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Schusswaffen aus USA und Deutschland verantwortlich für steigende Todeszahlen in Lateinamerika

Schusswaffen aus USA und Deutschland verantwortlich für steigende Todeszahlen in Lateinamerika
In Lateinamerika steigt der Anteil an Toten durch Schusswaffen. Die Beziehungen zu den USA sind für dessen südliche Nachbarn in vielerlei Hinsicht zwar schwierig, als Absatzmarkt für Waffen sind diese Länder aber umso tauglicher. Auch für deutsche Firmen.

In vielerlei Hinsicht scheinen die Beziehung zwischen den USA und Lateinamerika nicht gerade auf Souveränität und gegenseitigen Respekt zu fußen, zumindest aus Sicht Washingtons. Von den obersten politischen Entscheidern werden Einwanderer aus Lateinamerika pauschal als Kriminelle, Drogenhändler und potenzielle Vergewaltigter abgeurteilt. Als Präsidentschaftskandidat versprach Donald Trump, zur Abschottung eine Mauer zu bauen – gar auf Kosten der mexikanischen Regierung.

Jüngst hat Washington die aus dem 19. Jahrhundert stammende "Monroe-Doktrin" aktiviert, welche zum Zweck einer europäischen Nicht-Intervention ursprünglich "Amerika den Amerikanern" zuteilte. Wobei der Zweck sich zu einer Legitimation US-amerikanischer Invasionen in Lateinamerika und der skrupellosen Verfolgung von US-Interessen ohne Rücksicht auf Verluste in den betroffenen Ländern wandelte. Doch aktuell ist der Teil der Beziehungen, welcher floriert und offenbar auch gepflegt wird, der Absatzmarkt für US-amerikanische Waffen.

 Der US-Nationale Sicherheitsberater John Bolton während einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington, USA, am 28. Januar 2019.

So zeigt eine Untersuchung von Schusswaffen, die an Tatorten in Mexiko gefunden wurden, dass 70 Prozent aus US-amerikanischer Herstellung stammten. Dabei stieg der Anteil der Morde durch eine Schusswaffe in Mexiko von 16 Prozent im Jahr 1997 auf 66 Prozent im Jahr 2017. Das deutet darauf hin, dass etwa die Hälfte der 33.000 mexikanischen Mordopfer im vergangenen Jahr durch eine in den USA hergestellte Waffe getötet wurde.

Zudem hat der Schmuggel System, welches gleichzeitig auf Korruption und Armut aubaut und diese wiederum bedingt. So stammt in Honduras die Hälfte aller nicht registrierten Waffen aus den USA. Auch in Brasilien kommen viele Waffen aus den USA zum Einsatz, wobei vor allem die im Rahmen der Kriminalität eingesetzten Waffen in den vergangenen Jahren durch Paraguay gehandelt wurden, da das Land über eine vergleichsweise lockere Waffenkontrolle verfügt. Allein auf legalem Weg importierten paraguayische Unternehmen in den Jahren 2013 bis Mitte 2018 648.000 Waffen und 331 Millionen Schuss Munition – ein Großteil davon aus den USA.

Mit der Präsidentschaft des waffenfreundlichen Jair Bolsonaro ist auch in Brasilien der Waffenbesitz durch zwei Dekrete erleichtert worden. Einzig in Venezuela seien weniger Waffen aus den USA zu finden, wie es im Economist heißt.

Washington hat Waffenexporte vorangetrieben- aber auch deutsche Firmen rüsten Konfliktländer auf

Die neuere Geschichte belegt die Aussage: "Wer unglaublich viele Waffen exportiert, darf sich nicht wundern, dass es unglaublich viele Flüchtlinge gibt".

Dennoch hat die US-Regierung unter Donald Trump, der vor allem im Wahlkampf ein lautstarker Kritiker der Einwanderung aus dem Süden war, der mächtigen Waffenlobby NRA eine Reform der Ausfuhrkontrolle für kleinere Schusswaffen versprochen, um den Export weiter zu vereinfachen. Außerdem kündigte man an, die Zuständigkeit der Genehmigungen dieser Exporte vom Außenministerium auf das Handelsministerium zu verlagern, was die Regeln für Ausfuhren noch weiter lockern wird.

Da die Vielzahl von Waffen sowohl von teils korrupten Sicherheitskräften genutzt werden als auch in die Hände krimineller Banden gelangen, wird diese neue Praxis die Gewaltspirale weiter antreiben.

Aber nicht nur die Hersteller in den USA, sondern auch deutsche Rüstungsfirmen wie SIG Sauer und Heckler & Koch machen gute Geschäfte – vor allem in Mexiko und Kolumbien. Wie die Studie des Vereins Mexico via Berlin im vergangenen September aufzeigte, geschieht dies unter Umgehung des Kriegswaffenkontrollgesetzes durch Exporte über Drittländer und Produktionsverlagerungen ins Ausland.

In den Jahren 2013 bis 2016 produzierte die SIG Sauer-Tochter in den USA 505.000 Pistolen und 63.000 Gewehre. Derweil stieg die Zahl der Beschäftigten in den USA von 130 im Jahr 2004 auf 900 im Jahr 2014, wohingegen die Beschäftigtenzahl am deutschen Standort Eckernförde von rund 450 im Jahr 2009 auf derzeit knapp 100 zurückging.

Im Rüstungsexportbericht findet sich keinerlei Erwähnungen von Konfliktländern wie Kolumbien und Mexiko. Dieses Muster – die Umgehung von Rüstungsexportvorgaben über Drittländer und Produktionsverlagerungen ins Ausland – wird mittlerweile bekanntermaßen auch von anderen Waffenfirmen genutzt.

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