Mexiko: Dramatischer Rückgang im Tourismus aufgrund zunehmender Gewalt der Drogenkartelle

Mexiko: Dramatischer Rückgang im Tourismus aufgrund zunehmender Gewalt der Drogenkartelle
Potenzielle Mexiko-Touristen haben bereits knapp 35.000 für 2018 gebuchte Hotel-Übernachtungen storniert. Bereits in diesem Jahr sank die Hotelbelegung um zehn Prozent. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Gewaltverbrechen auch in Touristenhochburgen.

Wenn der mexikanische Peso schwach ist, war das bisher in der Regel ein Zeichen der Hoffnung dahingehend, dass Touristen vermehrt Urlaube in Mexiko buchen. Doch aktuell nehmen vor allem US-amerikanische Touristen, die traditionell eine Mehrheit der Besucher Mexikos darstellen, von ursprünglich geplanten Urlauben im Nachbarland Abstand.

Hintergrund sind mehrere Aufsehen erregende Verbrechen, die sich in jüngerer Zeit ereignet hatten. Im November 2016 hatten Kriminelle das Feuer in einem Cancuner Nachtclub eröffnet. In einem Resort von Cabo San Lucas fand man einen Eiskühler, der zwei abgetrennte Köpfe beinhaltete.

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In Los Cabos hat sich die Anzahl der Morde binnen kurzer Zeit vervierfacht und in Cancun verdoppelt. Mexikanische Behörden registrierten im Juni landesweit 2.234 Morde, wodurch der Monat zum tödlichsten seit mindestens 20 Jahren wurde.

Bislang verschont gebliebene Orte sind nicht mehr sicher

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 eröffneten die mexikanischen Behörden zudem 2.155 Ermittlungsverfahren auf Grund von Tötungsdelikten, was gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Anstieg um 31 Prozent bedeutet.

Auch in Baja California Sur, dem Golfküstenstaat Veracruz und Mexiko-Stadt stieg die Anzahl der Morde. Das sind Orte, die zuvor lange Zeit als Oasen galten, die von der Gewalt der Drogenkartelle verschont blieben.

Im August dieses Jahres gab das US-Außenministerium eine Warnung heraus, in der es hieß, dass "US-Staatsbürger in verschiedenen mexikanischen Staaten Opfer von Gewaltverbrechen wie Mord, Entführung, Autodiebstahl und Raub geworden sind".

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"Der Gruppentourismus ging in dem Moment automatisch zurück, als die Warnung herauskam", sagte Carlos Gosselin, der Chef des Hotelverbandes für Cancun und Puerto Morelos, zu Bloomberg.

Flaute könnte ein halbes Prozent des BIP kosten

Dem Bericht zufolge geben Hotelketten wie Hilton Worldwide und Marriott International mittlerweile Millionen aus, um Gäste zur Rückkehr zu bewegen. Marriott teilte den Medien jedoch mit, dass Mexiko weiterhin ein begehrtes Reiseziel für Besucher aus der ganzen Welt sei und dass das Unternehmen insgesamt aufgrund der Entwicklung nur sehr wenige Absagen für die Ferienzeit bekommen hätte.

Der Finanzdienstleister Barclays erklärte, dass der Rückgang des Tourismus Mexiko ein halbes Prozent seines Bruttoinlandsprodukts kosten könnte. Das lateinamerikanische Land kann aus dem Tourismus jährlich Erlöse in Höhe von etwa 20 Milliarden US-Dollar verzeichnen.