Argentinische Wissenschaftler entdecken Nazi-Unterschlupf im Dschungel von Nord-Argentinien

Argentinische Wissenschaftler entdecken Nazi-Unterschlupf im Dschungel von Nord-Argentinien
Das Gebäude im nordargentinischen Nationalpark Teyú Cuaré. 9. März 2015
Die Studie "Archäologie eines Nazi-Unterschlupfs in Argentinien" untersucht ein kleines Haus mitten im Dschungel Südamerikas. Der Architekt Daniel Schávelzon hat viele Jahre lang zusammen mit seiner Kollegin Ana Igareta das unscheinbare Gebäude erforscht. Gegenüber RT erzählt von seinen Erkenntnissen.

Nach mehreren Jahren Arbeit im nordargentinischen Naturpark Teyú Cuaré haben die Wissenschaftler Daniel Schávelzon und Ana Igareta im Jahr 2017 ein Buch herausgegeben, das von einem Nazi-Zufluchtsort mitten im Dschungel handelt. Das drei mal drei Meter große Haus unterscheidet sich durch seine Architektur sehr stark von den Resten der jesuitischen Bauwerke, auf die man im Nationalpark noch zufällig stoßen kann. Die Behausung stammt eindeutig aus dem 20. Jahrhundert. Laut Ortslegenden sollen sich in dem Gebäude Spitzenbeamte aus dem Dritten Reich versteckt haben.

Hitlers blutrotes Telefon für 243.000 US-Dollar versteigert

Der Ort hatte ein gewisses Etwas, das nicht ins Gesamtbild passte. Das Gebäude war laut Einheimischen etwas besonderes und nicht von Jesuiten erbaut", erzählte Daniel Schávelzon im Gespräch mit RT.

Der Forscher hatte den Zufluchtsort zum ersten Mal im Jahr 2001 besichtigt, als der Naturpark für das Publikum geöffnet hatte. Damals hatte sich der Archäologe an der Restaurierung der Ruinen einer Jesuiten-Mission beteiligt. Allerdings habe er schon damals erwogen, das merkwürdige Gebäude in der Nähe irgendwann später genauer zu untersuchen, so Daniel Schávelzon.                            

Erste Funde

Dem Wissenschaftler zufolge wurde erst nach ungefähr einem Jahr Ausgrabungen offensichtlich, dass sein Team auf eine äußerst wichtige Entdeckung stieß. Der Durchbruch passierte, als die Archäologen unter dem Fundament Münzen entdeckten. Die Geldstücke gaben endlich Aufschluss darüber, warum das Haus trotz seines Äußeren so modern war und warum es keine Informationen darüber im Register gab. Als die Forscher eine eingemauerte Blechdose mit den Porträts von Benito Mussolini und Adolf Hitler sowie einige andere Artefakte entdeckten, wurde die Situation völlig klar.

Auch die argentinische Zeitung Clarín schrieb damals von dem Fund. Unter den freigelegten Gegenständen waren Zeitungsausschnitte, die unter anderem einen deutschen Soldaten mit einem Hakenkreuz zeigten, eine im Jahr 1942 geprägte Münze zum Nennwert von 50 Reichspfennigen, zwei slowakische Kronen aus dem Jahr 1940, ein im Jahr 1938 geprägter jugoslawischer Dinar und ein argentinischer Centavo aus dem Jahr 1939.

Daniel Schávelzon zufolge war das alles recht gut unter der Erde oder zwischen Steinen versteckt. Auf den ersten Blick gab es an dem Ort nichts außer Ruinen und Steinwände. Dass sie aus dem 20. Jahrhundert stammten, hätte man erst nach langem Forschen feststellen können. Ohne das entdeckte Versteck wäre es schlichtweg unmöglich gewesen, die Geschichte des Gebäudes zu begreifen.

Eine der wichtigsten Legenden, die unter den Einheimischen die Runde machte, besagte, dass in dem Haus kein geringerer als Martin Bormann, Adolf Hitlers Privatsekretär, gewohnt haben soll. Als die Ausgrabungen begannen, behaupteten die örtlichen Medien, dass die Wissenschaftler einen Nazi-Schatz freigelegt hätten.

Eigentlich hatten wir damit Probleme. Die örtlichen Zeitungen haben auf Schätze, auf Menschenversuche von Josef Mengele und auf anderen Unsinn beharrt, der sich gut verkaufen lässt", sagte Daniel Schávelzon gegenüber RT.

Einmal habe sich an dem Ausgrabungsort sogar die Polizei eingefunden, um die angeblichen Nazi-Schätze zu beschlagnahmen. Es sei echt dumm gewesen, sagte der Forscher. Allerdings würden die Gerüchte um Martin Bormann die Vermutung nahelegen, dass die Einheimischen etwas über den Ort gewusst oder zumindest geahnt haben dürften. Wie dem auch sei, das Ziel der Archäologen sei es gewesen, nach Beweisen und nicht nach Klatsch und Tratsch zu suchen.

Bislang einmaliger Ort in Lateinamerika

Ernst Röhm (l) und Rudolf Hess 1933

Daniel Schávelzon zufolge weisen alle gefundenen Artefakte darauf hin, dass der Unterschlupf um 1945 oder spätestens bis Mitte des 20. Jahrhunderts errichtet worden sein muss. Wahrscheinlich dürfte sich mit dem Aufbau eine örtliche Nazi-Zelle beschäftigt haben, um das Haus jemandem als Zufluchtsort anzubieten. Das Gebäude könnte sogar eine Zeit lang genutzt worden sein.

Wie dem auch sei, in jenen Jahren haben die geflüchteten Spitzenbeamte des Dritten Reiches frei gelebt, ohne sich verbergen zu müssen", betonte Daniel Schávelzon gegenüber RT.

Dem Archäologen zufolge gibt es bislang keine Hinweise auf andere ähnliche Nazi-Zufluchtsorte auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Vielleicht hat man sie einfach noch nicht entdeckt.

Mehr lesen:   Nach Nazi-Fund in Argentinien: Neue Spur führt nach Solingen