Linker Kandidat Lenín Moreno gewinnt knapp in Ecuador - Opposition will Ergebnis nicht anerkennen

Linker Kandidat Lenín Moreno gewinnt knapp in Ecuador - Opposition will Ergebnis nicht anerkennen
Der Kandidat der Bürgerrevolution Lenin Moreno nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses mit einer ecuadorianischen Flagge, Quito, 2. April 2017.
Bei den Präsidentschaftswahlen in Ecuador siegte der Kandidat des linken Bündnisses „Bürgerrevolution“, Lenín Moreno, überraschend knapp. Die konservative Opposition will das knappe Ergebnis nicht anerkennen und fordert eine Neuauszählung.

Die Wahlkommission teilte am Sonntagabend in Ecuadors Hauptstadt Quito mit, dass Moreno die Stichwahl mit 51,12 Prozent der Stimmen gewonnen hat. Auf den konservativen Bewerber Guillermo Lasso entfielen 48,88 Prozent. Bis dahin waren 96 Prozent der abgegebenen Stimmen ausgewertet und Moreno lag uneinholbar vorn.

Rafael Correa, der amtierende Präsident Ecuadors, warnt vor Provokationen im Rahmen des Wahlkampfs.

Der Bankbesitzer Lasso rief seine Anhänger auf, das Ergebnis nicht anzuerkennen und „friedlich auf den Straßen gegen das offizielle Wahlergebnis“ zu protestieren. Der scheidende Staatschef Rafael Correa warf Lasso vor, er versuche nunmehr mit Protesten das zu erreichen, was er nicht mit den Wählerstimmen erlangt habe.

Moreno steht für eine Fortführung der sozialen Reformen seines Vorgängers Correa, will aber auch mehr ausländische Investitionen, um von der Abhängigkeit von Öleinnahmen abzukommen. Der Wikileaks-Gründer Julian Assange muss unter Morenos Regierung nicht um die Aufgabe seines Asyls in der Botschaft Ecuadors in London bangen. Sein Gegner Lasso hatte hingegen angekündigt, Julian Assange aus der Botschaft zu vertreiben, falls er die Wahl gewinne.

Er werde nicht ruhen, bis alle Ecuadorianer über eine Wohnung verfügten und der Analphabetismus im Andenland vollständig beseitigt worden sei, sagte Lenín Moreno am Sonntagabend in Quito vor seinen Anhängern. Gleichzeitig rief er zu einem friedlichen Zusammenleben auf: "Wir werden mit weniger Konfrontation und mehr Toleranz regieren."

Zahlreiche Staatschef aus Lateinamerika beglückwünschten Moreno bereits zu seinem Wahlsieg. Der neue Präsident kann im Parlament über eine Mehrheit von 74 der insgesamt 137 Sitze verfügen. Er wird aber nicht mehr die Zwei-Drittel-Mehrheit haben, mit der Correa regierte.

Präsidentschaftskandidat der Regierungspartei Alianza PAIS, Lenin Moreno (M), verfehlte knapp den Sieg im ersten Wahlgang. Eine Stichwahl wird am 2. April stattfinden.

Der gewählte Präsident ist Sozialist und Verwaltungsfachmann. Er war unter Rafael Correa von 2007 bis 2013 Vizepräsident, bevor er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Seit er im Jahr 1998 Opfer eines Raubüberfalls wurde, sitzt Moreno im Rollstuhl. Er setzt sich international stark für die Rechte Behinderter ein.

Unregelmäßigkeiten in einzelnen Wahlakten wiesen auf eine Manipulation der Stimmenauszählung hin, behauptete unterdessen César Monge, Vorsitzender der Oppositionspartei CREO, in Guayaquil. Er wies seine Vertreter bei der Stimmenauszählung an, alle Wahlakten anzufechten, um eine Revision der Ergebnisse zu ermöglichen.

Der Bankier Lasso erklärte in der Nacht im ecuadorianischen Fernsehen, er sei der "wahre Gewinner" der Stichwahl. In seiner Heimatstadt Guayaquil marschierten Dutzende seiner Anhänger zum lokalen Wahlamt und riefen "Nein zu Betrug, Ja zur Demokratie".

Die linke Regierung unter Rafael Correa hinterlässt nach zehnjähriger Amtszeit ein völlig verändertes Land. Bis zu seinem ersten Wahlsieg war Ecuador von extremer sozialer Ungleichheit und regelmäßigen politischen Unruhen geprägt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg jährlich um 1,5 Prozent - verglichen mit nur 0,6 Prozent in den 25 Jahren davor.

Die Armutsquote wurde um 38 Prozent reduziert. Dank der staatlichen Öleinnahmen investierte Rafael Correa stark in den Bau von Straßen, Kraftwerken und Krankenhäusern. Die Abhängigkeit vom Ölpreis ist aber eine Bürde und die Umweltprobleme im Amazonasgebiet durch die Förderung sind dramatisch.

Mit den niedrigen Erdölpreisen der letzten Jahre wurden die Staatskassen geschwächt. Das Haushaltsdefizit und die Auslandsschuld stiegen stark. Moreno steht vor der Herausforderung, Correas "Bürgerrevolution" mit geringeren Ressourcen zu führen. (dpa / rt deutsch)