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Interview: Westliche Destabilisierungsversuche schweißen Venezuela und Türkei zusammen

Interview: Westliche Destabilisierungsversuche schweißen Venezuela und Türkei zusammen
Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro (r.) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am 3. Dezember 2018 im Miraflores Presidential Palace in Caracas.
Der türkische Präsident Erdogan hat Venezuela besucht, wo eine enge wirtschaftliche und politische Kooperation beschlossen wurde. Die Abstempelung als "Diktatoren" und westliche Destabilisierungsversuche bringen beide Staatsoberhäupter einander näher.

von Ali Özkök

RT Deutsch hat mit dem türkischen Professor für Internationale Beziehungen Mehmet Özkan gesprochen. Zwischen 2015 und 2018 war er Direktor der staatlichen Türkischen Agentur für Zusammenarbeit und Koordination (TIKA) in Kolumbien und Lateinamerika. Gegenwärtig ist er Forscher am Zentrum für Globale Politik in Washington.

Erdogan besuchte Venezuela. Was war der Anlass für den Staatsbesuch und worüber einigten sich beide Staaten in den bilateralen Beziehungen?

Beide kamen überein, bei der Entwicklung der Beziehungen in den Bereichen Sicherheit, Handel, Landwirtschaft, Tourismus und vielen anderen zusammenzuarbeiten. Es war der erste Besuch eines türkischen Staatsoberhauptes in Caracas. Dieser Besuch läutet eine völlig neue Ära in den Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela ein.

Welche Rolle spielt Erdogan im politischen und vor allem neu entdeckten wirtschaftlichen Interesse der Türkei an Venezuela und der weiten lateinamerikanischen Region?

Erdogan gilt als Retter Venezuelas. Da Caracas unter internationalem und regionalem Druck steht, ist die Türkei neben Russland und China eines der wenigen Länder, das noch Maduro unterstützt und am politischen Überleben hält. Erdogan vertieft die Öffnung der Türkei in Lateinamerika. Dass Ankara in Venezuela einsteigt, zeugt von einer gewissen "politischen" Beteiligung und Risikobereitschaft. Ankara setzt auf das konfliktbeladene Land. In diesem Sinne ähnelt die Venezuela-Politik Ankaras jener in Somalia seit 2011. Die türkische Präsenz in Somalia hat die Türkei in Afrika, insbesondere am Horn von Afrika, sichtbarer, solider gemacht und zu einem entscheidenden Faktor aufsteigen lassen.

Inwieweit sind türkische Investitionen in Lateinamerika und Afrika Teil einer Strategie, um unabhängiger von westlichen Volkswirtschaften zu werden?

Absolut, das spielt eine große Rolle. Die Türkei versucht, ihre wirtschaftspolitischen Beziehungen so weit wie möglich zu diversifizieren. Lateinamerika ist immer noch ein unterbesetztes Gebiet für türkische Geschäftsleute.

Maduro wird in den USA als Diktator bezeichnet. Wie wird Maduro in der Türkei verstanden und warum hat die Türkei keine Angst, dass die Nähe zu Venezuela neue geopolitische Spannungen mit dem Westen hervorrufen wird?

Die Türkei handelt nicht mehr im Rahmen der Parameter des Kalten Krieges. Ankara sieht zwar solche Implikationen in seinen Beziehungen zu den USA, aber Erdogan besteht auf einer unabhängigen Außenpolitik, die ausschließlich aus einem Ankara-zentrischen Blick verfolgt wird. Eine neue Venezuela-Politik ist Teil des neuen Verständnisses in Ankara.

In ihren Beziehungen zum Westen kritisiert die Türkei regelmäßig die Doppelmoral der herrschenden Eliten. Würden Sie eine Parallele im westlichen Ansatz für Venezuela ziehen?

Erdogan und Maduro sind beide der Meinung, dass sie Opfer von internationalem Druck und Isolation sind. Das stellt einen weiteren Aspekt dar, warum sich beide Staaten annähern. Insbesondere militärische Putschversuche in beiden Ländern brachten Öffentlichkeit und Politik einander näher, zumindest auf emotionaler Ebene. Dabei ist das Gefühl gemeint, dass der Westen versucht, Länder wie die Türkei oder Venezuela zu destabilisieren.

Das Handelsvolumen der Türkei mit Venezuela hat eine Milliarde US-Dollar erreicht. Wo sehen Sie Potenziale für eine Zusammenarbeit und wo liegen die Herausforderungen?

Beide Staaten sind noch in dem Stadium, sich zu entdecken und zu begutachten. Sie versuchen noch herauszufinden, wo sie sich beide am besten weiterentwickeln können.

Der wirtschaftliche Zusammenbruch Venezuelas ist ein Faktor, aber es gibt viele Bereiche, in denen sie zusammenarbeiten können, insbesondere im Bergbau und in der Landwirtschaft. Ein weiterer Bereich der möglichen Kooperation ist der Verteidigungssektor.

Die Türkei exportiert derzeit große Mengen an Lebensmitteln nach Venezuela. Kann dies als eine Initiative angesehen werden, die der Regierung Maduro helfen soll, die US-Sanktionen zu umgehen?

Sie ist in erster Linie als Teil der Geste Ankaras zur Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verstehen. Es ist auch Teil des Handels, wenn die Türkei Lebensmittel nach Venezuela exportiert.

Auch die türkischen Verteidigungsbeamten reisten nach Venezuela. Könnte sich die Türkei mit ihrer aufstrebenden Rüstungsindustrie auch auf eine Sicherheitskomponente mit Venezuela einigen?

Wie bereits angedeutet, ist das auf jeden Fall ein mögliches Kooperationsfeld. Die Türkei könnte sogar die Eröffnung einer Militärbasis in Betracht ziehen. Es gibt einige intellektuelle Diskussionen darüber. Offiziell will man darüber noch nicht sprechen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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