Wegen Schnappschuss von Kampfdrohnen-Basis: US-Friedensaktivistin zu sechs Monaten Haft verurteilt

Grady Flores im Interview mit Democracy Now! (Screenshot)
Grady Flores im Interview mit Democracy Now! (Screenshot)
Die New Yorker Friedensaktivistin Mary Anne Grady Flores musste vorgestern eine sechsmonatige Haftstrafe antreten. Ihr Vergehen: Grady Flores fotografierte eine Protestaktion vor einer Militärbasis, von der aus Kampfdrohnen gesteuert werden.

Bereits im Jahr 2012 wurde Mary Anne Grady Flores untersagt, sich auf der US-Militärbasis aufzuhalten, nachdem sie dort an einem Akt des zivilen Ungehorsams teilgenommen hatte. 2013 fand dann eine weitere Protestaktion auf dem Militärgelände statt, an der die Friedensaktivistin allerdings nicht direkt teilnahm. Vielmehr fotografierte sie das Geschehen von der angrenzenden Straße aus.

Behörden und Gerichte teilten ihr jedoch später mit, die Straße gehöre noch zum Hancock Field, dem Militärkomplex, von dem aus US-Kampfdrohnen gesteuert werden. Nach einem ersten Urteilsspruch drohten Grady Flores dafür zunächst 12 Monate Gefängnis.

Da ein Jahr Haft für ein paar Schnappschüsse von einer Straße aus wohl auch den Richtern der US-Justiz zu hoch erschienen, wurde die Strafe später auf sechs Monate reduziert.

Am vergangenen Dienstag musste die Aktivistin und Großmutter ihre Haftstrafe antreten. Zuvor konnte sich Grady Flores noch gegenüber dem Politmagazin Democracy Now! äußern.

Quelle: US-Army

Auf der Enthüllungsplattform The Intercept im Oktober 2015 veröffentlichte und bis dato als geheim eingestufte Dokumente zeigen die inneren Abläufe des US-Drohnenkrieges in Somalia und im Jemen auf. In den Papieren, die den Titel "The Drone Papers" tragen, wird auch beschrieben wie Verdächtige für Erschießungen ausgewählt und zivile Opfer gezielt verschleiert werden.

Dokumente zu den Drohnenoperationen in Afghanistan zeigen, dass die US-Regierung auch unidentifizierte Individuen, die bei Angriffen getötet wurden, als Feinde kategorisiert hat. Tatsächlich liege die Zahl der zivilen Opfer oft bei einem Vielfachen der ins Visier genommenen feindlichen Kämpfer. In den Vereinigten Staaten wächst daher seit geraumer Zeit die Kritik am vermeintlich "sauberen" Drohnen-Krieg der Obama-Administration.