US-Vorwahlen: Wird die Nachfolge Obamas per Münzwurf entschieden?

 Wurf einer Münze. Hier: Kopf - von John F. Kennedy. Bild: frankieleon CC-BY-2.0
Wurf einer Münze. Hier: Kopf - von John F. Kennedy. Bild: frankieleon CC-BY-2.0
Im Zeitalter der digitalen Revolution und während die Geheimdienste keine Kosten und Mühen scheuen, eine allumfassende Überwachungs-Infrastruktur aufzubauen, setzt man in der US-amerikanischen Rest-Demokratie eher auf "traditionelle" Methoden. Weil in drei Wahlbezirken des Bundesstaates Iowa die Vorwahlen zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton äußerst knapp ausgingen, entschied man sich, eine Münze zu werfen. Das Losglück hatte Clinton dabei auf ihrer Seite.

Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten: ex-Außenministerin Hillary Clinton und Senator Bernie Sanders vor Beginn einer öffentlichen Debatte am 17. Januar in Charleston.

Es sind absurde Szenen, die in Kurzclips auf Twitter Verbreitung finden. In einer Sporthalle eines offenkundig eher ländlichen Gebietes kamen die Anhänger der Demokratischen Partei zusammen, um für den Bundesstaat Iowa zu entscheiden, ob Hillary Clinton oder Bernie Sanders ins Rennen um die US-Präsidentschaft geschickt werden soll.

In ganz Iowa haben die Wahlberechtigen dabei für ein äußerst knappes Ergebnis gesorgt, doch in mindestens drei Wahlbezirken hieß es am Ende "to close to call" - zu knapp für eine Entscheidung. Was macht man nun in einem solchen Fall? Die US-amerikanischen Gepflogenheiten haben dafür eine ganz spezielle Antwort: Den Wurf einer Münze!

In allen drei Fällen gewann Hillary Clinton den Münzwurf. Nun wäre eine genauere Analyse der Wahlergebnisse notwendig, mit einem Gesamt-Vorsprung von gerade einmal 0,3 Prozent könnten die drei von Clinton beim Glücksspiel gewonnen Bezirke jedoch durchaus ausschlaggebend gewesen sein. Umso mehr, sollte sich herausstellen, dass sich in weiteren Sporthallen Iowas ähnliches ereignete.

Iowa, im Mittleren Westen der USA gelegen, ist mit seinen rund drei Millionen Einwohnern kein Schwergewicht im US-amerikanischen Gesamtgefüge, stellt jedoch die symbolisch äußerst wichtige erste Etappe bei den Vorwahlen der US-Präsidentschaftskandidaten dar. Wer hier gewinnt, dem werden gute Chancen zugesprochen ins Rennen um das Weiße Haus geschickt zu werden.

Wie das jedoch so ist mit Symbolik: In nackten Zahlen lässt diese sich nicht immer messen. Wenn Hillary Clinton nur durch den Wurf einer Münze den Sieg davon tragen kann, heißt der eigentliche und moralische Sieger der Wahl Bernie Sanders. Mit dem Kopf-an-Zahl-Rennen zum Start der Vorwahlen zeigt der 74-Jährige abermals, dass mit ihm zu rechnen ist.

Viele Beobachter trauen Sanders zu, einen tatsächlichen Politikwechsel in den Vereinigten Staaten herbeiführen zu können. Der selbsternannte "Sozialist" - was im deutschen Verständnis eher einem traditionellen Sozialdemokraten entspricht - wird von den einflussreichen Spielern der Wall Street gemieden oder ebenso offen bekämpft, wie von den Mainstreammedien in den USA. Sein Wahlkampfbudget bestreitet der parteilose Sanders aus zahlreichen Kleinstspenden, was eine ebenso augenscheinliche Ausnahme ist wie die politischen Forderungen Sanders im Sinne der Bevölkerung.

Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende der Wurf einer Münze über den Verlauf der Geschichte entschieden haben wird.

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