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"Massenhafte Ermordung weißer Farmer": Kritik nach Einmischung Trumps in südafrikanische Debatte

"Massenhafte Ermordung weißer Farmer": Kritik nach Einmischung Trumps in südafrikanische Debatte
Symbolbild
Immer wieder tauchen Meldungen auf, wonach weiße Farmer in Südafrika in immer größerer Zahl zu Todesopfern "rassistischer" Gewalt würden. Auch US-Präsident Trump hatte sich mit dieser Behauptung in die inneren Angelegenheiten Südafrikas eingemischt.

Am 22. August hatte Trump mit seinem Tweet über die von der südafrikanischen Regierung geplante Enteignung von Farmen europäischer Einwanderer in Südafrika für Aufsehen gesorgt:

Ich habe Außenminister @SecPompeo gebeten, die Beschlagnahmungen und Enteignungen von Land und landwirtschaftlichen Betrieben in Südafrika und die Massentötung von Landwirten genau zu untersuchen. Die südafrikanische Regierung beschlagnahmt jetzt Land von weißen Bauern," hatte der US-Präsident behauptet.

Ohne den US-Präsidenten direkt zu nennen oder Bezug auf dessen Kommentar zu nehmen, bezog nun die US-Botschaft in Südafrika Stellung zu den weit verbreiteten Mutmaßungen. In einer Depesche mit dem Titel "Despite Crime Epidemic, Farm Murders Down" verweist die Botschaft demnach auf Statistiken über die Anzahl der Morde an weißen südafrikanischen Farmern.

Einige Journalisten und Lobbygruppen haben komplexe Landstreitigkeiten vereinfacht, um ihren eigenen Zwecken zu dienen", heißt es seitens der Botschaft.

Beamte der US-Botschaft wandten sich demnach vorab an ein "breites Spektrum von Experten – darunter Landwirte, Polizei, Kriminalitätsforscher und Akademiker –, um das Ausmaß der Gewalt gegen weiße Farmer abzuschätzen."

Sie fanden "keine Beweise dafür, dass Morde auf Farmen gezielt auf Weiße abzielen oder politisch motiviert sind. Die Landwirte vermuteten, dass sie wegen der Abgeschiedenheit der Betriebe und der unzureichenden Reaktionen der Strafverfolgungsbehörden anfälliger für Gewalt sind, aber sie stellten auch fest, dass die Gewalt in den Betrieben nie zu einer führte", heißt es nach Angaben von Foreign Policy in der Depesche.

Bei seiner Anklage stützte sich Trump auf einen Bericht des Senders Fox News. Zu Gast waren dort auch hochrangige Mitglieder genannter Lobbygruppen sogenannter weißer Nationalisten vom Land am Kap der Guten Hoffnung. Vermeintliche "Bürgerrechtsgruppen" wie AfriForum oder die Suidlanders verbreiten seit dem offiziellen Ende der Apartheid die These, wonach "weiße Farmer" und "weiße Südafrikaner" im Allgemeinen Opfer einer staatlich orchestrierten Verfolgung sein. Diese habe das Ziel, alle Nachkommen europäischer Siedler aus dem Land zu vertreiben oder zu ermorden.

Symbolbild.

Die Suidlanders bezeichnen sich als "Notfallplan-Initiative", um eine protestantische christlich-südafrikanische Minderheit auf eine kommende gewalttätige Revolution vorzubereiten. Um auch die übrige Welt von ihrer Mission zu überzeugen, trafen sich Vertreter der Gruppe unter anderem mit Repräsentanten der Alt-Right-Bewegung und einflussreichen Medienvertretern in den Vereinigten Staaten. Das Ziel: Eine globale Opposition gegen die angebliche systematische Verfolgung und Ermordung von Weißen in Südafrika aufzubauen.

Die Suidlander sind davon überzeugt, dass ein Rassenkrieg unvermeidlich sei und verbringen bereits Jahre damit, sich auf diesen vorzubereiten. Nach der Ermordung von Eugène Terre'Blanche, dem Anführer der Afrikaner Weerstandsbeweging, erhielt die Organisation regen Zulauf. Der zweite signifikante Mitgliederzuwachs erfolgte nach dem Tod Nelson Mandelas. Dieser, so die Meinung der Suidlander, würde den unvermeidbaren Rassenkrieg endgültig auslösen. Nun zeigt sich die Gruppierung davon überzeugt, dass die vermeintliche "rassistisch motivierte" und massenhafte Ermordung weißer Farmer das endgültige Fanal für einen "Genozid" an der weißen südafrikanischen Bevölkerung sei.

