Japan im Zorn: US-Soldaten "üben" Massen-Vergewaltigung auf Militärstützpunkt in Okinawa

Japan im Zorn: US-Soldaten "üben" Massen-Vergewaltigung auf Militärstützpunkt in Okinawa
Ein Amateur-Video, welches zeigt, wie US-amerikanische Marinesoldaten in ihrer Freizeit auf ihrem Stützpunkt eine Massen-Vergewaltigung nachstellen, erzürnt die japanischen Gemüter und gilt als erneuter Beweis für die fehlende Disziplin der US-Truppen auf Okinawa.

von Olga Banach

Okinawa kommt nicht zur Ruhe. Die Vergewaltigung und anschließener Mord an einer jungen Japanerin löste eine Protestwelle in Japan gegen die US-amerikanische Militärpräsenz aus. Aus Solidarität wurde von den Amerikanern ein zunächst einmonatiges Alkoholverbot außerhalb der amerikanischen Militärstützpunkte ausgerufen. Doch bald darauf kam es zu einem erneuten Zwischenfall. Eine amerikanische Soldatin verursachte betrunken einen Unfall.

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Video von uniformierten US-Marinesoldaten, die Jagd auf einen Kameraden machen, der eine Japanerin darstellen soll. Hierin wird eine Vergewaltigung nachgestellt. Das Video wurde zwar bereits 2012 in einer Lagerhalle eines Stützpunktes aufgenommen, ging aber erst ab dem 12. Juni 2016 in japanischen sozialen Medien viral. Bei der Gruppe im Video handelt es sich um „P3-Marinesoldaten“.

Der Bürgermeister Okinawas sorgt sich um die Sicherheit seiner Landsleute, da er bezweifelt, dass die derzeitigen Maßnahmen die Disziplin der Soldaten verbessern werden. Auf Okinawa befinden sich 32 US-Armeestützpunkte und 75 Prozent aller in Japan stationierten US-Soldaten.  

Demonstration gegen US-Militärbasis auf der japanischen Insel Okinawa

Das Video ist ein erneuter Beweis für die Wirkungslosigkeit der getroffenen Vorkehrungen und die einzige Lösung für den Bürgermeister und die Menschen auf Okinawa ist ein genereller Abzug der US-amerikanischen Soldaten. So haben Japanerinnen auf Okinawa damit begonnen, sich selbst zu helfen und an Selbstverteidigungskursen teilzunehmen. 

Bei jüngsten Wahlen auf Okinawa haben anti-amerikanische Stimmen gewonnen.

Neben Ausgangssperren gilt nun ein Alkoholverbot, welches erst dann aufgehoben werden soll, wenn alle Soldaten begriffen haben, dass ihr Handeln die amerikanisch-japanischen Beziehungen gefährdet.

Am Wochenende fanden auch in Tokio Proteste gegen das amerikanische Militär statt. Auf Okinawa haben Demonstranten für bereits eineinhalb Jahre rund um die Uhr versucht, den Bau einer neuen US-Basis an der Küste Henokos zu behindern.

35.000 Demonstranten protestieren gegen die neue US-Militärbasis in der Regionalhauptstadt Naha auf Japans südlichen Insel Okinawa, 17. Mai 2015.

Die Liste der Gewalttaten gegenüber Japanerinnen auf der Insel ist lang. Bei dem Umzug einer US-Militärbasis nach Henoko geht es auch um die Zerstörung des fragilen Ökosystems der japanischen Küstenregion.

Der japanische Protest eint nun Frauenrechtler, Naturschützer, Anhänger der Friedensbewegung, Nationalisten, Rentner, aber auch den Durchschnittsjapaner, der sich um seine Sicherheit sorgt.

Die Menge ruft: „Wir weinen laut um Okinawa, Okinawa gehört uns, gebt uns Okinawa zurück.“ Suzuyo Takazato, Anführer der Protestbewegung, sagte: „Wenn alle Frauen, die von einem amerikanischen Soldaten auf Okinawa jeh belästigt worden sind, an die Öffentlichkeit gingen, dann würden es die Massen unmöglich für das amerikanische Militär machen, sich weiterhin auf Okinawa aufzuhalten.“

Der japanische Künstler Yuken Teruya, aus Okinawa stammend, beschäftigt sich auf seine Weise mit der amerikanischen Besatzung auf der Insel. So kreierte er zum Beispiel einen Kimono, der auf den ersten Blick klassisch anmutet. Bei näherem Hinsehen sind darauf jedoch Fallschirmjäger und die Baustelle der Henoko-Basis auszumachen.

Kimono "You-I, You_I" (2007) von Teruya Yuken
Kimono "You-I, You_I" (2007) von Teruya Yuken