Tragen Muslime den neuen Judenstern? - Trump fordert "totales" Einreiseverbot für Muslime

Will US-Präsident werden: Donald Trump
Will US-Präsident werden: Donald Trump
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump fordert mittlerweile ein "totales und komplettes Einreiseverbot" für Muslime in die USA. Dies solle sowohl für Migranten wie auch für Touristen gelten. Die Reaktionen bewegten sich zwischen Begeisterung bei Trumps Fans und Wut sowie Fassungslosigkeit seitens seiner politischen Gegner.

Der US-amerikanische Milliardär und Rüpel-Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr fügte hinzu, dass sein "Plan" auch für US-amerikanische Muslime gelten würde, die im Ausland leben und in die Vereinigten Staaten einreisen wollen. Kein Muslim soll, so Trump, auf absehbare Zeit mehr den Boden der USA betreten dürfen.

Das Fehlen weiterer Details zu Trumps neuestem Vorhaben deutet jedoch darauf hin, dass es dem Milliardär wieder einmal eher um publikumswirksame Demagogie statt um eine konkrete Umsetzung geht. Jedoch weist Trump auch darauf hin, dass weitere Einzelheiten zu seiner Idee des religonsbezogenen Einreiseverbotes in Kürze folgen werden. Wörtlich sagte Trump:

"Bis wir in der Lage sind das Problem zu verstehen und Entscheidungen zu treffen und solange die gefährliche Bedrohung besteht, können wir nicht zulassen, dass unser Land Opfer entsetzlicher Angriffe von Menschen wird, deren einziger Glaube der Jihad ist und die keinen Respekt vor menschlichem Leben haben."

Doch auch wenn Trumps Forderung nicht zuletzt als wohl kalkulierter Skandal im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie verstehen werden muss: Der Schaden ist bereits angerichtet. Stigmatisierender kann sich ein Präsidentschaftskandidat wohl kaum äußern. Einer weiteren Spaltung der Gesellschaft entlang kultureller Unterschiede wird gezielt das Wort geredet.

Trumps Aussagen erfolgten unmittelbar nach der Feststellung, dass das Massaker im kalifornischen San Bernadino vergangene Woche einen terroristischen Hintergrund haben könnte.

Nach den Anschlägen von Paris und im Zusammenhang mit der Flüchlingskrise haben antimuslimische Ressentiments in zahlreichen westlichen Ländern einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Terror-Angst in den USA ist ebenfalls stark angewachsen. 83 Prozent der Wähler halten einen terroristischen Anschlag in den Vereinigten Staaten für wahrscheinlich.

56 Prozent der US-Amerikaner sehen zudem die Werte des Islam im Widerspruch zum US-amerikanischen "Way of Life".

Der Washington Post-Journalist Dave Weigel zitierte auf Twitter den Direktor des Council on American-Islamic Relations der Trumps Einlassungen wie folgt kommentierte:

"Was kann er jetzt noch fordern? Reden wir über Internierungslager? Geht es um die Endlösung?"

Trumps Konkurrent im republikanischen Präsidentschaftsrennen, Ben Carson, kritisiert die Aussagen ebenfalls, fordert jedoch stattdessen die Totalüberwachung jedes Einreisenden in die USA - unabhängig von der Religion:

Jeb Bush, ebenfalls im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, relativiert:

"Donald Trump ist verstört. Seine Vorschläge sind nicht ernstzunehmen."

Auf der Seite der Demokraten fährt Martin O'Malley schwere Geschütze auf:

"Donald Trump lässt keinen Zweifel: Er bewirbt sich als faschistischer Demagoge um das Präsidentenamt."

Doch bei seinen Fans finden Trumps Forderungen begeisterten Applaus. Beim selbsternannten "Islamischen Staat" vermutlich ebenfalls. Zahlreiche Analysten sind sich einig: Die kulturelle Spaltung zwischen Muslimen und Anders- oder Nichtgläubigen in den westlichen Gesellschaften steht nicht nur auf der Agenda von Rechtspopulisten sondern ist ebenso Teil des dschihadistischen Masterplans. Gerade Figuren wie Donald Trump sind es, die dieses Kalkül gezielt erfüllen.

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