Simon Roche, der Sprecher der Suidlanders, erklärte gegenüber dem südafrikanischen Mail & Guardian, dass die Verbreitung der Botschaft eines "Völkermords" an der weißen südafrikanischen Bevölkerung etwa nach Europa und Australien auf die Lobbyarbeit der Organisation in den USA im vergangenen Jahr zurückzuführen sei. Roche zufolge sei die Kampagne in Sachen Geldbeschaffung in den USA allerdings nicht sehr erfolgreich verlaufen:

Wir haben keinen Durchbruch bei hochkarätigen Typen mit viel Geld erzielt.

Dahingegen sei die Resonanz in sogenannten rechten US- und kanadischen Medien zufriedenstellend gewesen. Es liegt daher nahe, dass der Tweet des US-Präsidenten sich in die Resultate erfolgreicher Lobbyarbeit der Sudlanders, aber auch anderer Organisation wie dem AfriForum einreiht.

In Australien erklärte der australische Innenminister Peter Dutton Mitte März gegenüber The Daily Telegraph, dass er über Visa für weiße südafrikanische Bauern nachdenke, die vor "schrecklichen Umständen" in ein "zivilisiertes Land" fliehen müssten. Demnach müsste den südafrikanischen Bauern "besondere Aufmerksamkeit" aufgrund der Landnahme und Gewalt zu Teil werden. Kritik an seinen Äußerungen bezeichnete er als Widerstand "verrückter Linker". Ein Asyl-Gesuch eines Südafrikaners wurde jedoch mit der Begründung zurückgewiesen, dass es "keine Hinweise auf ethnisch motivierte Gewalt gegenüber weißen Farmen oder Südafrikanern" gäbe.

Derweil zieht es die weißen Farmer auch in die Weiten und fruchtbaren Ebenen Russlands, genauer nach Stawropol. Einer von ihnen ist Adi Schlebusch, dessen Vater auf seiner Farm ermordet wurde. Ihm zufolge begaben er und seine Familie sich mit dem Ziel in die Region, sich möglicherweise vor Ort niederzulassen.

Ich weiß, dass das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion in Russland immens ist. Also, ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt, sich in die Landwirtschaft in Russland einzukaufen. Und ich denke, es gibt viel Potenzial", wird Schlebusch zitiert.

Stawropol ist demnach dazu bereit, bis zu 50 Burenfamilien anzusiedeln, so der stellvertretende Menschenrechtskommissar der Region, Vladimir Poluboyarenko. Demzufolge existiert bereits ein Plan für die Ansiedlung von etwa 500 Familien mit eigenem Vieh in der Nähe von Stawropol. Etwa 15.000 Buren beabsichtigten, nach Russland umzusiedeln.

Auf die Absicht weißer Farmer eine neue Heimat in Russland zu finden, bezog sich, freilich inakkurat, der ehemalige Ku-Klux-Klan-Mann David Duke und verband damit eine Aufforderung an US-Präsident Trump:

Russland hat sich bereits dazu bereit erklärt, 15.000 weiße Südafrikaner aufzunehmen – Sie sind am Zug, Mr. President.

Farmer Schlebusch zeigt sich davon überzeugt, dass das südafrikanische Farmland "nie von Weißen mit Gewalt oder auf ungerechte Weise von Schwarzen übernommen wurde". Als die Buren im 19. Jahrhundert nach Südafrika gezogen sein, hätten diese vielmehr versucht, "fair zu handeln" und "Konflikte zu vermeiden".

Dies entspricht jedoch ebenso wenig der Wahrheit wie die friedvolle Landnahme europäischer Siedler in Nordamerika. Ein Mythos, der auch durch die Hollywood-Maschinerie weltweite Verbreitung fanden, um den vielmehr auf einem tatsächlichen Genozid an den sogenannten "First Nations" beruhenden Landraub zu verschleiern. Auch ein Mythos ist die Behauptung, dass Südafrika ein "leeres Land" gewesen sei, als die Siedler die fruchtbarsten Böden in Besitz nahmen.

Der Mythos des leeren Landes wurde im 19. Jahrhundert zu einem zentralen Grundsatz sowohl der britischen als auch der afrikaanischen Identität Südafrikas (…). Anstatt eine historische Tatsache zu sein, ist es eine bequeme Fiktion, die als politisches Instrument diente", heißt es dazu etwa bei South African History Online.

Heute stellen die Nachfahren europäischer Siedler acht Prozent der südafrikanischen Bevölkerung, besitzen aber demnach etwa 72 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit besitzt demzufolge nur vier Prozent. In der Autobiografie "Freedom for my people" des südafrikanischen Hochschullehrers, ANC-Politikers und botswanischen Diplomaten Zachariah Keodirelang Matthews heißt es:

Unsere Geschichte, wie wir sie kannten, hatte keine Ähnlichkeit mit der südafrikanischen Geschichte, wie sie von europäischen Gelehrten geschrieben wurde, oder wie sie in südafrikanischen Schulen gelehrt wird, und wie sie uns in Fort Hare gelehrt wurde. Der Europäer bestand darauf, dass wir seine Version der Vergangenheit akzeptieren – wenn wir pädagogisch vorankommen wollten, sogar um Prüfungen in dem Fach zu bestehen, die er lehrte.

