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Verschollenes argentinisches U-Boot: Verdacht fällt auf deutsche Lieferanten

Verschollenes argentinisches U-Boot: Verdacht fällt auf deutsche Lieferanten
Das argentinische Militär-U-Boot ARA San Juan und seine Besatzung, als sie den Hafen von Buenos Aires am 2. Juni 2014 verließen.
Die "ARA San Juan" ist mit 44 Menschen an Bord seit 25 Tagen verschollen. Auf dem Festland beginnt die Suche nach den Ursachen der Havarie. Womöglich verursachte ein Schwelbrand in der Batteriebank den Untergang. Gegen zwei deutsche Firmen wird ermittelt.

Die Sonargeräte von acht Schiffen durchkämmen den Meeresboden im Südatlantik. Auf der Suche nach dem vor fast einem Monat verschollenen argentinischen U-Boot mit 44 Menschen an Bord werden Schallbilder von Objekten erstellt, die der 66 Meter langen "ARA San Juan" entsprechen könnten. Für die 44 Seeleute an Bord gibt es keine Hoffnung.

Russische und US-amerikanische ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge werden in Tiefen von bis zu 1000 Metern hinabgelassen, um über Videoaufnahmen aus unmittelbarer Nähe die Objekte zu identifizieren. Die sogenannten ROVs (Remotely Operated Vehicles) haben bislang fünf längliche Figuren auf dem Ozeangrund erkannt. Vier gehörten vor längerer Zeit untergegangenen Fischkuttern, eins einer Felsformation. Zwei weitere Echolot-Aufnahmen sollen in diesen Tagen noch von den Roboter-U-Booten untersucht werden.

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Die Schiffe aus Russland, den USA, Großbritannien, Chile und Argentinien durchsuchen eine Meeresfläche von 80 Kilometern Durchmesser. Irgendwo dort soll die "ARA San Juan" nach einer von internationalen Meeressonden registrierten Explosion an Bord am 15. November untergegangen sein. Nur zweieinhalb Stunden zuvor hatte die Besatzung in einer letzten Verbindung über einen angeblich kontrollierten Schwelbrand in den Batterien des elektrisch angetriebenen U-Boots berichtet. Beim Auftauchen bei hohem Wellengang war Wasser über den Schnorchel des U-Boots eingedrungen und hatte bei den Bug-Batterien einen Kurzschluss verursacht.

Dies wurde von der argentinischen Marine erst knapp zwei Wochen später bekanntgegeben. Noch später stellte sich heraus, dass das U-Boot schon acht Stunden vorher erstmals eine Havarie gemeldet hatte. Die Marine vertuschte dies tagelang als ein "Kommunikationsproblem" mit dem U-Boot.

Massive Kommunikationsprobleme gab es unterdessen beim Gang an die Öffentlichkeit. Ein Marinesprecher, bislang das einzige Sprachrohr, gab stückchenweise das wahre Ausmaß der Tragödie bekannt. Weder der Marinekommandeur noch Verteidigungsminister Oscar Aguad ließen zunächst von sich hören. Der Kommandeur des U-Boot-Stützpunktes in Mar del Plata trat diskret in den Ruhestand. Die acht letzten Funkverbindungen der "ARA San Juan" wurden nach Presseberichten nicht aufgezeichnet. Ihr genauer Inhalt bleibt der Öffentlichkeit weiter unbekannt.

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Präsident Mauricio Macri kündigte neun Tage nach Verschwinden des U-Boots eine "ernsthafte und tiefgründige" Untersuchung der Havarie-Ursachen an. Regierungssprecher wiesen auf die 2011 abgeschlossene Generalüberholung des U-Boots hin.

Deutsche Firmen im Visier: Schmiergeld und fehlerhafte Batterien

Die "ARA San Juan" war von den Nordseewerften gebaut worden und 1983 in Emden von Stapel gelaufen. Die Sanierung fand während der Regierung von Cristina Fernández de Kirchner (2007-2015) in einer argentinischen Werft statt. Die Batteriezellen wurden bei deutschen Unternehmen bestellt.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) und der „Tagesschau“ sollen die Firmen bei der Generalüberholung des U-Boots Schmiergeld gezahlt und ihre Arbeit unzureichend dokumentiert. Dem Bericht des BR zufolge wurden unter anderem die Batterien ausgetauscht.

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Der argentinische Verteidigungsminister, Oscar Aguad, verwies demnach selbst darauf, dass bei der Generalüberholung der "ARA San Juan" Korruption vorlag:

Es wurde sogar Anzeige vor dem ersten Bundesgericht erstattet, in der von Korruption und Anomalien die Rede war, aber die wurde unter den Teppich gekehrt und nicht verfolgt. Und es gibt auch Aussagen, dass die verwendeten Materialien nicht der erforderlichen Qualität entsprechen“, zitierte ihn der BR.

Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im argentinischen Parlament, Cornelia Schmidt-Liermann, fragte bei der Bundesregierung an, ob deutsche Techniker die Neuausstattung der 964 Batterien des U-Boots vor Ort überwacht hätten. Zugleich warf die Regierungsabgeordnete den Korruptionsverdacht bei den Aufträgen zur U-Boot-Sanierung wieder auf, der vor mehreren Jahren von einem Unteroffizier vor Gericht gebracht, aber von der Justiz eingefroren worden war. Die für die Ermittlung der Ursachen des U-Boot-Untergangs zuständige Richterin, Marta Yáñez, war vorsichtiger. Sie erklärte lediglich, die Untersuchungen würden mehrere Monate andauern, es habe aber "schwere Fehler" bei der Informationsvermittlung gegeben.

Inwieweit die sieben Jahre zurückliegende Generalüberholung der "ARA San Juan" mit der mutmaßlichen Panne eines Schnorchelventils in Zusammenhang stehen kann ist noch nicht geklärt. Angehörige der Besatzung wiesen auf angebliche frühere Pannen hin, die nicht ausreichend beachtet worden seien.

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