"Mini-Tschernobyl": Methan-Leck in Kalifornien verliert täglich über 1 Mio. Kubikmeter Treibhausgas

SoCal Gas und externe Experten arbeiten seit Anfang Dezember 2015 an der Entlastungsbohrung am Aliso Canyon Gasfeld bei Porter Ranch, nahe Los Angeles.
SoCal Gas und externe Experten arbeiten seit Anfang Dezember 2015 an der Entlastungsbohrung am Aliso Canyon Gasfeld bei Porter Ranch, nahe Los Angeles.
In Südkalifornien tretten seit Ende Oktober 2015 aus einem Leck in einem Gasspeicher der Southern California Gas Company täglich 1,75 Millionen Kubikmeter Methan-Gas in die Atmosphäre. Methan ist ein etwa 80mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Die Anwohner leiden unter zunehmender Übelkeit, Kopfschmerzen und Nasenbluten. Die Schließung des Lecks zieht sich seit Monaten ohne eine wirkliche Lösung in die Länge.

Der Distrikt zur Sicherung der Luftqualität an der Südküste (South Coast Air Quality Management District (AQMD)) verzögerte am vergangenen Samstag eine Abstimmung, die notwendig gewesen wären, um das Gasunternehmen Southern California Gas Company (SoCal Gas) zu verpflichten, das austretende Gas zu verbrennen. Damit sollte den betroffenen Bewohnern eine wortwörtliche Atempause gegönnt werden, bis eine Entlastungsbohrung helfen kann, das Leck aus einem unterirdischen Gas-Lagerungsreservoir am Aliso Canyon abzudichten. Die Entlastungsbohrung wird jedoch voraussichtlich nicht vor Anfang Februar abgeschlossen sein.

Bei dem nun verzögerten Verbrennungsplan würde ein 90 Zentimeter breites Rohr verwendet, um das Gas 2,5 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche zu erfassen und zu verbrennen, schreibt die Los Angeles Times.

In der Zwischenzeit hat das Leck, über das zuerst am 23. Oktober berichtet wurde, so viel Methan-Gas freigesetzt, dass rund 4.500 Familien im Nordwesten San Fernando Valley – auf Kosten der SoCal Gas – temporär umziehen mussten. Der Gouverneur des Staates Kalifornien, Jerry Brown, rief Anfang Januar den Notstand aus.

Der Gasbrunnen, einer von mehr als 100 am Aliso Canyon Gasspeicher, wurde zwei Monate lang mit Hochdruck abgepumpt, nachdem das Leck entdeckt worden war.

Quelle: RT

Der "Einfangen und Verbrennen-Plan" enthält Anforderungen, dass SoCal als Verursacher, das Gas in dem Lagerungsspeicher reduzieren, Emissionen bewerten und für eine Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen des Lecks bezahlen soll.

Anfang letzter Woche hatte die staatliche Public Utilities Kommission öffentlicher Versorgungsunternehmen (PUC) Sicherheitsbedenken gegenüber SoCal Gas wegen des Verbrennungsplans geäußert, besonders wegen der Gefahr einer massiven Explosion. Man sagte, es "braucht weitere Arbeit und Analyse."

Schäden am Gasbrunnen könnte dazu führen, dass sich Luft dem mit Methan mischt, eine Entwicklung, die "katastrophal sein könnte", sagte die PUC in einem dreiseitigen Brief. Beamte der lokalen Feuerwehr, staatliche und föderale Regulierungsbehörden werden Berichten zufolge jetzt die Sicherheit des Plans prüfen. Falls genehmigt, würden der "Einfangen und Verbrennen"-Plan ein Volumen von ca. 567.000 Kubikmeter Erdgas jeden Tag aus der Luft extrahieren, was etwa die Hälfte des gesamten Lecks ist, nach Angaben der LA Times.

Quelle: RT

"Wenn wir dieses Gas kann nicht sicher einfangen können, werden wir das nicht tun. Sicherheit hat oberste Priorität", so der Sprecher von SoCal Gas Mike Mizrahi, laut Associated Press.

Die Verzögerung des Plans wurde am Samstag in einer öffentlichen Sitzung bekannt gegeben, bei der Bewohner von Porter Ranch direkt mit Beamten von AQMD und SoCal Gas reden konnten. Viele besorgte Anwohner nahmen an der Sitzung mit Plakaten teil, auf denen stand: „Schließt. Alles.“ Einige sagten, dass sie seit Jahren einen Gas-Geruch in der Gegend wahrnehmen. Bewohner leiden unter Krankheiten wie Übelkeit, Kopfschmerzen und Nasenbluten, seit das Leck besteht.

"Der Bezirk braucht nicht länger zu zögern, denn sie haben alle Informationen, um die richtige Entscheidung zu treffen: schließen Sie die Aliso-Anlage ein für allemal", sagte Porter Ranch Bewohner Matt Pakucko, laut der LA Times.

Der AQMD Vorstand wird die öffentliche Anhörung am Mittwoch fortsetzen.

SoCal Gas hat sich für das Leck entschuldigt, aber auch gesagt, es stelle "keine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar."

"Der Brunnen befindet sich in einer isolierten Bergregion mehr als eine Meile entfernt von und über 365 Meter höher als das nächste Haus oder öffentliche Bereich. Wissenschaftler stimmen überein, dass Erdgas nicht giftig ist und der Geruchsstoff in diesen geringen Mengen harmlos ist, welches dem Erdgas hinzugefügt wird," sagte das Unternehmen in einer Erklärung.

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Der Riss lässt seit 23. Oktober täglich 1,75 Millionen Kubikmeter Methan-Gas in die Luft entweichen, nach einer Schätzung des Environmental Defense Fund. Die Organisation wurde verwendet thermische Fotografie und Videoaufnahmen, um die undichte Gasfahne des Aliso Canyon Reservoir zu visualisieren, dem größten Gasspeicherbrunnen im Westen der USA.

"Dies ist ein Mini-Tschernobyl"

Methan ist ein etwa 80mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Deshalb wurde das Leck von Mike Antonovich, dem Verantwortlichen des Landkreises Los Angeles, schon als ein "Mini-Tschernobyl" bezeichnet, in Anspielung auf die Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine 1986, dem bislang schwersten Unfall in einem Kernkraftwerk in der Geschichte.

SoCal Gas wird vorgeworfen, die Gefahren des Lecks herunterzuspielen, als einige Personen Bedenken über die Menge von Benzol, das in die Luft abgegeben wird, erhoben haben. Benzol wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der US-Regierung als eine der Ursachen von Krebs und Leukämie angesehen.

"Es kann kein sicheres Maß der Exposition empfohlen werden“, so die WHO.

Der Landkreis Los Angeles und die Stadt Los Angeles sind an einer zivilrechtlichen Klage gegen SoCal Gas beteiligt.

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