icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Giftregen in Argentinien: Studie weist Glyphosat in Atmosphäre nach

Giftregen in Argentinien: Studie weist Glyphosat in Atmosphäre nach
Der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft ist umstritten und führt immer wieder zu Protesten von Umweltschützern.
Eine in Argentinien durchgeführte wissenschaftliche Studie wies das in der Landwirtschaft eingesetzte Herbizid Glyphosat sowie andere Chemikalien im Regenwasser nach. Unterdessen verbot ein Gericht in Brasilien vorläufig den weiteren Einsatz des Herbizids.

von Maria Müller

Wissenschaftler des argentinischen Zentrums für Umweltforschung (CIM) an der Universität de la Plata sowie der Nationalrat wissenschaftlicher und technischer Studien Argentiniens (CONICET) haben das Ergebnis einer im gesamten Land durchgeführten Langzeitstudie bekannt gegeben.

Glyphosat-Urteil in den USA sorgt für Kurseinbruch bei Bayer

Sie beobachteten seit dem Jahr 2012 die Niederschläge in den Städten der großflächigen Pamparegion, in der heute vor allem gentechnisch veränderte Agrarpflanzen angebaut werden. In 80 Prozent der Regenwasserproben wurden Glyphosat und Atrazin nachgewiesen. Diese beiden Mittel zur Unkrautvernichtung beherrschen heute den Markt in Argentinien. Die Studie mit dem Titel "Glyphosat und Atrazin in Niederschlägen und Böden in landwirtschaftlichen Gebieten der Pamparegion in Argentinien" wurde in der US-Zeitschrift Science of Total Environment veröffentlicht.

Das Untersuchungsgebiet umfasste Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires sowie die Provinzen Entre Ríos, Santa Fe und Córdoba. Deren vorwiegend gemäßigtes und feuchtes Klima ermöglichen 90 Prozent der Produktion von Sojabohnen und zwischen 80 und 90 Prozent jener von Weizen, Mais und Sorghum sowie von Gerste und Sonnenblumen.

Wir arbeiteten in Gebieten mit unterschiedlich intensiver Anbauintensität. Bei der Definition der Hoch- und Niedrigsaison für die Anwendung der Herbizide haben wir die Anbauzyklen berücksichtigt, ebenso bei der Analyse zeitlicher Unterschiede", erläuterten die Forscher ihre Arbeitsweise.

Die meteorologischen Informationen über die Regenfälle kamen vom argentinischen Landwirtschaftsministerium. Sie wurden mit den Konzentrationswerten der Chemikalien im Regenwasser abgeglichen.

Wind verursacht weite Streuung - Regen reinigt Atmosphäre 

Das Ergebnis: Der Wind bläst die Giftpartikel in der Atmosphäre auch in Regionen, in denen die Chemikalien weniger intensiv verwendet werden. Und vor allem sind sie auch in den Städten der Agrarzonen in der Luft anzutreffen. Luftkonzentration und Bodenkonzentration hängen nicht unmittelbar zusammen. Glyphosat bildete am häufigsten Rückstände im Boden (41 Prozent), gefolgt von Atrazin (32 Prozent) und dem Herbizid AMPA (22 Prozent).

Außerdem trat durch die Forschungen zutage, dass häufigere Regenfälle zur "Reinigung der Atmosphäre" und damit zu niedrigeren Werten in der Luft beitragen. Entsprechend sind dann auch die Belastungswerte im Regen niedriger - wohingegen sich die Giftpartikel in weniger feuchten Gebieten intensiver ansammeln und länger halten.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Forschungsarbeit ist die Tatsache, dass

die Höchstkonzentrationen der Herbizide höher sind als in den USA und Kanada, wo man seit Jahrzehnten am intensivsten Glyphosat einsetzt.

Doch möglicherweise werden in Argentinien noch größere Mengen verwendet.

Mehr zum ThemaLobbyismus wirkt: EU verlängert Glyphosat-Zulassung um weitere fünf Jahre

Die Wissenschaftler kritisierten, dass sich die chemischen Produkte von Monsanto-Bayer in der lateinamerikanischen Landwirtschaft immer weiter verbreiteten, doch kaum Informationen über deren Auswirkungen in der Atmosphäre in dieser geografischen Region vorhanden seien.

Eine Analyse des Ausmaßes, in dem die Herbizide in der Atmosphäre transportiert werden und sich möglicherweise rund um die Erde ablagern, ist wichtig und notwendig", schlossen die Chemiker und Biologen ihre Untersuchung ab.

Brasilien: Gericht verbietet Einsatz von Glyphosat und Co

Auch in Brasilien gibt es starken Widerspruch gegen die gentechnisch veränderten Agrarpflanzen und die damit verbundenen Unmengen an Chemikalien. Die brasilianische Richterin Luciana Raquel Tolentino des 7. Distrikts der Regionaljustiz hat die Agro-Industrie in Südamerikas größtem Land vorläufig schachmatt gesetzt. Am 20. August ordnete sie an, dass die brasilianische Regierung den Verkauf und die Verwendung von Produkten zu verbieten habe, die chemische Wirkstoffe wie Glyphosat enthalten.

Unkrautgift Glyphosat für fünf weitere Jahre in Europa zugelassen

Nun muss die brasilianische Gesundheitsbehörde bis zum 31. Dezember eine neue toxikologische Bewertung dieser Produkte vornehmen. Bis dahin bleibt das Verbot bestehen. Laut der Richterin muss auch das brasilianische Institut für Umweltschutz in die Risikobewertung eingebunden werden.

Das gerichtliche Verbot richtet sich neben Glyphosat noch gegen mehrere Agrochemikalien und betrifft auch Abamectin oder Avermectin sowie das Fungizid Thiram und das Pflanzenschutzmittel Paraquat. Richterin Tolentino verordnete außerdem, dass Brasiliens Regierung keine neuen Erzeugnisse mehr zulassen darf, die Wirkstoffe wie Parathion, Methyl, Lactofem, Phorat, Carbofuran, Abamectin, Quitan, Paraquat und Glyphosat enthalten. Zudem sollen alle Zulassungen für Produkte mit diesen Substanzen gestrichen werden, heißt es in dem Urteil.

Dem Richterspruch ging eine Vorgabe der Staatsanwaltschaft voraus, die das Verbot von Glyphosat und ähnlichen Chemikalien beantragt hatte. Der Staatsanwalt begründete seinen Antrag mit einer Reihe von wissenschaftlichen Studien, laut denen diese Stoffe unter anderen Missbildungen bei Mensch und Tier hervorriefen, krebserzeugend wären und Veränderungen im Erbgut bewirkten.

Die brasilianische Industrievereinigung für Pflanzenschutz, der brasilianische Verband der Sojabohnenproduzenten und Unternehmen wie FMC, Monsanto, Syngenta und Taminco kritisierten die gerichtliche Entscheidung.

Mehr zum ThemaMonsanto soll Krebs-Opfer 289 Millionen US-Dollar zahlen

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen