Mysteriöse Terroranschläge in Kasachstan: Erst "islamistische Extremisten", jetzt "Militärputsch"

Polizist bei Demonstrationen gegen die unpopulären Landreformen in Kasachstan.
Polizist bei Demonstrationen gegen die unpopulären Landreformen in Kasachstan.
Am 5. Juni 2016 überfiel eine Gruppe Bewaffneter in Aqtöbe, Kasachstan, zwei Waffengeschäfte. Bei dem folgenden Kampf mit Sicherheitskräften kam es zu mehreren Toten und Verwundeten. In der Stadt wurde die höchste Bedrohungsstufe ausgerufen und eine Anti-Terror-Operation durchgeführt. War man zunächst von "islamistischen Extremisten" ausgegangen, teilten mittlerweile kasachische Behörden mit, dass es sich bei dem Übergriff um einen erfolglosen Staatsstreich handelte.

Etwa 20 Angreifer haben am 5. Juni zwei Waffengeschäfte überfallen. Eins der Geschäfte lag auf dem Kasernengelände der Nationalgarde in Aqtöbe. Dabei kamen ein Offizier, ein Soldat der Nationalgarde und ein Angestellter des Waffenladens ums Leben. Bei dem Übergriff wurden auch drei der Angreifer getötet, einer verletzt. Die anderen konnten zunächst flüchten. In der darauffolgenden Anti-Terror-Operation kamen es zu weiteren Toten.

Die Verantwortung für den Angriff hat die "Befreiungsarmee von Kasachstan" übernommen. Der Inlandsgeheimdienst Kasachstans (KNB) leugnet die Existenz dieser Organisation bisher:

"Der KNB-Pressedienst bittet die Redaktionen einheimischer Medien, beim Abdruck beziehungsweise bei der Berufung auf derartige Informationen, die von inoffiziellen ausländischen Quellen stammen, den KNB um eine Bestätigung oder einen Kommentar zu ersuchen."

Eine weitere Version in den Medien Kasachstans lautet, dass es sich bei den Tätern um eine "schlafende Zelle" islamistischer Extremisten handelt. Mit dem Überfall wollte diese an Waffen gelangen, um so ihre Aktivitäten zu finanzieren. Für diese Variante spricht, dass Experten seit längerem eine Zunahme islamistischer Kreise aus dem Nahen Osten in Kasachstan beobachten.

Alexei Malaschenko, ein russischer Politikwissenschaftler und Mitglied im wissenschaftlichen Rat des Moskauer Carnegie-Zentrums, gibt zu bedenken, dass diese Form des Angriffes für Extremisten untypisch sei. Vor allem am ersten Tag des Ramadans.

Inzwischen haben kasachische Behörden verkündet, dass es sich bei dem Übergriff um einen erfolglosen Staatsstreich handelte, der von Mitgliedern des Militärs angezettelt wurde. Als Finanzier wurde der Geschäftsmann Tokhtar Tuleshov identifiziert und verhaftet. Nach seiner Verhaftung erfolgte eine Welle von Razzien in Kasachstan gegen sogenannte pro-russische und nationalistische Aktivisten.

Schon im Mai dieses Jahres wurden Proteste in mehreren Städten unterbunden. Aktivisten wollten gegen eine Gesetzesänderung des Landgesetzes in Kasachstan protestieren. Nur in der Stadt Atyrau fand die geplante Protestbewegung statt. Unterschiedliche Quellen gehen von 700 bis 4.300 Teilnehmern aus. Nach Angaben des National Security Committee wurde der Protest von Tuleshova finanziert.

Malaschenko geht nicht davon aus, dass die Überfälle und die Proteste auch nur das geringste miteinander zu tun haben. Doch zeigen beide Vorfälle, dass der Protest innerhalb des Landes zunimmt, so der Politologe.

Der Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, wendete sich inzwischen an das Land und appellierte an die Bevölkerung, nicht die Stabilität des Landes zu gefährden. Solch ein Verhalten ist sonst eher untypisch für Nasarbajew, der seit 1990 Präsident des Landes ist. Es zeigt, dass die Regierung sich ernsthaft über die wachsende Protestbewegung, gerade in Zeiten der schweren sozioökonomischen Situation im Land, Gedanken macht.