Piraten der Karibik: Europa und die USA profitieren von Edelmetallschmuggel aus Venezuela

Piraten der Karibik: Europa und die USA profitieren von Edelmetallschmuggel aus Venezuela
(Symbolbild). Besonders der Goldschmuggel aus Venezuela ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Nach Daten des US-Observatoriums für Wirtschaftskomplexität am MIT hat Venezuela zwischen 2010 und 2015 für 1,77 Milliarden US-Dollar Gold aus eigener Förderung exportiert.
Die niederländischen Karibikinseln sind Umschlagplatz für massenhaft geraubte Edelmetalle. Venezuela hat alle Handelsbeziehungen zu den Inseln Aruba, Curacao und Bonaire unterbrochen. Auch der Flug- und Schiffsverkehr zu den Nachbarn ist gestoppt.

von Maria Müller

Der Aderlass der venezolanischen Wirtschaft, verursacht durch Raub, Schmuggel und Schwarzhandel, ist überdimensional. Dazu gehören auch großformatige Schmuggelströme kostbarer Edelmetalle in die Nachbarländer. Sie verursachen dem Land Milliardenverluste.

Jeglicher illegale Handel mit Gütern und Dienstleistungen muss verboten und bestraft werden", so der Vize-Wirtschaftsminister Venezuelas, Wilmar Castro Sotelo.

Vor allem die vor der venezolanischen Küste gelegenen Inseln der ehemaligen Niederländischen Antillen sind Analysen ihrer Wirtschaftsdaten zufolge unzweifelhaft Umschlagplätze von illegal außer Landes gebrachtem Gold und Kupfer aus Venezuela, das von dort aus wiederum überwiegend in die Niederlande und die USA exportiert wird. Die niederländischen Verwaltungen haben in den vergangenen Tagen den enormen Umfang an geschmuggelten strategischen Waren aus Venezuela eingeräumt.

Curacao und Aruba als Großexporteure ohne Eigenproduktion

Nicht nur die Inselregierungen wussten um die jährlichen hohen Exportziffern an Edelsteinen und Edelmetallen, die sie selbst kaum oder gar nicht produziert und auch nicht importiert haben. Auch die Niederlande selbst besitzen naturgemäß Kenntnis über das zweifelhafte Exportphänomen ihrer autonomen Staatsgebiete in der Karibik. So ist beispielsweise Curacao nicht nur ein attraktives Tourismusziel, sondern auch ein Finanzplatz für Offshore-Banken.

Unterstützer des Oppositionskandidaten Salvador Nasralla während einer Demonstration in San Pedro Sula.

Besonders der Goldschmuggel aus Venezuela ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Nach Daten des US-Observatoriums für Wirtschaftskomplexität am Technologie-Institut Massachusetts (MIT) hat Venezuela zwischen 2010 und 2015 für 1,77 Milliarden US-Dollar Gold aus eigener Förderung exportiert. Im gleichen Zeitraum hat Curacao, die Insel vor der Küste Venezuelas, für 2,3 Milliarden US-Dollar Gold exportiert, wobei das Gebiet über keine rentable Eigenproduktion verfügt. Wie ist das zu erklären?

Angesichts der mittlerweile immer stärker zugespitzten Lage zwischen den Inseln und Venezuela trat die Schmuggelroute für Gold auf dem Landweg nach Guyana, in das kleine Nachbarland Venezuelas, offen zutage. Von dort aus verschiffen die Schmuggler das Metall auf die Insel Curacao.

Kupferkabel aus den Versorgungsnetzen entfernt

Venezuela hat die größten Goldreserven Lateinamerikas. Goldfunde erstrecken sich auch über eines der bedeutendsten Bergbaugebiete des Landes im Grenzgebiet zu Guyana. Dort sollen paramilitärische Mafia-Banden die Produktion der Minen kontrollieren und die Erträge ins Nachbarland absetzen. Von dort gelangt das Gold über die Antillen nach Europa, in den Mittleren Osten und die USA. Das Schmuggel-Gold zum Niedrigpreis ist billiger als das offiziell registrierte Gold des venezolanischen Staates.

