Südafrika hat es eilig: Ramaphosa zum neuen Präsidenten am Kap gewählt

Südafrika hat es eilig: Ramaphosa zum neuen Präsidenten am Kap gewählt
Südafrikas neuer Präsident Cyril Ramaphosa
Nur sechzehn Stunden nach dem Rücktritt Jacob Zumas als Präsident Südafrikas hat ANC-Chef Cyril Ramaphosa dessen Amtsgeschäfte übernommen. Es könnte sich um den richtigen Mann zur richtigen Zeit handeln.

Viele Südafrikaner haben diesen Tag herbeigesehnt: Auch wenn es zuletzt immer weniger danach aussah, trat Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Mittwoch von seinem Amt als Staatspräsident der südafrikanischen Republik zurück. Dreizehn Stunden lang hatte das wichtigste Gremium der südafrikanischen Regierungspartei African National Congress (ANC), das Nationale Exekutivkomitee (NEC), zuvor getagt, bevor es sich für die Rücktrittsforderung aussprach.

Südafrikas Präsident Zuma tritt zurück

Zuma stemmte sich bis zuletzt gegen Rücktritt

Nur wenige Stunden nach Zumas Rücktritt wählte das südafrikanische Parlament in Kapstadt nun dessen 65-jährigen Vize Cyril Ramaphosa zum neuen Staatsoberhaupt. Seit der Gründung der Shanduka-Investmentgesellschaft gilt der ehemals führende Anti-Apartheid-Aktivist als versierter Geschäftsmann in den Sektoren Medien, Mobilfunk, Immobilien und Bergbau. Spätestens seit seiner Wahl zu Zumas Stellvertreter im Dezember 2017 auf einem außerordentlichen Parteitag des ANC wurde Ramaphosa als möglicher Nachfolger Zumas gehandelt.

Dieser hatte die Rücktrittsforderungen zunächst zurückgewiesen und den entsprechenden Appell der Regierungspartei ANC als haltlos und unfair bezeichnet. Währenddessen nahmen Spezialeinheiten der südafrikanischen Polizei das Anwesen der mutmaßlich mit Zuma befreundeten Unternehmerfamilie Gupta bei Johannesburg ins Visier. Bei der Aktion wurden mehrere Personen festgenommen. Die Familie soll lukrative Aufträge von der Regierung bekommen und Einfluss auf die Besetzung von Ministerposten genommen haben. Auch Präsident Zumas Sohn Duduzane soll in den Fall verwickelt sein.

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Enge Zusammenarbeit mit Mandela als Referenz

Die Chancen, dass Ramaphosa Südafrika wieder auf Trab bringen könnte, stehen zumindest nicht schlecht. Nicht zuletzt zählt Ramaphosa zu den qualifiziertesten politischen Versöhnern Südafrikas, was er bereits zu Apartheidzeiten unter Beweis gestellt hatte. Sein Geschick bewies er etwa als Führer der Bergarbeitergewerkschaft, bei den Verhandlungen für ein demokratisches Südafrika oder als Verhandlungsführer des ANC im anschließenden Verfassungsprozess. Wie William Gumede, Professor an der School of Governance der University of the Witwatersrand erläutert, ist Ramaphosa zudem

[...] der erste ANC-Chef, der nicht innerhalb der Parteigremien automatisch aufgestiegen ist, sondern sich seine Positionen hart erkämpfen musste.

Südafrikas Freiheitsikone Nelson Mandela bescheinigte Ramaphosa einst "enorme Führungsqualitäten". Der Ramaphosa-Biograf Ray Hartley fand ebenfalls lobende Worte für Südafrikas neues Staatsoberhaupt:

Er ist der Architekt wesentlicher Teile dieser wunderbar fortschrittlichen Verfassung. [...] Die Tatsache, dass wir diesen umfassenden Katalog an Grundrechten haben, verdanken wir großenteils seiner Kunstfertigkeit.

All diese Fähigkeiten wird Ramaphosa in seinem neuen Amt dringend benötigen. Seinem Nimbus als Kämpfer gegen die grassierende Korruption wird er nur dann glaubhaft gerecht werden können, wenn er auch die erforderliche Strafverfolgung Zumas und von dessen Umfeld politisch unterstützt.

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