Derweil erregte der umstrittene Tweet von US-Präsident Trump, in dem er US-Außenminister Pompeo auffordert, die "massenhafte Ermordung weißer Farmer" in Südafrika zu überprüfen, nach AFP-Angaben den Unmut südafrikanischer Farmer. Das Thema stand demnach im Mittelpunkt eines Treffens, an dem Landwirte und südafrikanische Beamte teilnahmen.

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Die Bauern riefen Trump demnach dazu auf, sie "verdammt noch mal in Ruhe zu lassen", nachdem der US-Präsident die Landreformpläne des Landes kritisiert hatte.

Die Leute waren wütend über Trump – und ich denke, sie sind es immer noch", sagte Preline Swart, eine 37-jährige schwarze Frau, die mit ihrem Mann östlich von Kapstadt Getreide und Vieh bewirtschaftet.

"Er ist ein Außenseiter, und er weiß nichts über Landwirtschaft", ergänzte sie am Rande eines Gipfels von Bauern, Beamten und Industriellen in Bela-Bela, etwa 160 Kilometer nordöstlich von Johannesburg. Der ebenfalls an der Bauern-Konfernez teilnehmende Farmer Andre Smtih zeigt sich davon überzeugt:

Er [Trump] versteht die Situation in Südafrika nicht. Wir müssen ihn informieren, wir müssen ihn einladen, uns zu besuchen.

Die südafrikanische Regierung wies die Anschuldigungen Trumps als "alarmierend, falsch, ungenau und falsch informiert" zurück. Dennoch herrscht bei den Bauern Unklarheit über die Pläne der eigenen Regierung.

So etwa bei Konferenzsprecher und Bauer Tshilidzi Matshidzula, ein Milchbauer mit 1.000 Rindern auf seiner Ranch in der Ostkap-Provinz des Landes:

Der Vize-Präsident versicherte den Bauern, dass die Regierung nichts Leichtsinniges tun wird. Aber als Bauer, obwohl ich schwarz bin, ist Enteignung eine ernste Angelegenheit (…). Je eher wir formale Klarheit darüber bekommen, wie es gehandhabt wird, desto besser.

Tatsächlich werden von der südafrikanischen Regierung aktuell noch Meinungen von Experten und aus der Öffentlichkeit zum Thema eingeholt. Die Entscheidung über das konkrete Vorgehen ist demnach noch nicht gefallen. Die Entschließung wurde von der südafrikanischen Regierungspartei ANC ausgearbeitet. Vergangene Woche unterstützte dieser mit seiner Mehrheit im südafrikanischen Parlament einen Antrag für einen Verfassungszusatz, der eine entschädigungslose Landenteignung ermöglicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa vor einem bilateralen Treffen im Anschluss an eine Plenarsitzung mit den sogenannten Outreach-Ländern während des letzten G7-Treffens.

Die entsprechende Resolution sieht vor, das Land an landlose schwarze Südafrikaner umzuverteilen, "sofern dies in einer Weise geschieht, die weder die Ernährungssicherheit gefährdet, noch das Wirtschaftswachstum untergräbt".

David Masondo, Mitglied des Economic Transformation Committee des ANC, erklärte, die Resolution ziele nicht auf, "alles Land, das produktiv genutzt wird." Vielmehr gehe es um das Prinzip "nutze es, oder verliere es [use it, or loose it], selbst wenn man schwarz" sei.

Es umfasst verwaistes Land, ungenutztes Land und Land, das zu spekulativen Zwecken genutzt wird", konkretisierte Masondo.

Aktuell befasse sich ein Ausschuss damit, die Resolution zu überprüfen und dem Parlament bis zum 31. August Bericht zu erstatten. Tatsächlich werden auch weiße Farmer immer wieder Opfer von Gewalt und oft tödlich verlaufenden Raubüberfällen. Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des größten südafrikanischen Bauernverbands 47 weiße Farmer getötet. Im Jahr 1998 waren es demzufolge 153 Opfer. Der Präsident des Bauernverbands, Dan Kriek, erklärte:

Es werden nicht nur weiße Farmer ermordet, sondern auch schwarze Farmarbeiter und oftmals zur Hälfte der angegebenen Fälle.

Im Gegensatz zu den aktuellen Meldungen über einen vermeintlichen Genozid an der weißen südafrikanischen Bevölkerung erfährt die hiesige Öffentlichkeit derweil wenig über den, auch nach dem offiziellen Ende der Apartheid, nach wie vor weit verbreiteten Rassismus der weißen Minderheit. So verurteilte im Oktober 2017 die südafrikanische Justiz die Farmer Willem Oosthuizen und Theo Martins Jackson zu Gefängnisstrafen, nachdem sie versucht hatten, einen schwarzen Mann in einen Sarg zu sperren.

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