Nach halbem Jahrhundert Krieg in Kolumbien: FARC und Regierung einigen sich auf Friedensvereinbarung

Der Chef-Unterhändler der FARC Ivan Marquez (links) und der Vertreter der kolumbianischen Regierung Humberto de la Calle (rechts) reichen sich die Hände, während Kubas Außenminister Bruno Rodriguez zuschaut. Der sozialistische Inselstaat spielte eine bedeutende Rolle als Vermittler.
Der Chef-Unterhändler der FARC Ivan Marquez (links) und der Vertreter der kolumbianischen Regierung Humberto de la Calle (rechts) reichen sich die Hände, während Kubas Außenminister Bruno Rodriguez zuschaut. Der sozialistische Inselstaat spielte eine bedeutende Rolle als Vermittler.
Nach 52 Jahren Bürgerkrieg haben die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation FARC in der kubanischen Hauptstadt Havanna einen Friedensvertrag ausgehandelt. Die kolumbianischen Bürger müssen diesem noch in einer Volksabstimmung zustimmen. Manche kritisieren, den Rebellen seien zu viele Zugeständnisse gemacht worden.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) und FARC-Sprecher Timochenko tauschen am Donnerstag die Dokumente über den Waffenstillstand aus. Die Verhandlungen fanden auf Kuba unter der Schirmherrschaft von Präsident Raul Castro statt , 23. Juni 2016.

Am Mittwoch verkündeten die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) in der kubanischen Hauptstadt Havanna nach mehreren Verhandlungsmarathons zu den letzten strittigen Details, dass sie eine endgültige Friedensvereinbarung erreicht haben. Der Friedensvertrag soll Ende September in Kolumbien unterzeichnet werden.

„Nach über einem halben Jahrhundert der Kämpfe haben sich die Regierung und die FARC darauf verständigt, den bewaffneten internen Konflikt ein für alle Mal zu beenden. […] Wir wollen nicht ein Opfer mehr in Kolumbien“, teilten die Verhandlungsparteien in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Am 2. Oktober wird in Kolumbien ein Referendum in Kolumbien stattfinden, um das Friedensabkommen zu bestätigen. Auch die Rebellenorganisation wird eine Konferenz einberufen, um das Abkommen endgültig zu beschließen.

„Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen. […] Der Krieg mit Waffen ist vorbei, jetzt kann die Diskussion um Ideen beginnen“, erklärte der FARC-Vertreter Ivan Marquez.

Das Friedensabkommen verpflichtet die kolumbianische Regierung dazu, eine Landreform durchzuführen und den Einstieg der Rebellen in die legale Politik zu ermöglichen. Zudem einigten sich die Konfliktparteien auf neue Maßnahmen im Anti-Drogen-Kampf, eine von der UN kontrollierten Entwaffnung der Guerillakämpfer innerhalb von sechs Monaten sowie eine umfangreiche Amnestie. Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen, die während des Konfliktes begangen wurden, sollen mittels eigens für diesen Zweck eingerichteten Gerichten verfolgt werden.

Während viele Kolumbianer einfach nur glücklich darüber sind, dass ein endgültiges Ende des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in greifbarer Nähe gerückt ist, bemängeln manche Kritiker, dass die Regierung den Rebellen zu viele Konzessionen gemacht hat.

Kolumbiens Energieminister Tomas Estrada Gonzalez (Mitte) sitzt auf dem Weltwirtschaftsforum zusammen mit Emilio Lozoya, Chef des privatisierten mexikanischen Ölunternehmens Pemex, Samir Brikho von Amec Foster und  Ignacio Sanchez Galan von Ibedrola, Riviera Maya in Mexico, Mai 2015.

Die von Norwegen und Kuba vermittelten Verhandlungen in Havanna zogen sich fast vier Jahre hin.

Neben der FARC gibt es aber auch noch andere Rebellenorganisationen, die sich nicht an den Friedensverhandlungen beteiligten.

Die marxistische Guerillaorganisation FARC gründete sich auf Initiative der Kommunistischen Partei Kolumbiens 1964 nach jahrelangen Angriffen kolumbianischer Truppen auf ländliche Regionen und führte seitdem einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat, den die Vereinigten Staaten finanziell und militärisch unterstützten. Die Guerilla forderte eine Landreform sowie verbesserte Lebensbedingungen für die verarmte Landbevölkerung.

Mehr als 220.000 Menschen starben aufgrund des Bürgerkrieges. Rechtsextreme Todesschwadronen, die der kolumbianische Staaten teilweise aktiv förderte, ermordeten zehntausende linke Aktivisten, Gewerkschafter und Menschenrechtsverteidiger.