Tödlicher Pestausbruch auf Madagaskar: Über 200 Infizierte und bereits 30 Tote

Tödlicher Pestausbruch auf Madagaskar: Über 200 Infizierte und bereits 30 Tote
Ein Angestellter des Gesundheitsministeriums versprüht Pestizide Chikungunya in Port Louis, Mauritius 16. März 2006.
Mindestens 30 Menschenleben und 194 Infektionen fordert ein Seuchenausbruch auf Madagaskar seit August, so die bisherige Bilanz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sorge bereiten insbesondere die Krankheitsfälle in urbanen Gegenden.

In Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, traten bisher 74 Fälle auf. Auch die Hafenstadt Toamasina ist betroffen. Eine Ausbreitung der Pest in die urbanen Gegenden bereitet der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besondere Sorge. 

Dem sogenannten Schwarzen Tod fielen in Europa, während des 14. Jahrhunderts, schätzungsweise 50 Millionen Menschen zum Opfer. Die WHO bezifferte die Seuchenfälle zwischen 2010 und 2015 auf 3.248 weltweit, davon 584 mit Todesfolge. Zu den gefährdeten Gebieten zählen Madagaskar, der Kongo und Peru. 

Die meisten Betroffenen leben in Afrika (243 Millionen) und Asien (520 Millionen). Millionen Kinder leiden als Folge von Hunger an Mangelerscheinungen. Auch in der Tierwelt werden die Folgen zerstörter Vegetation und Felder sichtbar.

Ausgelöst wird die Pest durch das Pestbakterium "Yersinia pestis". Ein Stäbchenbakterium, welches für die Lungen- und Beulenpest verantwortlich ist. Flöhe, insbesondere Rattenflöhe, können den Pesterreger auf den Menschen übertragen. Als blutsaugende Parasiten infizieren sie ihren Wirt mit Yersinia pestis.

Zunächst wird an der Bissstelle eine Infektion sichtbar. Es bildet sich eine Pustel und entwickelt sich zur Beulenpest, oder es kommt zu einer septischen Form ohne Pestbeule. Der Infizierte verstirbt schnell und es sind nur wenig äußere Symptome erkennbar. Die Tröpfchenübertragung von Mensch zu Mensch der Seuche ist möglich, aber seltener. Hier liegt die Todesrate bei 30 bis 100 Prozent, ohne schnelle Behandlung. Eine Heilung mit Antibiotika ist heute möglich. 

Christian Lindmeier, Sprecher der WHO gegenüber Time

Es ist nicht wie im Mittelalter, als wir keine Idee hatten, was wir taten. Es ist eine heilbare und vermeidbare Krankheit. 

Warum der Ausbruch in Madagaskar so rapide erfolgte und sich in die dicht bevölkerten Gegenden ausbreitete, wird nun untersucht. Die Regierung besprüht Schulen und öffentliche Bereiche, um Flöhe und Nagetiere zu eliminieren. Das öffentliche Leben findet nur eingeschränkt statt.