Afghanistan-Krieg: Kolumbien will NATO mit Entsendung von Soldaten aushelfen

Afghanistan-Krieg: Kolumbien will NATO mit Entsendung von Soldaten aushelfen
Kolumbianische Soldaten während einer Parade zum Nationalfeiertag in Bogota. Im Rahmen der Kooperation mit der NATO will sich Kolumbien stärker in Afghanistan engagieren.
Im Rahmen einer engeren Kooperation mit der NATO will Kolumbien eigene Soldaten nach Afghanistan entsenden. Das für schwere Menschenrechtsverbrechen berüchtigte Militär hat auch die Zusammenarbeit mit der EU intensiviert – Berlin spielt dabei eine treibende Rolle.  

Laut Aussage des kolumbianischen Generals Alberto José Mejía gebe es ein Angebot der NATO, sich am Einsatz in Afghanistan zu beteiligen. Dieser biete die Gelegenheit für „Front- und Ausbildungseinsätze sowie zur Kapazitätsentwicklung“, so der General gegenüber der Zeitung El Colobiano. Die Rede ist von insgesamt 5.000 Soldaten, die für internationale Missionen der NATO und der UN zur Verfügung stehen sollen.   

Kolumbien beteiligt sich bereits seit dem Jahr 2010 mit einem kleinen Kontingent an der US-Operation „Endouring Freedom“ in Afghanistan, das rund 60 Soldaten umfasst. Zum Verdruss von Nachbarländern wie Bolivien und Venezuela verkündete Kolumbiens Präsident Ende vergangenes Jahres, die Kooperation mit der NATO zu vertiefenintensivieren. Juan Manuel Santos erklärte, das transatlantische Militärbündnis sei bereit, ein Assoziierungsabkommen mit Kolumbien abzuschließen. Bereits im Jahr 2013 unterzeichnete Bogota ein erstes Memorandum mit der NATO. Das Bündnis stellt seitdem Berater und Ausbilder für die kolumbianischen Streitkräfte bereit.

Schon seit Jahrzehnten nimmt Kolumbien an verschiedenen UN-Missionen teil, darüber hinaus wurde die Kooperation mit der EU in den letzten Jahren intensiviert. So unterstützt Bogota seit zwei Jahren die EU-Mission Operation Atalanta, die am Horn von Afrika Piraten jagt. Die engere militärische Zusammenarbeit wird flankiert von einem Freihandelsabkommen, das die EU vor vier Jahren mit dem lateinamerikanischen Land abschloss.

Symbolbild

Vertrauensvolle Partner mit hohem Ansehen

Aus Sicht der Bundesregierung ist eine engere Anbindung Kolumbiens an die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik der EU „auch ein weiterer Baustein zur Konsolidierung und Vertiefung der bilateralen deutsch-kolumbianischen Beziehungen“.

Die deutsche Botschaft in Bogota hat bereits im Oktober 2011 einen Militärattachéstab eingerichtet, der „eine enge Zusammenarbeit mit dem kolumbianischen Verteidigungsministerium und den Führungsstäben der kolumbianischen Streitkräfte sowie die Begleitung bilateraler Kooperationsprogramme beider Nationen“ gewährleisten soll. Nach einem Treffen mit Präsident Santos in Berlin Ende 2014 sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer „vertrauensvollen und verlässlichen Partnerschaft“ zwischen Kolumbien und Deutschland.

Brüssel und Berlin sehen offenbar kein Problem darin, mit einem Militär enger zu kooperieren, das seit Jahrzehnten für seine Beteiligung an schweren Menschenrechtsverletzungen berüchtigt ist. Laut einem Bericht von Human Rights Watch vom Mai 2015 waren hochrangige Militärs an der außergerichtlichen Hinrichtung tausender Zivilisten seit der Jahrtausendwende beteiligt.

Ein halbes Jahr zuvor bescheinigte die Bundesregierung dem kolumbianischen Militär in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, über ein „hohes Ansehen“ im Land zu verfügen. Auch habe sich die Menschenrechtslage in Kolumbien verbessert. Doch um diese ist es immer noch schlecht bestellt. So wurden nach Angaben von Amnesty International im vorletzten Jahr 63 Menschenrechtsaktivisten und 20 Gewerkschafter ermordet. Hinter den Morden stecken zumeist rechte paramilitärische Einheiten, die gute Beziehungen zur Armee unterhalten. 

Nato-Anbindung Kolumbiens im Land sowie seitens der Nachbarn in der Kritik
- QUELLE: TLAXCALA.ES

„Etablierter Anbieter“

Die Bundesregierung sieht in Kolumbien einen „etablierten Anbieter von Beratungsleistungen und Ausbildungshilfe“ im verteidigungs- und sicherheitspolitischen Bereich. Das kolumbianische Militär verfüge „über große Erfahrung bei Einsätzen auf schwierigem Gelände“ und habe in den letzten Jahren 47 Ländern Unterstützung geleistet.

Laut einem von der International Association of Lawyers against Nuclear Arms (IALANA) veröffentlichten Beitrag stellen Kolumbianer einen Großteil der Kräfte der Privatarmeen „im Schlepptau der NATO“, die teils Aufgaben des Personen-und Sachschutzes übernehmen, aber auch für „schmutzige Aufgaben“ herangezogen würden. Viele ehemalige Armeeangehörige verdingen sich weltweit bei Einsätzen als Söldner. So kämpfen hunderte Kolumbianer an der Seite der Saudis im Krieg gegen den Jemen. 

Während das Auswärtige Amt in einem aktuellen Sicherheitshinweis „dringend“ vor einer Reise in weite Teile des Landes abrät, will Präsident Santos laut Aussage des eingangs zitierten Generals Mejía im September dem Parlament „seine Vision von Kolumbien als Exporteur von Sicherheit präsentieren.“ 

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