Waffenstillstand in Kolumbien: Vorläufiges Ende eines 50-jährigen Bürgerkriegs

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) und FARC-Sprecher Timochenko tauschen am Donnerstag die Dokumente über den Waffenstillstand aus. Die Verhandlungen fanden auf Kuba unter der Schirmherrschaft von Präsident Raul Castro statt , 23. Juni 2016.
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) und FARC-Sprecher Timochenko tauschen am Donnerstag die Dokumente über den Waffenstillstand aus. Die Verhandlungen fanden auf Kuba unter der Schirmherrschaft von Präsident Raul Castro statt , 23. Juni 2016.
In Havanna haben die kolumbianische Regierung und die aufständischen FARC-Guerilla gestern einen beidseitigen Waffenstillstand unterzeichnet. Es ist der dritte Versuch, den ältesten bewaffneten Konflikt in Lateinamerika friedlich beizulegen.

Am Donnerstag unterzeichneten die älteste Guerilla-Organisation Lateinamerikas und die kolumbianische Regierung einen "beidseitigen und unbefristeten" Waffenstillstand. Die Konfliktparteien hoffen, dass es sich um den „letzten Tag des Krieges" handelt. Die Unterzeichnung beendet vorläufig den längsten bewaffneten Konflikt in Lateinamerika.

Der kubanische Präsident Raúl Castro freut sich am Handschlag zwischen dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos (L) und dem Anführer der FARC-Rebellen, Rodrigo Londono, besser bekannt unter seinem nom de guerre Timochenko.

Im diesem Jahr jährte sich die offizielle Gründung der "Bewaffneten Kräfte zur Befreiung Kolumbiens" (FARC) zum 50. Mal. In dem "längsten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas" verloren mehr als 200.000 Menschen das Leben, fast sieben Millionen Personen wurden intern vertrieben. Das jetzige Ergebnis liegt nach einer fast vierjährigen Verhandlungsphase vor. 

Bei den Gesprächen in Havanna ging es vor allem um wirtschaftliche und soziale Lösungen für Kolumbiens Bauernbevölkerung. Tagesordnungspunkte waren eine Landreform ebenso wie eine Regelung für die Kokainproduzenten. Nun soll die Regierung in Bogotá für die Sicherheit der demobilisierten Guerilleros garantieren, deren Anzahl immer noch auf bis zu 10.000 Kämpfer geschätzt wird.

Das bedeutet auch, dass Kolumbiens Regierung gegen die von ihr geschaffenen rechten Paramilitärs vorgehen muss. Diese irregulären Milizen waren seit den 1980er Jahren mit Unterstützung aus den USA für die Aufstandsbekämpfung gegründet worden. Vielerorts bestehen enge Verbindungen zum Drogenhandel.

FARC-Rebellen vor den Friedensverhandlungen in San Vicente de Caguan, 1999.
FARC-Rebellen vor den Friedensverhandlungen in San Vicente de Caguan, 1999.

Nach den Friedensverhandlungen in den 1980er Jahren hatten der kolumbianische Geheimdienst und die Todesschwadrone der Paramilitärs die ehemaligen Guerilleros, die eine politische Partei gegründet hatten, einfach ausgelöscht. In wenigen Jahren wurden bis zu 5.000 Parteimitglieder der Union Patriótica ermordet. 

Quelle: wagingnonviolence.org

Seitdem hatten die FARC auf einen militärischen Sieg über die Regierungen in Bogotá gesetzt. Auch die kolumbianischen Regierungen hatten kaum Interesse an einer Regelung des Konfliktes, zumal sie über den "Plan Colombia" viele Milliarden an Militärhilfen aus Washington bezogen. Daran scheiterten die Caguán-Verhandlungen von Präsident Andrés Pastrana zwischen 1998 und 2002. Sein Nachfolger, der Sohn eines Großgrundbesitzers Alvaro Uribe, beendete die Verhandlungen.

Jetzt sollen für demobilisierte Kämpfer besondere Zonen eingerichtet werden, die von der kolumbianischen Armee geschützt und von Angehörigen einer künftigen UN-Mission überwacht werden sollen. Wenn der Übergang zu einem wirklichen Frieden wie geplant verläuft, soll das Projekt der kolumbianischen Bevölkerung zu einer Volksabstimmung vorgelegt werden. 

Allerdings bleibt die Grundstimmung skeptisch. Kolumbien war lange das Land in Lateinamerika, in dem am meisten Gewerkschafter und Umweltaktivisten ermordet werden. Viele Aktivisten bezahlen ihr Engagement bis heute mit ihrem Leben. Häufig arbeiten rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen im Auftrag von Großgrundbesitzern und multinationalen Unternehmen.