"Zeit für Versöhnung vorbei" - Südafrika beschließt Enteignung weißer Landwirte

"Zeit für Versöhnung vorbei" - Südafrika beschließt Enteignung weißer Landwirte
Ein Feld mit Kreuzen in Erinnerung an ermordete weiße Farmer, Pretoria, Südafrika, 28. Juli 2008.
Dienstag hat das südafrikanische Parlament für eine Enteignung ohne Entschädigung von weißen Landwirten entschieden. Immer noch ist die Mehrheit südafrikanischer Anbauflächen in weißer Hand und der Klimawandel mindert die Zahl der Anbauflächen. Die neue Politik ist vor allem ein Stimmenfang.

Die Apartheid in Afrika führte dazu, dass sich die weiße Bevölkerung mit Ländereien bereicherte. Die heimische Bevölkerung litt unter der Landverknappung und der Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs. Bis heute ist die Landverteilung ein Dauerthema in Südafrika. Rund 73 Prozent der Agrarflächen Südafrikas sind in den Händen weißer Farmer. Diese besitzen vor allem die kommerziellen Großagrarbetriebe, während die schwarze Bevölkerung kleinere Subsistenzhöfe betreibt. 

Die Enteignung soll mehr Gerechtigkeit schaffen, so Julius Malme, EEF-Vorsitzender: 

Die Zeit für Ausgleich ist vorbei; jetzt ist Zeit für Gerechtigkeit. Es geht um unsere Würde. Wir wollen keine Rache. 

Der Gründer der Partei

Im kommenden Jahr stehen Parlamentswahlen in Südafrika an. Die derzeitige Regierungspartei ANC erhofft sich durch die Enteignungen den Zuspruch der armen Bevölkerung. Vorgebracht hatte den Antrag die "Economic Freedom Fighters", kurz EFF (linksradikale Partei Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit). Auch Cyril Ramaphosa, Präsident Südafrikas, unterstützt das Vorhaben unter der Bedingung, dass das nicht die Menge der landwirtschaftlichen Produktion betrifft. Die betroffenen Farmer fürchten sich vor einem Schicksal wie in Simbabwe. 

Enteignungen unter Mugabe

Mugabe enteignete weiße Farmer in seiner umstrittenen Landreform und gab dieses an besitzlose Bürger seines Landes. Er begründete seine Landreform mit dem Ziel der Gerechtigkeit nach der Kolonialherrschaft. Die Enteignungen begannen im Jahr 2000 und betrafen 4.000 bis 4.500 weiße Farmer. Als Folge kam es zu einem Zusammenbruch der Agrarwirtschaft. Die Mittellosen profitierten nicht von der Enteignung. Es waren vor allem Verbündete Mugabes, die sich hier bereicherten. Jetzt wandelt sich die Politik des einstigen Rhodesien. Die neue Regierung unter Emmerson Mnangagwa will Ländereien zurück an die weißen Farmer geben und die einstige "Kornkammer Afrikas" wiederbeleben.  

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Die Enteignungen in Simbabwe fanden bei Weigerung der Besitzer unter Gewalt statt. Es gibt keine verlässlichen Angaben, wie viele Opfer unter weißen Farmen es in Südafrika durch Übergriffe gibt. Die vorliegenden Zahlen sind gesammelte Daten der "Transvaal Agricultural Union", die auf Meldungen von weißen Landwirten zurückgehen und nicht überprüft werden können. Die letzte Datenerhebung von Regierungsseite fand im Jahr 2001 statt. Zu dem Zeitpunkt gab es 1.398 Übergriffe, davon waren 66,1 Prozent weiß und 33,3 Prozent schwarz. Das Problem der Landverteilung wird auch durch den Klimawandel geschürt. Mit dem Wachstum der südafrikanischen Bevölkerung sinken gleichzeitig die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Der Klimawandel machte seit den 80er-Jahren zwei Millionen Hektar Land in Südafrika unbrauchbar. 

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