Großer Bruder sorgt für Sicherheit: Über 1.000 US-Agenten von 17 Geheimdiensten in Rio im Einsatz

Sportfest oder Bürgerkrieg? Die brasilianischen Sicherheitskräfte erhalten substantielle Unterstützung aus Washington.
Sportfest oder Bürgerkrieg? Die brasilianischen Sicherheitskräfte erhalten substantielle Unterstützung aus Washington.
Nach der Suspendierung von Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff und der Einsetzung des US-treuen Interimspräsidenten Michel Temer, traut Washington dem südamerikanischen Land offenbar nicht zu, selbst für die Sicherheit der Olympischen Spiele zu sorgen. Mehr als 1.000 Beamte von insgesamt 17 US-Geheimdiensten sind in den Spielstätten Brasiliens im Einsatz.

Anti-Regierungsproteste in Brasilien

Ganze 17 Geheimdienste leisten sich die Vereinigten Staaten. Sie alle haben für die Zeit der Olympischen Sommerspiele Mitarbeiter nach Brasilien entsendet, wie das Nachrichtenportal Amerika21 mit Verweis auf den US-Sender NBC berichtet. Der Arbeitsbereich der entsendeten Agenten deckt die ganze Palette geheimdienstlicher Tätigkeit ab. Von personellen Einsätzen, über Spionage-Satelliten, bis hin zur Überwachung des Internets und natürlich auch der Social-Media-Kanäle reicht die Aktivität von NSA, CIA, FBI und Co.

Richard Kolko, Sprecher des US-Geheimdienstkoordinators James Clapper will den massiven Einsatz als Paradebeispiel für grenzüberschreibende Zusammenarbeit im Dienste der Sicherheit verstanden wissen:

"US-Geheimdienstbehörden arbeiten eng mit Vertretern brasilianischer Dienste zusammen, um mögliche Gefahren für die Olympischen Spiele in Rio zu identifizieren und zu neutralisieren.“

Auch sei die geheimdienstliche Zusammenarbeit der beiden Staaten seit 9/11 ohnehin „exzellent“. Zwar gebe es keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne gegen die Spiele, auch in Washington nutzt man jedoch die Geschichte von zehn Terrorverdächtigen mit angeblichen IS-Verbindungen, die Brasiliens Justizminister Alexandre de Moraes kürzlich der Weltpresse präsentierte.

Brasilianische Spezialeinheiten bei einer Anti-Terrorübung

Bei genauerem Hinsehen kommen allerdings Zweifel hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von de Moraes´ Aussagen auf. Beobachter vermuten hinter dem gezielten Agenda-Setting eher eine willkommene Gelegenheit für die Interims-Regierung von Michel Temer, um geheimdienstliche Strukturen auszubauen. Bereits im Dezember 2009 kommentierte Lisa Kubiske, die damalige Botschaftsrätin der USA in Brasília vage Befürchtungen über die terroristische Bedrohung in Brasilien mit den Worten:

Es bieten sich schon jetzt Gelegenheiten für die Regierung der USA, für die Zusammenarbeit im Hinblick auf die Olympischen Spiele und die Nutzung dieser Zusammenarbeit zur Ausdehnung ihrer Ziele in Brasilien, einschließlich der Vermittlung von mehr Erfahrung im Bereich Gegen-Terrorismus.

Ohnehin rückt der Sport bei den Olympischen Spielen in Rio immer mehr in den Hintergrund. Während im Vorfeld vor allem das Thema Doping die Berichterstattung beherrschte, wurde spätestens mit dem Zug der Olympischen Fackel durch die Vorstädte Rios deutlich, was die brasilianische Bevölkerung von den milliardenschweren Mega-Spielen hält. Nur unter massivem Polizeieinsatz konnte das Olympische Feuer die von Protesten gesäumten Straßen passieren:

Tränengas und Gummigeschosse wurden eingesetzt:

Das südamerikanische Land befindet sich in der Staatskrise, nachdem die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff aufgrund unbelegter Korruptionsvorwürfe ihres Amtes enthoben wurde. Ihren Posten übernahm zunächst der konservative Vize-Präsident Michel Temer. Dieser zeichnet sich vor allem durch neoliberale Privatisierungspolitik und eine besondere Nähe zu Washington aus. Temers Zustimmungswerte in der brasilianischen Bevölkerung liegen derzeit bei rund zwei Prozent.