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Japan: Überforderte Suizid-Hotlines wegen Corona-Angst

Japan: Überforderte Suizid-Hotlines wegen Corona-Angst
Eine Menschenmenge am Bahnhof Shinagawa in Tokio am 20. April 2020.
Eine große Zunahme der Anrufe bringt japanische Seelsorgedienste an ihre Grenzen. Meistens geht es bei den Anrufen um die Angst vor dem Coronavirus – oder den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Dabei haben auch die Hotlines mit dem Notstand zu kämpfen.

Die Federation of Inochi no Denwa, die sich aus rund 50 Organisationen für Suizidprävention zusammensetzt, erklärte, dass die Zahl der eingehenden Anrufe nach der Ausrufung des Notstands in Japan in die Höhe geschnellt sei. Die Organisation beschäftigt in etwa 6.000 Berater in ganz Japan.

Ministerpräsident Shinzō Abe hatte am 16. April den Notstand für ganz Japan verordnet. Zuvor, am 6. April, galt der Notstand nur für den besonders betroffenen Großraum Tokio und einzelne Provinzen. Doch im Gegensatz zu einigen Ländern in Europa konnten die Japaner für die Missachtung der Vorgaben nicht belangt werden. Auch wurden die Firmen nicht gezwungen zu schließen.

Entsprechend strömen weiter viele Pendler zur Arbeit, wenn auch mit Masken vor dem Gesicht in etwas weniger gefüllten Nahverkehrsmitteln. Dennoch gibt es auch in Japan einen massiven Einbruch der Wirtschaft. Kein Wunder, dass viele der Anrufer bei den Seelsorgediensten vor allem den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchten. Die Pandemie hatte unter anderem den Autoriesen Toyota und Honda stark zugesetzt. Auch das Unterhaltungs- und Elektronikunternehmen Sony leidet.

Die Hotlines sind ebenfalls betroffen

Einige der Anrufer äußerten sich zudem auch besorgt, weil eines oder mehrere Familienmitglieder mit dem Virus infiziert worden seien. Dabei haben auch die Hotlines mit der Pandemie zu kämpfen: Aus Sorge um ihre zum Teil betagteren Mitarbeiter, die oft in engen Räumen arbeiten müssen, haben einige Mitgliedsorganisationen des Verbandes ihre Dienste kurzfristig eingestellt.

Saitama Inochi no Denwa, eine der meist genutzten Hotlines in Japan hat seinen 24-Stunden-Service hingegen beibehalten. Laut der Hotline geht es in 70 bis 80 Prozent bei den ungefähr täglich 70 Anrufen um das Thema Corona. Gegenüber Anfang April sei dies eine Zunahme von rund 20 Prozent. Trotz einiger Anrufe, die bis zu zwei Stunden dauerten, sei die Zahl der Berater, die für Saitama Inochi no Denwa tätig seien, aufgrund von Personalmangel auf zwei oder drei beschränkt worden.

Ein Mann mit einer Gesichtsmaske geht durch eine Straße mit geschlossenen Restaurants und Bars in Tokio, nachdem die Regierung aufgrund der COVID-19-Krise den Ausnahmezustand verhängte.

"Wir sind in der Lage, dieses System aufrechtzuerhalten, weil es Berater gibt, die trotz des Widerstands ihrer Familien kommen", erklärte Takeshi Naito, Generalsekretär der Saitama-Organisation.

Um auch die jüngere Generation zu erreichen, haben einige Seelsorger Ratschläge in den Sozialen Medien und den Messaging-Diensten veröffentlicht. So erklärte die Organisation Lifelink, dass vor allem auch jüngere Leute anrufen würden, die sich Sorgen um ihr Studium machen. Aber auch gestresste Eltern riefen vermehrt an.

Mittlerweile hat die japanische Regierung beschlossen, den Corona-Notstand in den meisten Landesteilen wieder vorzeitig aufzuheben. Regierungschef Abe gab die Entscheidung am Donnerstag nach Beratungen mit Experten bekannt. Ausgenommen sind städtische Großräume wie Tokio und Osaka.

Der Notstand galt eigentlich noch bis zum 31. Mai. In 39 der 47 Provinzen des Landes wird er jetzt aufgehoben, da die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus dort inzwischen eingedämmt werden konnte. Die Bürger werden dennoch gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben.

Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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