Gammelfleisch-Skandal in Brasilien erschüttert globalen Fleischmarkt

Gammelfleisch-Skandal in Brasilien erschüttert globalen Fleischmarkt
Der Fleischskandal droht den mühevollen Erholungsprozess Brasiliens nach der Wirtschaftskrise mit einem Mal wieder zunichtezumachen. Aber auch andere lateinamerikanische Staaten befürchten Folgeschäden.
Der Skandal um "aufgefrischtes" Fleisch aus Brasilien belastet einen der weltweit größten Fleischexporteure massiv. Viele Länder haben bereits Importe aus dem Land eingestellt. Der Flurschaden könnte neben Brasilien aber auch noch andere Staaten treffen.

Seit dem 17. März ist Brasilien mit einem unerwarteten Problem konfrontiert, das den globalen Fleischmarkt zu erschüttern droht. An diesem Tag hat die Polizei von einer Großrazzia gegen so genannte Fleischpanscher berichtet.

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Bei der Operation mit dem Codenamen "Schwaches Fleisch" ("Carne Fraca") wollte man Unternehmen entlarven, die minderwertiges Fleisch vertrieben hatten, das keinen Qualitätsstandards entsprach. In diesem Zusammenhang flogen insgesamt 29 Firmen auf.

Unter den mutmaßlichen Panschern befinden sich auch die zwei Riesen JBS und BRF, die ihre Erzeugnisse im In- und Ausland vermarkten. An der Untersuchung, die innerhalb von zwei Jahren in sieben Bundesstaaten stattfand, waren 1.100 Polizisten beteiligt. Dabei enthüllten die Ermittler ein Korruptionsnetz, zu dem auch Dutzende Mitarbeiter des brasilianischen Landwirtschaftsministerium gehörten, die für die Zertifizierung von Fleischwaren zuständig waren.

Der Chef der brasilianischen Bundespolizei, Mauricio Moscardi, gab bekannt, dass die verantwortungslosen Produzenten von Säuren und anderen – darunter auch krebserregenden – Chemikalien Gebrauch gemacht hatten, um verdorbenen Erzeugnissen neues Leben einzuhauchen. Die "aufgefrischte" Ware war sogar an öffentliche Schulen im Süden des Landes geliefert worden. Die Täter sollen dabei einen Teil des Erlöses als Bestechungsgeld an politische Parteien gezahlt haben. Auf der Liste stehe dabei auch der Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) des amtierenden Staatschefs Michel Temer, so die Polizei.

Der Sekretär des Landwirtschaftsministerium, Eumar Novacki, wies allerdings jede Gefahr für die Bevölkerung zurück. Man brauche keine Angst vor Fleischkonsum zu haben. Letztendlich handele es sich um Einzelfälle.

Wie dem auch sei: Der Skandal schlägt hohe Wellen sowohl auf dem regionalen als auch auf dem globalen Fleischmarkt. Die Enthüllung droht die Grundlagen der brasilianischen Wirtschaft zu erschüttern, die sich ohnehin von der jüngsten Krise längst noch nicht gänzlich erholt hat. Auf Fleischimporte aus Brasilien haben unterdessen bereits China, Südkorea, die EU und Mexiko verzichtet.

Wer kann von dem Skandal profitieren?

Das Ergebnis der Operation Schwaches Fleisch habe Brasilien als einen sicheren Fleischproduzenten in Verruf gebracht, meint der Experte Agustín León. Es gebe viele internationale Akteure, die den bisherigen Spitzenreiter vom Thron stoßen möchten. "Der Markt, um den sich alle reißen, ist Asien. Der Skandal in Brasilien könnte Mexiko und Australien sehr begünstigen", so der Analyst.    

Von der Enthüllung profitieren möglicherweise auch normale Verbraucher. Agustín León zufolge würden derartige Situationen die Aufsichtsbehörden anderer Staaten wachsamer machen, sodass sie die Tätigkeit internationaler Konzerne näher unter die Lupe nähmen.

Wer sind die Verlierer?

Nach dem Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht, der hochrangige Regierungsbeamte in Afrika und Lateinamerika geschmiert haben soll, kann der nunmehrige Fleischskandal das internationale Vertrauen in Brasilen gänzlich untergraben. "Die Überlappung solcher Praktiken hinterlässt den Beigeschmack, als wäre die ganze handelswirtschaftliche Struktur Brasiliens korrupt", meint Agustín León. "Dabei arbeiten in diesen transnationalen Konzernen mehrere Tausend Menschen, deren Situation nun ungewiss ist."

Immerhin entfallen zudem 15 Prozent des nationalen Exports auf die Fleischproduzenten. Ein Ausfall dieses Segments kann der brasilianischen Wirtschaft vollends den Wind aus den Segeln nehmen, zumal die Regierung ihr Wachstumsziel für das laufende Jahr schon einmal nach unten korrigiert hat.

Von dem Skandal sieht sich allerdings nicht nur Brasilien betroffen. Die Enthüllung wirft auch einen Schatten auf die regionale Marktvereinigung Mercosur. Die uruguayische Zeitung El Observador schreibt, dass die Regierung in Montevideo die Situation rund um den Nachbarn aufmerksam verfolge. Jede Maßnahme gegen Brasilien, besonders vonseiten der Europäischen Union, könne sich für die Interessen sämtlicher Mercosur-Mitglieder als kontraproduktiv erweisen.

Auch argentinische Fleischproduzenten zweifeln daran, dass der angeschlagene Ruf des Nachbarstaates ihnen bessere Chancen auf dem Markt bescheren kann. Ganz im Gegenteil. "Über kurz oder lang wird der Skandal alle besudeln, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß", so der Experte Miguel Gorelik gegenüber der Zeitung Clarín.

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