten zu einem Konsens gefunden zu haben.

Einige Analysten deuten bereits an, dass eine LNG-Schwemme in der Asien-Pazifik-Region schlechte Erfolgschancen hätte. Zahlreiche ostasiatische Staaten beharren weiterhin vorwiegend auf langfristigen Erdgaslieferverträgen. Diese könnte Russland über seine zahlreichen Pipeline-Systeme besser abwickeln.

Nichtsdestotrotz gibt sich Russlands größter Erdgasförderer Gazprom auch in Bezug auf Europa optimistisch. Gazprom vermutet, dass der europäische Gasbedarf bis 2035 um weitere 150 Milliarden Kubikmeter ansteigen wird.

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Alexej Miller, informierte, dass europäische Einrichtungen bezüglich der Rekonstitution von LNG gegenwärtig zu nur etwa einem Viertel ausgelastet seien. Gleichzeitig pumpe die Nord-Stream-Pipeline jenseits ihrer Kapazitätsgrenze russisches Erdgas nach Europa.

Im August gaben Chinas Energieunternehmen bekannt, dass die Volksrepublik in der Lage wäre, die Höhe der Erdgasimporte aus Russland von gegenwärtig 53 Milliarden Kubikmeter auf 190 bis 270 Milliarden Kubikmeter bis zum Jahr 2030  auszuweiten. Alleine über die neue Pipeline "Kraft Sibiriens" will Russland künftig jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China transportieren. Moskau befindet sich derzeit mit Peking in Gesprächen über den Bau einer zweiten Pipeline. Diese soll künftig zusätzliche 30 Milliarden Kubikmeter transportieren.