Wahlen in Nicaragua: Sandinisten liegen in Umfragen deutlich vorne

Wahlen in Nicaragua: Sandinisten liegen in Umfragen deutlich vorne
Eine Frau vor einem Geschäft, dass die Wahlkampagne der Sandinisten gestaltet hat, mit einem einem Porträt des Präsidenten Daniel Ortega, Cataria, Nicaragua 28. Oktober 2016.
Wahlprognosen sagen Daniel Ortega einen deutlichen Sieg voraus. Die Nicaraguaner schätzen deren Politik in vielen Bereichen der Gesellschaft. In den Umfragen schneidet die Opposition bisher extrem schlecht ab.

von María Müller, Montevideo

Der Pferdewagen täuscht, Nicaragua befindet sich gerade in einer Boom-Phase, bleibt aber eines der ärmsten Länder Lateinamerikas.

Am heutigen Sonntag werden in Nicaragua Wahlen abgehalten. Zur Wahl stehen der Präsident und der Vizepräsident. Die vier Millionen Wahlberechtigte werden auch die 90 Parlamentsabgeordneten neu bestimmen. Nach den letzten Umfragen vor dem Stichtag wird der Kandidat der Sandinisten, Daniel Ortega, eine große Stimmenmehrheit erhalten. Auch seine Ehefrau Rosario Murillo, die nun als Vize kandidiert, ist im Volk sehr beliebt. Bisher hatte sie den Vorsitz des „Rates für Bürger und Kommunikation“ inne

Der nun seit fast zehn Jahren im Regierungsamt tätige Ortega soll laut Meinungstest 69,8 Prozent der Stimmen erhalten. Hingegen soll der Gegenkandidat Maximo Rodríguez, ein früherer „Contra-Aufständischer“ und heutiger Vorsitzender der nicaraguanischen Verfassungspartei PC, ganze 8,1 Prozent erhalten. Der Wähleranteil der Unabhängigen soll nach den Umfragen 15,5 Prozent betragen. Die letzte Umfrage von M&R Consulting wurde zwischen dem 26. und 29. Oktober durchgeführt

Daniel Ortega war während des langjährigen Kampfes gegen den Diktator Somoza in den 1970er und 80er Jahren einer der populärsten Guerillaführer der damaligen Epoche. Maximo Rodríguez gehörte zu den bewaffneten Contras und bekennt sich offen dazu, auch im Wahlkampf.

Die Contras versuchten nach dem Sieg der Sandinisten bis Ende der 1980er Jahre einen neuen Bürgerkrieg zu entfachen und die junge Regierung militärisch zu destabilisieren. Sie wurden von den USA bewaffnet und finanziert – schon damals ein Lehrstück für spätere Stellvertreterkriege. Etwa 50.000 Nicaraguaner sollen dabei ihr Leben verloren haben. 

Das hat die Bevölkerung nicht vergessen. Sie weiß die Ruhe und Sicherheit zu schätzen, die durch die Sandinisten unter Ortega im Land einkehrten. Nicaragua hat die niedrigste Verbrechensrate Mittelamerikas und bekämpft mit Erfolg den Drogenhandel in der Region. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet konnten dauerhafte Verbesserungen und ein stetiger Aufschwung verzeichnet werden, die die Armut sozial verträglicher gemacht haben.

Der Zusammenhalt und die Solidarität unter den Menschen ist ausgeprägt und verhindert Fluchtwellen, wie man sie aus den Nachbarstaaten kennt. In Bezug auf die Geschlechtergleichstellung nimmt Nicaragua den ersten Platz in Mittel- und Südamerika ein. 

Nicaragua hat eine Landreform durchgeführt, von denen die meisten lateinamerikanischen Völker nur träumen. Die Großgrundbesitzer wurden von ihrem unproduktiven Landbesitz enteignet, der dann den kleinen und mittleren ländlichen Betrieben übergeben wurde. Die Kluft zwischen arm und reich ist weniger extrem inmitten eines Kontinents, der in dieser Frage weltweit an erster Stelle steht. 

Die kürzliche Androhung einer Wirtschaftsblockade durch die USA, die mit dem in erster Lesung verabschiedeten Gesetzes  „Nica-Akt“ zum Einsatz kommen soll, hat offenbar den gemeinsamen Verteidigungsreflex der Nicaraguaner eher gestärkt als geschwächt. Werden sie von außen bedroht, rücken sie enger zusammen – pünktlich zum Wahlkampf in Nicaragua.