Ein weiteres strategisches Metall aus Venezuela ist Kupfer, das von Aruba aus vor allem in die Niederlande weiterverkauft wird. Es handelt sich überwiegend um tonnenweise geraubte Kupferkabel von den Stromnetzen der venezolanischen Karibikküste.

Die Stromversorgung der betreffenden Provinzen leidet unter den zerstörten Leitungen, die von gut organisierten Banden ausgerissen und sauber gebündelt als Kupferschrott nach Aruba gebracht werden. Kupferschrott ist auf dem Weltmarkt begehrt. Ihn wieder aufzubereiten ist kostengünstiger als neu gefördertes Kupfer herzustellen.

Im Jahr 2016 hat Aruba für 5,94 Millionen US-Dollar Kupferschrott vor allem in die Niederlande exportiert. Das sind immerhin 6,9 Prozent seiner Gesamtexporte.

Piraten der Karibik: Europa und die USA profitieren von Edelmetallschmuggel aus Venezuela

Grafik: Misionverdad

Künftig soll Herkunftszertifikat vorgeschrieben sein

Unter den Ländern mit der größten Steigerungsrate an Kupferexporten hat Venezuela zwischen 2012 und 2016 mit 39,6 Millionen Dollar den sechsten Platz eingenommen. Ihm dicht auf den Fersen folgen die kleine Insel Aruba auf Platz sieben mit einem Exportanstieg von 11,4 Millionen und Curacao mit 4,2 Millionen auf Platz neun. Beide Inseln produzieren selbst kein Kupfer.

Wie schon am 19. November beim ersten Wahlgang deutlich wurde, konnte die Rechte mit Sebastian Pinera gewinnen, weil die Linke gespalten war und ein Teil ihrer Wähler dem Urnengang fernblieb.

Evelyn Wever-Croes, die Premierministerin von Aruba, hatte am 11. Januar erklärt, mit der Regierung Venezuelas zusammenarbeiten zu wollen, um den Handel mit Schmuggelware zu unterbinden. Tags darauf fand ein Treffen mit ranghohen Vertretern beider Länder statt, verschiedene Maßnahmen wurden angekündigt.

Wir konnten einen Arbeitsplan erstellen, der sowohl von den Verantwortlichen in der niederländischen Regierung als auch von Venezuela akzeptiert wurde,

äußerte sich der venezolanische Vize-Wirtschaftsminister Wilmar Castro Soteldo beim Verlassen des Treffens. Eine nächste Sitzung ist für den 18. Januar angesagt.

Niederlande profitieren von "humanitärem Notstand"

Zu den angekündigten Schritten gehört in erster Linie, dass auf den Antilleninseln die internationalen Handelsnormen eingehalten werden müssen. Nun sollen die Firmen dort nicht mehr mit Waren handeln dürfen, die aus kriminellen Quellen stammen. Edelmetalle dürfen nur gekauft und weiterverkauft werden, wenn sie ein Herkunftszertifikat aufweisen. Bis jetzt gab es dafür kein Gesetz auf Aruba. Auch die Möglichkeit, die illegal ausgeführten Edelmetalle nach Venezuela zurückzubringen, ist im Gespräch.

Die Europäische Union beteiligt sich schon seit Jahren an einer politischen Kampagne gegen Venezuela. Begründet wird die europäische Strategie mit Demokratiedefiziten und einer Versorgungskrise der Bevölkerung, die Brüssel wiederholt als humanitären Notstand bezeichnete. Gleichzeitig verschafft sich der EU-Staat Niederlande Vorteile in Millionenhöhe durch den illegalen Handel mit Gold und Kupfer aus Venezuela und entzieht damit der dortigen Wirtschaft und der Bevölkerung immense, lebensnotwendige Ressourcen. Auch in Brüssel kennt man seit Jahren die niederländischen Wirtschaftsdaten. Venezuela muss entschädigt werden.

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