Armenien: Geiselnehmer fordern Freilassung von Extremistenanführer und Rücktritt des Präsidenten

Armenien: Geiselnehmer fordern Freilassung von Extremistenanführer und Rücktritt des Präsidenten
Bewaffnete haben in Jerewan eine Polizeistation angegriffen und Geiseln genommen. Die Extremisten fordern die armenischen Behörden auf, Schirajr Sefiljan, Anführer der radikalen oppositionellen Gruppe „Neues Armenien“ und aktiver Teilnehmer des Bergkarabach-Konflikts, auf freien Fuß zu setzen und fordern den Rücktritt des Staatschefs Sersch Sargsjan.

Quelle: cbw.ge

Am Samstagmorgen hat eine bewaffnete Gruppe eine Polizeistation in der armenischen Hauptstadt Jerewan gestürmt und Geiseln genommen. Bei dem Überfall wurde ein Oberst namens Artur Wanojan getötet. Drei seiner Kollegen erlitten Verletzungen. Als Geiseln wurden unter anderen der stellvertretende Polizeichef Armeniens, Wardan Jegiasarjan, und der stellvertretende Polizeichef Jerewans, Waleri Ossipjan, genommen.       

Das Polizeirevier bleibt umzingelt. Vor Ort sind Angehörige von Spezialeinheiten und schweres Militärgerät zu sehen. Die Bewohner der anliegenden Häuser sind evakuiert. Die Verhandlungen mit den bewaffneten Extremisten dauern an. Die Behörden versuchen, die Geiselnehmer davon zu überzeugen, die in ihrer Gewalt befindlichen Menschen freizulassen und die Waffen zu strecken.

„Dank der langwierigen Verhandlungen in der Nacht zum 18. Juli konnten ein Polizeibeamter und ein Rettungswagenfahrer befreit werden. Die bewaffnete Gruppe weigert sich bisher, die restlichen zwangsweise festgehaltenen Personen, darunter hochrangige Polizeibeamte, freizulassen, die Waffen niederzulegen und sich den Behörden zu stellen. Das Leben und die Gesundheit der bei der Attacke als Geiseln genommenen Menschen ist in Gefahr“, steht in einer Mitteilung der Polizei.

Die Forderungen der Angreifer

Die Extremisten fordern die armenischen Behörden auf, Schirajr Sefiljan, Anführer der radikalen oppositionellen Gruppe „Neues Armenien“ und Teilnehmer des Bergkarabach-Konflikts, auf freien Fuß zu setzen. Der Nationale Sicherheitsdienst Armeniens gibt bekannt, dass die Geiselnehmer den Rücktritt des Staatschefs Sersch Sargsjan fordern.

Schirajr Sefiljan sitzt seit dem 22. Juni wegen illegalen Waffenbesitzes in U-Haft. Der oppositionelle Politiker war erstmals im Jahr 2006 verhaftet worden. Damals hatten die Behörden ihm zur Last gelegt, öffentlich zum gewaltsamen Sturz der Verfassungsordnung aufgewiegelt zu haben. Der Held des Bergkarabach-Krieges musste wegen illegalen Waffenbesitzes für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Im Jahr 2015 wurde er verdächtigt, Massenunruhen vorbereitet zu haben. Nach einem Monat in U-Haft wurde Sefiljan freigelassen.         

Die Reaktion der Politiker

Die Meinungen der armenischen Politiker gingen im Zusammenhang mit dem Geiseldrama in Jerewan auseinander. Die Oppositionspartei „Scharangutjun“ („Erbe“) beschuldigte die Staatsführung, eine Mitschuld daran zu tragen, und forderte vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen, die die Situation „grundsätzlich“ ändern könnten. 

Die Vorsitzende der Partei „Blühendes Armenien“, Naira Sograbjan, nannte die Ereignisse ein „Abenteuer“ und einen Versuch, einen Bürgerkrieg zu entfesseln. „Probleme lassen sich durch eine Meuterei nicht lösen“, so die Politikerin. Eine Gruppe, die nicht einmal 10.000 Anhänger habe, hätte kein moralisches Recht, für das ganze Volk zu sprechen.