Tabakindustrie wirbt aggressiv um afrikanische Kinder als Neukunden

Tabakindustrie wirbt aggressiv um afrikanische Kinder als Neukunden
Rauchender Strassenjunge im Armenviertel von Kairo (Maadi), Ägypten, 11. Juli 2015.
Der Tabakindustrie gehen die Kunden in den westlichen Ländern aus. Afrika gilt als neuer, unerschlossener Markt. Und hier trifft es besonders die Kinder. Die WHO warnt vor einer neuen Epidemie und dem Raub an Anbauflächen, die für Nahrungsmittel benötigt werden.

Jedes Jahr sterben über sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, rund zehn Prozent davon durch Passivrauchen. Die Zahl der Raucher wird auf 1,1 Milliarden geschätzt. Schon heute leben 80 Prozent der Raucher in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen. Kinder, die auf den Tabakplantagen arbeiten, erkranken an der sogenannten "Grünen Tabakkrankheit". Über die Haut nehmen sie das Nikotin von den Blättern der Tabakpflanzen auf. 

WHO: Anti-Tabak-Maßnahmen erreichen 60 Prozent aller Menschen

Während der Konsum in den westlichen Ländern rückläufig ist, hier sind es vor allem ältere Männer, die rauchen, bietet Afrika einen noch unerschlossenen Markt. Bisher rauchen hier nur zwei Prozent der einen Milliarde Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer neuen Epidemie. Bis zum Jahr 2025 wird die Bevölkerung Afrikas auf zwei Milliarden gewachsen sein. Ein Markt mit Wachstumsaussichten. Ein positiver Trend für die Tabakindustrie lässt sich bereits heute abzeichnen. Die WHO warnt

Afrikanische Kinder rauchen schon jetzt vergleichbar viel und sogar mehr als Kinder und Jugendliche in den Nordländern oder Asien."

In den afrikanischen Ländern der Raucher von morgen fehlen die notwendigen Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten, die sich auf Tabakkonsum zurückführen lassen. Die Gesundheitskosten des Rauchens müssen die Betroffenen selbst tragen. Und es ergibt sich noch ein weiteres Problem: der Tabakanbau raubt Flächen für den Nahrungsmittelanbau. In einer Übersichtskarte beschreibt die Organisation "Unfair Tabacco" die Methoden der Tabakindustrie. Diese unterteilen sich in: politische Einmischung, gesetzliche Drohungen, Schmuggel, Sponsoring und Marketing. 

Afrika gilt neben Südasien als einer der größten Wachstumsmärkte weltweit für die Tabakindustrie.

Auch das Rote Kreuz lebt von Spendengeldern der Tabakindustrie. Vor allem Frauen gelten in der Tabakindustrie gemeinhin als zukunftweisende Konsumenten. "Unfair Tobacco" nennt im Marketing das Beispiel Südkorea. Unter Druck der US-Tabakindustrie öffnete es den Markt für amerikanische Zigaretten. Kulturell galt das Rauchen bei Frauen als unschicklich. Die südkoreanische Regierung versuchte sogar, mit einem Verbot von Werbekampagnen, die an Frauen gerichtet sind, gegenzuhalten. Doch die Tabakindustrie reagierte mit extra femininen Zigaretten, die mit einem neuen, superdünnen Design und entsprechenden Verpackungen auf weibliche Konsumentinnen abzielten. Der Marktanteil in Südkorea stieg von 3 Prozent im Jahr 1980 auf 43 Prozent in 2012.

Auch südlich der Sahara wird viel geworben, und Tabakwerbung ist allgegenwärtig. Besonders besorgniserregend ist, dass die Zigaretten im Einzelverkauf zu erwerben sind. Gerade dies macht Kinder zu Abhängigen. Die Tabakgiganten scheuen auch nicht davor zurück, an die Schulen zu gehen und dort T-Shirts, die mit ihren Marken versehen sind, zu verteilen. Über Sponsorings werden Kultur und Sport gefördert. Regierungen werden unter Druck gesetzt, wenn sie versuchen, das Werben der Konzerne zu unterbinden.