Dschibuti: China fordert USA durch Militärstützpunkt heraus

Dschibuti: China fordert USA durch Militärstützpunkt heraus
US-Verteidigungsminister James Mattis von seinem Amtskollegen aus Dschibuti, Ali Hasan Bahdon, am Djibouti-Ambouli International Airport in Ambouli begrüßt
Jüngst geriet der kleine Staat im Nordosten Afrikas in die Schlagzeilen. Der Grund: Die chinesische Volksbefreiungsarmee entsendete erstmals eigene Truppen nach Afrika, um vor Ort einen Militärstützpunkt fertig zu stellen. Die USA beobachten die Ambitionen mit sorgenvoller Skepsis.

Am Donnerstag verkündete der äthiopische Verkehrsminister Ahmed Shide über die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua folgende Nachricht. Die von den Chinesen gebaute Eisenbahnlinie, die Äthiopien mit Dschibuti verbindet, werde im Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Nach Aussage des Ministers handele es sich um einen weiteren Beweis für Chinas Unterstützung auf dem Weg, die eigene Wirtschaft durch ambitionierte Infrastrukturprojekte auf Trapp zu bringen:

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Wir hoffen, dass das Schienenprojekt die Entwicklung industrieller Fertigung vereinfachen wird und die Wettbewerbsfähigkeit Äthiopiens durch einen schnelleren Transport von Exportgütern zum Hafen Dschibutis erhöht", erklärte Shide.

Abgesehen vom Ausdruck des Strebens nach einer westlichen, auf Rendite und Profitmaximierung angelegten Definition von Entwicklung, verweisen die Worte des äthiopischen Ministers auch auf eine andere Entwicklung. China ist schon längst zum entscheidenden Player auf dem afrikanischen Markt aufgestiegen und legt sein Augenmerk dabei vor allem auf den Ausbau der vielerorts maroden Infrastruktur. Der Zwergstatt Dschibuti spielt bei den chinesischen Ambitionen in Afrika eine entscheidende Rolle.

Westliche Staatengemeinschaft warnt vor China

Vor allem westliche Staaten verweisen dabei gern auf vermeintlich koloniale Motive des asiatischen Giganten. China schere sich nicht um Menschenrechte und Demokratie heißt es mit erhobenem Zeigefinger. Unter einer Art kolonialer Amnesie leidend, werden dabei augenscheinlich die eigenen, alles andere als friedensfördernden Aktivitäten auf afrikanischem Boden verdrängt. Diese werden bis heute von allerlei altruistischem Dünkel begleitet, der dennoch nur mühsam die Macht-Agenda der westlichen Staatengemeinschaft zu verschleiern vermag.

Bundespräsident a.D. Horst Köhler sprach in diesem Zusammenhang von der "unglaublichen Arroganz der Europäer", die obendrein für die Vernichtung ganzer Kulturen auf afrikanischem Boden verantwortlich seien. Die Liste der Experten die auf die bodenlose Doppelmoral westlicher Argumentation, auch gegenüber China, hinweisen ist lang.

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Die Größe Dschibutis entspricht in etwa der Mecklenburg-Vorpommerns und zählt dabei knapp 900.000 Einwohner. Am Golf von Aden gelegen, ist der afrikanische Staat geostrategisch von aller größter Bedeutung. Dies ist der Grund, warum sich vor Ort gleich fünf Militäreinrichtungen ausländischer Mächte befinden. Allen ist gemeinsam, dass sie vermeintlich lediglich das Wohl der Menschen in der Region vor Augen haben, so auch die Chinesen. Das Reich der Mitte entsendete vor wenigen Tagen erstmals Marineeinheiten der chinesischen Volksbefreiungsarmee nach Dschibuti.

Ziel des militärischen „Logistikstützpunkts“ sei es demnach, humanitäre Missionen von UN-Blauhelmen zu unterstützen und den internationalen Handel über den Golf von Aden zu schützen. Ebenso sollen vor Ort internationale Marineübungen und Rettungseinsätze gestartet und koordiniert werden. Der chinesische Stützpunkt steht nunmehr kurz vor der Fertigstellung.

Peking gesellt sich zu illustren Gästen in Dschibuti

Neben China, das nun ebenfalls seine Muskeln spielen lässt, geben sich die Vereinigten Staaten, Frankreich mit gleich mehreren Militärobjekten, Spanien, Deutschland und auch Japan militärisch vor Ort die Klinke in die Hand. Nun mag man sich fragen, warum nicht auch die Russische Föderation beim militärischen Stelldichein dabei ist. Moskau versuchte es und führte bereits intensive Gespräche mit der Regierung des kleinen Landes. Auch ein Stützpunkt war bereits gefunden, doch letztendlich machten die Vereinigten Staaten diesen Ambitionen einen Strich durch die Rechnung.

Die US-Administration setzte die örtliche Regierung unter Druck und forderte sie auf, keinen russischen Stützpunkt zuzulassen. Dschibuti beugte sich dem dringenden Wunsch. Das aktuelle Vorgehen Chinas beschreibt der Politikwissenschaftler Martin Wagener wie folgt:

China wird global-ökonomisch immer stärker – logisch, dass auch das Militär irgendwann mitziehen muss, um das abzusichern."

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Wagener, der an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung tätig ist, spricht von einem „schleichenden Griff nach der Weltmacht.“

US-Militärdienstleister widmet sich chinesischer Basis

Konsequent also, dass sich auch der US-Strategieberater Stratfor mit den Chinesen befasst. Die geheimdienstlich tätige Privatfirma liefert Konzernen wie Dow Chemical oder Lockheed Martin sensible Informationen. Laut der Enthüllungsplattform WikiLeaks, zählen auch Regierungsbehörden wie das Heimatschutzministerium oder der Militärgeheimdienst DIA zum exklusiven Kundenkreis.

