Venezuela-Krise: Trump droht mit Krieg

Venezuela-Krise: Trump droht mit Krieg
Erst Nordkorea, nun Venezuela. US-Präsident Trump löst mit nicht näher ausgeführten, Drohgebärden viel Unruhe im Hinterhof aus. Venezuelas Staatschef Maduro will Trump anrufen - der lehnt ab.

US-Präsident Donald Trump schließt angesichts der Umwälzungen in Venezuela überraschend auch eine militärische Option nicht aus. Trump sagte am Freitag in seinem Urlaubsdomizil in Bedminster (New Jersey) angesprochen auf das Thema: "Wir haben viele Optionen für Venezuela, einschließlich einer militärischen, falls nötig." Es war nicht unmittelbar klar, was Trump damit meinte. Seine Äußerung fiel ohne Erläuterung oder Zusammenhang.

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Trump nannte die Lage im Land mit der größten Ölreserven der Welt ein "Chaos, ein sehr gefährliches Chaos und eine traurige Situation."

Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagte zu Trumps Worten: 

Das ist ein verrückter Akt, ein Akt des Extremismus."

In erster Reihe werde er die Souveränität Venezuelas verteidigen. In sozialen Medien in Südamerika wurden die Worte Trumps heiß diskutiert und kritisiert.

Maduro hatte zuvor angekündigt, mit Trump reden zu wollen.

Sind Sie nicht daran interessiert, mit Venezuela zu reden? Hier bin ich", hatte Maduro am Donnerstag bei einer Rede vor der umstrittenen Verfassungsgebenden Versammlung gesagt.

Am Freitag beantragte er tatsächlich ein Telefonat mit Trump.

Wie das Weiße Haus mitteilte, sei das aber abgelehnt worden.

Präsident Trump wird gerne mit dem Führer Venezuelas sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt ist", hieß es in der Erklärung.

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Die USA verlangten eine Achtung der Verfassung, freie und faire Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener und ein Ende der Repression gegen das Volk. Oft gewaltbereite Oppositionelle und einige westliche Regierungen werfen Maduro den Umbau zu einer Diktatur vorgeworfen. Bei Protesten von radikalen Regierungsgegnern starben über 120 Menschen.

Trotz aller Differenzen sind die USA der wichtigste Abnehmer von venezuelanischem Erdöl, ohne die Exporte in die USA droht die Staatspleite. Nach dem derzeitigen Ölpreis importieren die USA für rund zehn Milliarden Dollar im Jahr Öl aus dem Land.

Maduro hatte zunächst auf bessere Beziehungen mit Trump als unter Vorgänger Barack Obama gesetzt. Der Ölkonzern Citgo, der dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA gehört, spendete der Deutschen Presse-Agentur zufolge sogar 500.000 Dollar für die Vereidigungsfeier Trumps am Washingtoner Capitol.

Aber seither verschlechterten sich die Beziehungen. Trump ergriff öffentlich Partei für den zu einer langen Haftstrafe verurteilten Oppositionsführer Leopoldo López und empfing demonstrativ dessen Frau Lilian Tintori im Weißen Haus. Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami wurden mit Finanzsanktionen belegt - ihm wurde öffentlich die Verwicklung in Kokainhandel im großen Stil vorgeworfen, obwohl hierfür keine Beweise vorliegen.

Der Außenminister Venezuelas Jorge Arreaza in Caracas, 8. August 2017.

US-Außenminister Rex Tillerson hatte zuletzt wiederholt betont, keine Option in Bezug auf Venezuela sei ausgeschlossen, da ging es aber eher um die Frage nach einem Importstopp für Öl aus Venezuela. Gegen mittlerweile über 20 Personen der Führungselite wurden Sanktionen verhängt, auch gegen Maduro. Mögliche Vermögen und Konten, auf die US-Behörden Zugriff haben, werden eingefroren, US-Bürgern sind Geschäfte mit den auf der Listen stehenden Personen verboten.

Seit der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung, die die Stellung der fortschrittlichen Kräfte zementieren könnte, hat sich die Lage verschärft. Oppositionelle, die fürchten, marginalisiert zu werden, radikalisieren sich immer weiter. Zuletzt griffen sie sogar zu bewaffneten Aktionen. Inzwischen ist es kaum mehr möglich, zwischen moderaten Oppositionellen und radikalen Rebellen zu trennen.

Die USA kritisieren die Verfassungsversammlung und mobilisieren alle ihre Kräfte, um die pro-US-amerikanische Opposition zu stärken. Viele lateinamerikanische Staaten im Orbit der USA folgten das Beispiel Washingtons. 

Die Vereinigten Staaten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Male in die inneren Angelegenheiten der lateinamerikanischen Länder eingemischt. Oft orchestrierte Washington Militärputsche oder intervenierte direkt, wie im Jahr 1989 in Panama, um seine politischen Interessen durchzusetzen. In Venezuela hatte sich die US-Regierung zuletzt an einem Putschversuch im Jahr 2002 beteiligt. Diesen konnten die loyalen, fortschrittlichen Kräfte jedoch schnell niederschlagen. Unter Experten wird derzeit diskutiert, ob die USA wieder einen ähnlichen Weg eingeschlagen sind. (dpa/rt deutsch)

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