Disneyland mit Todesstrafe

Straßenszene in Singapur
Straßenszene in Singapur
Während die Welt auf die Philippinen blickt und das rigorose Vorgehen gegen Drogenkriminelle kritisiert, wird Singapur noch immer als "die Schweiz Asiens" gelobt. Doch der Umgang mit Drogenschmuggeln ist dort ähnlich harsch. Zu Hunderten wurden sie in den letzten Jahren hingerichtet.

von Olga Banach

Der Stadtstaat Singapur wird auch gemeinhin als „Disneyland mit Todesstrafe“ bezeichnet. Laut Amnesty International kam es seit 1991 zu 420 Hinrichtungen, darunter 85-90 Prozent aufgrund von Drogenhandel. Das harte Durchgreifen der Regierung kann den Drogenmissbrauch allerdings nicht beseitigen. Die populärste Droge ist das Heroin, gefolgt von Methamphetamin, welches in Singapur selbst hergestellt wird. Zum Tode verurteilt wird, wer im Besitz von mehr als 15 Gramm Heroin, 1.200 Gramm Opium, 30 Gramm Morphin oder 500 Gramm Cannabis ist. Seit 2012 ist es aber den Gerichten überlassen, das Todesurteil auszusprechen oder mit einer lebenslangen Haftstrafe zu bestrafen. Der Angeklagte kann auch der Todesstrafe entgehen, indem er jemand anderes defamiert.

Der für sein loses Mundwerk bekannte philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat in einer Rede am Montag derbe Beschimpfungen gegen US-Präsident Barack Obama geäußert. Daraufhin sagten die USA ein geplantes Treffen der Staatschefs ab.

Seit seiner Unabhängigkeit von Malaysia 1965 wird Singapur von der „People´s Action Party“ (PAP) regiert. Vielen Europäern ist das singapurianische Kaugummiverbot bekannt. Mittlerweile sind Kaugummis in Apotheken gegen Hinterlassen des Namens und der persönlichen Daten erwerbbar. Obwohl die Regularien teilweise gelockert wurden, kursiert noch immer der englischsprachige Witz: „Singapore is a fine city“, welcher auf den langen Strafkatalog hinweist.

Vor der ASEAN-Konferenz in Laos kam es zu einem Eklat zwischen dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Duterte bezeichnete Obama als Hurensohn und verbat sich jegliche Einmischung in seinen Anti-Drogenkampf, da sein Land keine amerikanische Kolonie sei. Darüber hinaus rief sein Volk zur Selbstjustiz und Jagd auf Drogendealer auf, die bereits Hunderten, wenn nicht sogar mehr als Tausend, das Leben gekostet hat. Genaue Zahlen zu den Ermordeten gibt es bisher nicht.

Duterte und der singapurianische Premierminister Lee Hsien Loong hingegen nutzten die Gelegenheit, um ihre gemeinsamen Interessen in der Drogenbekämpfung zu besprechen. Lee Hsien Loong stimmte mit Duterte überein und merkte an: „Ein Drogenschmuggler kann das Leben von Zehntausenden zerstören.“

Wie Duterte will auch Lee keine fremde Einmischung in lokale Angelegenheiten. 2005 versuchte die australische Regierung, die Exekutierung eines 25-jährigen Landsmannes zu verhindern. Bei seiner Verhaftung 2002 hatte er 400 Gramm Heroin bei sich. Singapur aber wich nicht von seinem Kurs ab und vollstreckte das Urteil.

In diesem Jahr prämierte ein Film in Cannes, der bei den Singapuris gemischte Gefühle hervorrief. Boo Junfeng thematisierte hierin die Todesstrafe aus Sicht eines jungen Wachmanns, dessen Vater selbst der Todesstrafe zum Opfer fiel, und der auf den Mörder seines Vaters trifft. Der Film aber war nicht aktivistisch. Bekannter ist der Fall des britischen Autors Alan Shadrake, der sein Buch „Once a Jolly Hangman“ 2010 in Singapur vorstellen wollte. Hierin geht es um Darshan Singh, der 50 Jahre im Dienst des Staates Hinrichtungen vollzog. Der Autor wurde nach der Buchvorstellung verhaftet und verbrachte einen Monat lang im Gefängnis wegen Beleidigung des Staates Singapurs.

Sprart nicht mit direkten Worten: Rodrigo Duterte

Der Minister für innere Angelegenheiten in Singapur, Law K. Shanmugam, sprach in diesem Jahr bei der UN vor und machte den Standpunkt Singapurs klar: „In Singapur wollen wir das Recht, für uns selbst zu entscheiden, dass sich jeder sicher und frei bewegen kann, dass ein 10 Jahre altes Mädchen in der Lage ist, allein die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und sich eine Frau bei Tag und Nacht sicher fühlt. Wir haben dies erreicht, weil wir einen erfolgreichen Kampf gegen Drogen geführt haben. Wir werden unseren Kurs erst dann ändern, wenn jemand beweisen kann, dass Drogen gut für den Menschen sind... Jedes Land sollte das Recht haben, seine eigenen Interessen durchzusetzen... Wir wollen Teil einer drogenfreien ASEAN-Gemeinschaft sein und kein Drogen-tolerantes-Land sein.“

Der Rückhalt in der Bevölkerung für die Gesetze scheint ungebrochen und wenn man den Geschichten der singapurianischen Taxifahrer Glauben schenken mag, war der Stadtstaat vor seiner Unabhängigkeit und dem rigorosen Durchgreifen der Regierung ein gefährlicher Moloch, geprägt von Drogen und Kriminalität.

Genaue Zahlen über diejenigen, die auf die Vollstreckung ihres Todesurteils warten, sind nicht bekannt. In diesem Jahr sollen zwei Menschen hingerichtet worden sein. Die fremde Kritik an Singapur ist aber schwindend gering. Singapur ist eben ein wichtiger Finanzplatz und Partner, die Philippinen sind es nicht.