Kolumbien: Militärs wegen Drogenhandel verhaftet - Vordringen der Drogenringe in staatliche Bereiche

Kolumbien: Militärs wegen Drogenhandel verhaftet - Vordringen der Drogenringe in staatliche Bereiche
Allein seit Beginn des Jahres sollen 132 Angehörige der Armee und 927 Polizisten von ihren Posten entlassen worden.
In Kolumbien wurden insgesamt 28 Militärs wegen Zusammenarbeit mit Drogenkreisen nach einer Großoperation verhaftet. Sie manipulierten Radargeräte und gaben interne Informationen an die Organisationen weiter, um den Drogentransport nach Mittelamerika zu ermöglichen.

von Maria Müller

Am 28. November fielen 16 Militärs in die Hände der Fahnder des militärischen Geheimdienstes, darunter acht Angehörige der Marine. Zwei Tage später wurden sechs weitere Soldaten der Flotte gefasst. Am 4. Dezember konnten erneut vier Unteroffiziere der Seestreitkräfte dingfest gemacht werden. Die Großoperation war seit einem Jahr vorbereitet worden und fand in mehreren Departments Kolumbiens gleichzeitig statt.

"Heute wurden 16 Mitglieder der Streitkräfte wegen des Verdachts auf Beteiligung am Drogenhandel verhaftet", bestätigte der Verteidigungsminister Kolumbiens, Luis Carlos Villegas, die Verhaftungen in Militärkreisen Ende November.

Allein seit Beginn des Jahres seien laut Villegas 132 Angehörige der Armee und 927 Polizisten von ihren Posten entlassen worden. Es habe sich bei diesen Fällen um verschiedene "Unregelmäßigkeiten" gehandelt.

Im Jahr 2016 wurden 1.160 Uniformierte inhaftiert. Darunter 551 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Raub, Totschlag und innerfamiliäre Gewalt", äußerte sich Villegas dann zum Jahr davor.

Die 16 gefangenen Militärs stehen im Verdacht der Zusammenarbeit mit dem Drogenkartell Los Puntilleros, eine der größten kriminellen Vereinigungen des Landes. Sie arbeitet vor allem im Osten Kolumbiens, im Department Vichaga. Dort seien zur gleichen Zeit 40 Personen im Zusammenhang mit den Puntilleros gefangen worden.

Abgabe des Stimmzettels am 27. November in Havanna, Kuba

Unter den Verhafteten befindet sich eine Gruppe von acht Mitgliedern der Marine Kolumbiens. Sie habe mit Organisationen zusammengearbeitet, die über die Karibikinsel San Andres Kokain nach Mittelamerika befördern. Die Angehörigen der Flotte sollen auf der Insel die Radare des militärischen Küstenschutzes manipuliert haben, damit die Schnellboote der Mafia ungestört ihre Ware zur See befördern konnten.

Am 30. November gingen erneut sechs Marineangehörige ins Netz. Laut Haftbefehl sollen sie eine kriminelle Vereinigung mit Waffen versorgt haben.

Am 4. Dezember wurden vier weitere Unteroffiziere der Marine verhaftet. Sie stehen im Verdacht, Schmiergelder von Drogenorganisationen entgegengenommen zu haben. Als Gegenleistung sorgten sie dafür, dass diese ungestört die Militärkontrollen in den Departments Cauca und Nariño an der Pazifikküste passieren konnten. Dabei wurden der Rohstoff und Chemikalien zur Herstellung von Kokain verbracht. Auch diese Täter arbeiteten im Innern der militärischen Küstenwache und hatten Kenntnis von deren Planungen. Sie warnten die Drogenbosse rechtzeitig vor anstehenden Militäroperationen zum Abfangen ihrer Fracht. 

Wir haben festgestellt, dass sie alle Arten von Vorbereitungen trafen, damit die Transporte problemlos vor sich gehen konnten. Sie haben die Militärboote eigenhändig beschädigt, um ihre Kontrollfahrten zu verhindern",

berichtete der Verteidigungsminister gegenüber der Presse.

Das Vordringen der Drogenringe in staatliche Bereiche

In Kolumbien haben die Drogenkartelle nicht nur in der Polizei und in Militäreinheiten Fuß gefasst. Ihre Verbindungen reichen auch in die Justiz, in die staatliche Verwaltung, in die Politik und ins Parlament. Das Phänomen heißt dort "Parapolitik". Im vergangenen Jahr wurde der Senator Martin Morales wegen schwerer Verbrechen im Zusammenhang mit einem Drogenkartell vor die Justiz gebracht. 

