Kolumbianer entscheiden sich in Referendum gegen Friedensabkommen mit FARC-Rebellen

Die Bevölkerung Kolumbiens zeigt sich in Anbetracht des Friedensabkommens zwischen FARC-Rebellen und der Regierung in Bogotà höchst gespalten.
Die Bevölkerung Kolumbiens zeigt sich in Anbetracht des Friedensabkommens zwischen FARC-Rebellen und der Regierung in Bogotà höchst gespalten.
Am Sonntag war Kolumbien aufgerufen, sich für oder gegen das am 26. September in Cartagena geschlossene Friedensabkommen mit der Guerillabewegung FARC zu äußern. Den Volksentscheid gewannen die Gegner der Aussöhnung mit einem winzigen Vorsprung.

Gegen das Friedensabkommen mit den Rebellen von der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) votierten rund 50,2 Prozent der Bürger. Für die Aussöhnung stimmten 49,7 Prozent. Für die Regierung entpuppte sich dieses Ergebnis als eine große böse Überraschung, denn jüngste Meinungsumfragen hatten einhellig vorausgesagt, dass bis zu 62 Prozent der Kolumbianer den Friedensprozess unterstützen möchten.

Tatiana, eine 36-jährige FARC-Guerillera sitzt, umgeben von Geschenken für ihr Baby, im FARC-Camp El Diamante in der Yari-Ebene, wo das Friedensabkommen ratifiziert werden soll, Kolumbien, 17. September 2016.

Der Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen war nach 52 Jahren Krieg am 26. September in Cartagena geschlossen worden. Diesem historischen Ereignis waren langwierige Verhandlungen unter Vermittlung Kubas vorausgegangen.

Das Dokument sieht nicht nur die Entwaffnung der Rebellen vor, sondern gewährt ihnen auch gewisse Sicherheitsgarantien. Die FARC-Angehörigen sollen in acht Lagern allmählich auf das friedliche Leben vorbereitet werden, damit sie sich wieder in die Gesellschaft integrieren können.

Der kolumbianische Staatschef Juan Manuel Santos, der den Friedensprozess erst recht ermöglicht und das nicht obligatorische Referendum über das Abkommen mit den FARC-Rebellen einberufen hatte, räumte die Niederlage bereits ein. 

Dennoch versprach Juan Manuel Santos, er werde nicht resignieren, zumal das Waffenstillstandsabkommen mit den FARC-Guerillas selbst trotz des Ergebnisses des Volksentscheids in Kraft bleibe.

Ich werde nicht resignieren. Ich werde weiterhin bis zum letzten Tag im Amt nach Frieden suchen, weil das der einzige Weg ist, unseren Kindern ein besseres Land zu hinterlassen", twitterte der kolumbianische Staatschef.     

Auch die FARC-Spitze zeigte sich optimistisch und wiederholte ihre Bereitschaft, nur Worte als Instrument zum Aufbau der Zukunft zu verwenden. Der Frieden werde triumphieren.

Die FARC-EP wiederholen ihr entschiedenes Nein zum Krieg und ihr entschiedenes Ja zum Frieden", hieß es im Twitter-Account der Guerillabewegung.

Vor dem Referendum hatten die Guerillas versprochen, die Regierung über alle Aktiva und Vermögenswerte zu informieren und die Angehörigen der Opfer des Konfliktes zu entschädigen.

Die FARC waren 1964 als militärischer Arm der Kommunistischen Partei Kolumbiens gegründet worden. Der bewaffnete Konflikt gegen die Regierung hatte seitdem rund 220.000 Menschen das Leben gekostet. Momentan zählt die Guerillabewegung bis zu 20.000 Kämpfer und gilt in vielen Ländern als terroristisch. Zu den wesentlichen Einnahmequellen der FARC gehören Entführung, Erpressung und Drogenhandel.