Laut Stratfor-Informationen fällt der chinesische Militärstützpunkt vor allem durch seine enormen Sicherheitsvorkehrungen auf. Zwei Sicherheitsgürtel umgeben den Komplex. Der Zwischenraum bildet die dritte Sicherheitszone. Bei seinen Erkenntnissen stützt sich Stratfor auf Satellitenmaterial des Unternehmens AllSource Analysis.

Fahrzeuge gelangen auch durch einen unterirdischen Eingang auf die chinesische Basis. Der entsprechende Eingang verbindet zwei weitere sich unter der Erdoberfläche befindliche Einrichtungen. Eine der beiden Komplexe besitzt eine Fläche von 23.000 Quadratmetern. Die gesamte Struktur dient dabei der Durchführung unbeobachteter Aktivitäten und dem Schutz militärischen Geräts.

Neben diesem enormen Bollwerk entstanden weitere kleinere Tunnel- und Bunkersysteme die sich über die gesamte Anlage erstrecken. Auch nach Ansicht der US-Amerikaner besteht der Grund der Errichtung des chinesischen Flottenstützpunktes hauptsächlich darin, für die eigenen Handelsschiffe eine sichere Fahrt durch den Golf von Aden auch militärisch zu gewährleisten.

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Was den Chinesen demnach jedoch noch fehlt, ist eine entsprechende Hafenanlage. Die Errichtung einer solchen Anlage werde wahrscheinlich noch folgen und die chinesische Volksbefreiungsarmee dadurch unabhängig vom kommerziellen Hafen Dschibutis machen.

China zieht in unmittelbare US-Nachbarschaft

Der sogenannte chinesische Logistikstützpunkt befindet sich nur wenige Kilometer vom US-amerikanischen Camp Lemonnier entfernt. Bei der US-Basis handelt es sich mit einer Kapazität von bis zu 4.000 stationierbaren Soldaten, um eine der größten Militärbasen der USA außerhalb der eigenen Staatsgrenzen. Die New York Times verweist auf eine Befürchtung der Pentagon-Strategen, die auf die weit über Dschibuti gehenden geopolitischen Implikationen der aktuellen Entwicklungen verweist.

Auch aufgrund der wachsenden Spannungen zwischen den USA und China im Süd-Chinesischen Meer befürchten demnach US-Militäranalysten, dass China unter anderem Interesse daran entwickeln könnte, sich Einblick in die sogenannten Anti-Terror-Operationen der USA auf der arabischen Halbinsel und Nordafrika zu verschaffen. Diese werden auch von Camp Lemonnier aus koordiniert und durchgeführt.

Das US-Militärcamp wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 errichtet. Einige der von dort startenden Missionen beinhalten gezielte Tötungsmaßnahmen durch Drohnen im Mittleren Osten und dem Horn von Afrika. Dort treiben seit Jahren terroristische Gruppierungen wie die somalische Al-Shabaab-Miliz ihr Unwesen, ohne dass die geballte Macht des US-Militärapparats vermeintlich in der Lage wäre, ihnen das Handwerk zu legen.

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Auch Operationen im Jemen werden von Camp Lemonnier aus organisiert. Offiziell verstarb zuletzt ein US-Soldat der Navy Seals bei einer Operation im Jemen. Besorgt beobachten die USA auch die finanzielle Förderung, die die Regierung des hochverschuldeten Zwergstaats an der Meerenge Bab al-Mandab erhält. Für Unbehagen sorgt dabei vor allem die Frage, wie lange die eigene exklusive Allianz mit der Regierung Dschibutis dem wachsenden Einfluss Chinas noch wird standhalten können.

Peter Dutton, Professor für strategische Studien am Naval War College, beschreibt die aktuelle Einrichtung der Militärbasis Pekings als:

Eine massive strategische Entwicklung.

Dutton verweist des Weiteren auf die geostrategischen Ambitionen der kommunistischen Regierung Chinas:

Es handelt sich um eine Expansion der Marine, um Chinas Handel und seine regionalen Interessen zu schützen. Das ist es, was expansionistische Mächte tun. China hat Lektionen vom Großbritannien von vor 200 Jahren gelernt."

USA weiten militärische Präsenz in Afrika aus

Ganz solange, wie vom Uni-Lehrkörper geschildert, ist es jedoch noch nicht her, dass sich westliche Mächte wie Großbritannien um Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent rissen und dabei keinerlei Rücksicht auf Kultur, soziale Ordnung und gewachsene Strukturen vor Ort nahmen. Auch die USA sind keineswegs ein außenstehender Beobachter, sondern verfügen neben Camp Lemonnier über weitere kleinere Stützpunkte auf dem  afrikanischen Kontinent. Auch der Einsatz von Spezialtruppen wird in ganz Afrika kontinuierlich und seit Jahren über das United States African Command (Africom) ausgeweitet.

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Mit Bezug auf US-Offizielle verweist die New York Times darauf, dass das Pentagon von der Entscheidung der Regierung Dschibutis im letzten Jahr überrascht wurde, Land an China für dessen Militärstützpunkt zu verpachten. Zwei Jahre zuvor war es der Nationalen Sicherheitsberaterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama noch gelungen, einen weiteren globalen Konkurrenten aus Dschibuti fernzuhalten: Russland.

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