Soldaten des Ipiranga Special Border Platoon marschieren während einer Zeremonie zu Ehren der US Navy Adm. Mike Mullen, während seines Besuchs in Ipiranga, Brasilien im Jahr 2009.

Die Aktivitäten der Paramilitärs und Drogenkreise im politischen Bereich kommen immer wieder an die Öffentlichkeit. Die paramilitärischen Organisationen schaffen geradezu neue politische Bewegungen. Sie bestimmen deren Kandidaten für regionale und nationale Wahlen und finanzieren deren Wahlkampagnen. Sie bringen ihre Figuren bis ins Nationalparlament. Im Jahr 2015 wurden 51 Mitglieder der Regionalpartei "Für eine große, einige und friedliche Provinz Urabá" verhaftet. Zahlreiche Bürgermeister und Provinzgouverneure waren von der Bevölkerung gewählt worden ohne zu wissen, dass es sich um Mitglieder der Drogenmafia handelte.

Der Oberste Gerichtshof wiederum sprach in einem exemplarischen Urteil acht Parlamentarier von der Mitverantwortung für Menschenrechtsverbrechen frei, die auf das Konto der Paramilitärischen Organisation "Nordfront der AUC" gingen. Fünf Jahre zuvor hatte das gleiche Gericht die Abgeordneten für mitschuldig erklärt.

Die enge Verbindung dieser Volksvertreter zu der kriminellen Vereinigung und die Finanzierung ihrer Wahlkampagnen durch die Paramilitärs ist nachgewiesen. Die Nordfront der AUC hat zwischen 1997 und 2006 in der Karibikregion 300 Massaker verübt und 700.000 Personen aus ihren Gemeinden vertrieben. 

Santiago Uribe Vélez, der Bruder des früheren kolumbianischen Präsidenten und heutigen Senators Alvaro Uribe, ist angeklagt, die paramilitärische Organisation "12 Apostel" gegründet zu haben. Ein hoher Polizeioffizier, Juan Carlos Meneses, wurde zusammen mit ihm verhaftet. Der Organisation werden unter anderem 533 Morde vorgeworfen

Zur Zeit findet der Prozess gegen Santiago Uribe statt, in dessen Vorfeld bereits sieben von zwölf Zeugen umgebracht wurden. Auch der Richter fürchtet um sein Leben, wie das Online-Portal amerika21.de berichtet. 

Sein Bruder und gegenwärtiger Senator Alvaro Uribe wird wegen Verbindungen zur Drogenwelt und zu Paramilitärs, sowie zahlreicher Menschenrechtsverbrechen beschuldigt. 

Ein Mitglied der kolumbianischen Anti-Drogen-Sondereinheit während der Verbrennung eines sogenannten

Er soll mit dem Kartell von Medellin zusammengearbeitet und die politische Kampagne des berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar unterstützt haben. Seine Straflosigkeit sichert er sich bis heute durch die Immunitätsrechte als Präsident und Senator - und durch seine Macht im "tiefen Staat" Kolumbiens. Er ist der schärfste Gegner des Friedensprozesses. 

In den Vereinigten Staaten werden den von Kolumbien ausgelieferten Drogenbossen und Paramilitärs außergewöhnliche Zugeständnisse gemacht. Laut einem Bericht der New York Times befinden sich rund 40 von ihnen in US-Gefängnissen. Sie werden dort jedoch nur wegen Drogenhandels verurteilt. Die horrenden Menschenrechtsverbrechen, wegen derer sie in Kolumbien angeklagt sind, fallen in den USA unter den Tisch. Die Strafen werden außerdem niedriger gehandelt als sonst üblich.

Bei guter Führung und Zusammenarbeit mit den Ermittlungen kommen sie im Durchschnitt nach sieben bis acht Jahren frei - trotz Tausender von Tonnen Kokain, die sie in die USA schafften. Ein kleiner Straßendealer muss mit mindestens zwölf Jahren rechnen. Laut dem Bericht wird die in Kolumbien bereits abgesessene Gefängniszeit von der Strafe in den USA abgezogen. Anschließend erhalten diese Täter für sich und ihre Familien eine Aufenthaltsgenehmigung in den USA. So werden ihnen lebenslängliche Haftstrafen in Kolumbien erspart. 

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