Fit für die "moderne Kriegsführung": Frankreich bewaffnet Drohnen für Afrika und neue Missionen

Fit für die "moderne Kriegsführung": Frankreich bewaffnet Drohnen für Afrika und neue Missionen
Bewaffnete Drohnen stehen im Mittelpunkt des Interesses der französischen Regierung und der Verteidigungsindustrie des Landes. Afrika ist diesbezüglich auch ein Experimentierfeld. RT Deutsch sprach darüber mit dem Afrika-Experten Jalel Harchaoui.

von Ali Özkök

Frankreich will seine Aufklärungs- und Geheimdienstdrohnen aus US-Produktion bewaffnen. Kampfdrohnen sollen das französische Militär "noch effektiver" machen. Die Drohnen kommen hauptsächlich in Mali zum Einsatz, wo Frankreich mit der Bundeswehr kooperiert. 

"Ich habe beschlossen, den Prozess der Bewaffnung unserer Geheimdienst- und Überwachungsdrohnen zu beginnen", sagte Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly bei einer Rede in der südöstlichen Stadt Toulon. Sie gab ihre Entscheidung auch auf dem Micro-Bloggingdienst Twitter bekannt.

Zunächst will Paris sechs Aufklärungsdrohnen vom Typ Reaper bewaffnen, die aus den USA kommen. Die Drohne basiert auf der MQ-1 Predator-Drohne. Sie ist größer und laut öffentlich zugänglichen Informationen deshalb besonders gut für militärische Luftnahunterstützung gegen feindliche Ziele geeignet. Die Drohnen werden bis 2019 bewaffnet sein, fügte die französische Ministerin hinzu.

Drohnen sollen Effektivität in signifikantem Maße steigern

Die meisten Drohnen der französischen Luftwaffe sind in der afrikanischen Region stationiert. Sie werden gegen Terroristen eingesetzt, schreibt die Nachrichtenagentur AP. Laut Parly werden die Drohnen eine "permanente Gefahr für bewaffnete Terroristengruppen" darstellen, überall dort, wo die französischen Truppen operieren.

Das Bewaffnen der Drohnen werde auch die "Ausdauer, Diskretion, Überwachungsfähigkeiten und Angriffsfähigkeiten" Frankreichs auf diesem Feld stärken, sagte Parly. Die bewaffneten Drohnen werden dem Militär Frankreichs helfen, noch effektiver zu werden und seine Kampfflugzeuge und Helikopter noch besser einzusetzen.

Der Afrika-Experte mit Fokus auf geopolitische Fragen an der französischen Universität Paris VIII, Jalel Harchaoui, erklärte auf Anfrage von RT Deutsch, dass Frankreich seine Drohnen aus drei Gründen bewaffnet. Er sagte: 

Drohnen werden als integraler Teil der modernen Kriegsführung betrachtet. Hier in Paris ist die Effektivität der langfristigen französischen Präsenz im Ausland eine heiß diskutierte Frage. Erst gestern betonte die Regierung Macron, dass die Auslandsoperationen wie Barkhane und Sahel effizienter gemacht werden müssen, um Reservekapazitäten im Personalbereich zu ermöglichen.

Deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit militärischen Ehren in Bamako, Mali, 1. August 2017.

Das sei ein eindeutiger Schritt in Richtung automatischer Kriegsführung. Reservekapazitäten seien notwendig für etwaige neue Militärmissionen Frankreichs im Ausland, sagte Harchaoui und fügte hinzu:

Der zweite Grund ist: Washington distanziert sich zunehmend von der Rolle Frankreichs in Afrika, die selbstbewusster geworden ist. Vor vier Jahren kaufte Paris unbewaffnete Reaper-Drohnen aus den USA, was damals eine ziemlich große Sache war. Heute, mit einigen Ausnahmen wie Somalia, scheinen die USA unter Trump Afrika den Rücken zu kehren.

Globaler Drohnenmarkt ist Wachstumsmarkt mit hohem Potenzial

Demnach veranlasste das Verhalten Trumps europäische Staaten dazu, mehr Autonomie auf allen Ebenen, auch der militärischen, in Afrika zu suchen. Über den dritten Grund erläuterte der Geopolitik-Analyst gegenüber RT Deutsch:

Der letzte Beweggrund ist kommerzieller Natur. Frankreich betrachtet sich als einen ehrgeizigen Waffenexporteur. Der Drohnenmarkt ist in den letzten Jahren explodiert. Noch vor zwei Jahren wurde der Drohnenmarkt auf sechs Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2022 könnte sich der Sektor wertmäßig verdreifachen. Paris will sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, auch eigene bewaffnete Kompetenzen im Drohnenbereich zu erwerben.

Nichtsdestotrotz betonte Parly, dass die Drohnen keine "Killerroboter" werden würden. Luftangriffe mittels unbemannter Flugobjekte würden strikten nationalen und internationalen Regularien unterlegen.

"Diese Entscheidung ändert nicht die Regeln für den Einsatz von Gewalt. Die Eingreifregeln für bewaffnete Drohnen sind absolut identisch mit jenen, die bereits angewandt werden", beteuerte Parly. Sie weigerte sich jedoch, mitzuteilen, wann und womit die Drohnen konkret bewaffnet werden sollen.

Deutsche Verteidigunsministerin Ursula von der Leyen in Mali beim Besuch deutscher Drohnenpiloten in Gao, Mali, 19. Dezember 2016.

In ihrer Rede äußerte die Verteidigungsministerin, dass Frankreich auch mit Deutschland, Italien und Spanien an einer europäischen Drohne arbeitet, die bewaffnet sein soll.

Senatsbericht unterstreicht zunehmende Rolle der Drohnen

Parlys Aussagen stehen unter dem Eindruck eines Berichts von Anfang des Jahres, den französischen Senatoren veröffentlicht hatten. Demnach integrierte die französische Armee die Drohne als Instrument erfolgreich in die Struktur der Streitkräfte. Es heißt, Drohnen stehen jetzt "im Mittelpunkt aller operativen Instrumente".

Der gleiche Bericht bemerkte, dass auch andere Staaten bereits bewaffnete Drohnen benutzen. Darunter befinden sich die USA, Großbritannien, Italien, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak, Iran, Pakistan und die Türkei.

Bewaffnete Drohnen kommen vor allem in den Konfliktregionen Jemen, Syrien, Irak, Somalia, Afghanistan und Pakistan zum Einsatz.