Wegen US-Militär: Selbstverteidigungskurse für Frauen auf Okinawa

Demonstration gegen US-Militärbasis auf der japanischen Insel Okinawa
Demonstration gegen US-Militärbasis auf der japanischen Insel Okinawa
Nach dem Mord an einer Japanerin durch einen US-Marine-Soldaten rief das US-Militär auf Okinawa eine vierwöchige Trauerzeit aus. Während dieser Zeit ist es den 30.000 Soldaten verboten, Alkohol außerhalb der Basis zu trinken sowie nach Mitternacht den Stützpunkt zu verlassen. Die Proteste der heimischen Bevölkerung und deren Wunsch nach einem gänzlichen Verschwinden der Soldaten von der Insel blieben bislang ungehört.

Die Verbote sollen die Gemüter der Japaner besänftigen, aber dafür bräuchte es mehr. Da es sich bei dem jüngsten Mord nicht um die erste Gewalttat durch US-Soldaten gegenüber Japanerinnen handelt, fühlen sich die Japanerinnen unsicher und nehmen nun ihren Schutz selbst in die Hand. Selbstverteidigungskurse für Frauen auf Okinawa sind derzeit sehr gefragt und werden von der Polizei angeboten. Der Bürgermeister Okinawas, Takeshi Onaga, glaubt selbst nicht an die Effizienz der nur kurzfristigen Verbote, die das US-Militär ausgesprochen hat.

Der Oberkommandierende der US-Marinesoldaten, Generalleutnant Lawrence D. Nicholson, hält eine Schweigeminute für eine von US-Marines ermordete 20-jährige Japanerin, Camp Foster, Okinawa, 28. Mai 2016.

Eine 21-jährige Teilnehmerin einer der Selbstverteidigungskurse merkt an, dass sie sehr wohl das Opfer hätte sein können. Eine ältere Teilnehmerin fürchtet um den Schutz ihrer Teenager-Töchter und will erlernen, wie sie sie gegenüber den Amerikanern schützen kann. Ein solches Verbrechen hätte sich nie ohne die US-Basis zugetragen, so die einhellige Meinung.

Die japanische Regierung hat daher am 3. Juni beschlossen, bis zum Ende des Jahres die Polizeipräsenz auf Okinawa um 100 Kräfte zu erhöhen. Eigens für die Sicherheit der Bevölkerung vor Übergriffen durch auf der Insel stationiertes US-Militär soll eine Gemeinschaftssicherheitspolizei ins Leben gerufen werden.

Niemand auf Okinawa glaubt an eine Verbesserung der Sicherheitslage, da die Gewalttaten gegenüber der heimischen Bevölkerung immer wieder stattfinden. Die Japaner fordern eine Überarbeitung oder Nichtigkeitserklärung des sogenannten „SOFA“-Abkommens (Status of Forces Agreement). Dies erlaubt es Straftätern des US-Militärs, bis zu einer Verhandlung in Japan zunächst unter amerikanischer Obhut zu bleiben. Das Abkommen wurde vor 60 Jahren erstellt. Es wird nun diskutiert, ob es abgeändert werden kann.

Jeder neue Soldat muss samt mitreisenden Familienangehörigen auf Okinawa ein „Okinawa Culture Awareness Training“ (Okinawa-Kultur-Bewusstseins-Training) durchlaufen. Nun wurde aber Kritik der heimischen Bevölkerung an den Kursen laut, die dieses als zu emotional und mit zweierlei Maß messend bezeichnen.

Takeshi Onaga äußerte sich hierzu wie folgt: „Das Training ist ein typisches Beispiel für die Arroganz des US-Militärs uns gegenüber.“ Leutnant General Lawrence Nicholson versprach in einer Pressekonferenz, die Trainingsinhalte zu überarbeiten.

Okinawa war der einzige Ort auf japanischem Boden, an welchem, während des zweiten Weltkriegs, Gefechte an Land stattgefunden haben. Die japanischen Soldaten trugen damals japanische Flaggen in ihren Rucksäcken als Glücksbringer. Die aufgehende Sonne auf weißem Grund war von Signaturen und guten Wünschen der Familie umringt. Die amerikanischen Soldaten brachten die Flaggen der gefallenen Soldaten als Trophäen mit in die USA. Ein Ehepaar aus Colorado hat nun einen Verein zur Wiedergutmachung und Völkerverständigung zwischen den Ländern gegründet. Der Verein sucht nach den rechtmäßigen Inhabern der Flaggen und vernetzt sie mit den Veteranen oder deren Hinterbliebenen.

Die Bevölkerung Okinawas und ihre politischen Vertreter sind sich einig, dass die einzige Lösung ein Abzug amerikanischer Truppen ist, um das Kapitel von Krieg und Gewalt abschließen zu können.

Einblicke in das Leben eines US-Marine-Soldaten auf Okinawa via Twitter: „Might kill myself, cause the baddest chick I´ve seen in Okinawa is 17.“