Brutaler als Boko Haram und IS: Al-Shabaab - der neue Horror Afrikas

Brutaler als Boko Haram und IS: Al-Shabaab - der neue Horror Afrikas
Muslime beten für ihre Angehörigen, die Opfer einer Autobombe im Mogadischu wurden. Verübt hatte die Tat Al-Shabaab; Somalia, 27. Juli 2015.
Daten zeigen, dass Al-Shabaab die Boko Haram und auch den IS an tödlicher Wirkung überholt hat. Die somalische Terrorgruppe, die sich einst auf Ziele in Mogadischu konzentrierte, agiert nun auch über die Grenzen hinweg und sucht nach immer mehr Kämpfern.

Noch ist Boko Haram mit Blick auf die jüngste Zeit die größte terroristische Bedrohung. Mehr als 29.000 Menschen wurden seit 2010 Opfer ihres Terrors, mehr als zwei Millionen hat dieser vertrieben und in weiterer Folge auch eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Seit der Amtsübernahme des nigerianischen Präsidenten Muhammad Buhari im Jahr 2015 fiel ein Großteil der seither unter Kontrolle von Boko Haram stehenden Gebiete zurück an die Regierung.

Gesammelte Daten des Armed Conflict Location & Event Data Project (kurz: ACLED) bestätigen nun, dass Al-Shabaab die Terrorgruppe Boko Haram in Afrika noch in der Tödlichkeit ihrer Gewalt übertrifft. Im Jahr 2016 fielen 3.499 Menschen Boko Haram zum Opfer, Al-Shabab steigerte die Zahl auf 4.281 genommene Menschenleben. Der Terror des IS in Afrika kostete im Vorjahr 2.350 Menschen das Leben. 

Somalische Sicherheitskräfte töten einen Al-Shabaab-Anführer (Archivbild)

Die somalische Terrorgruppe Al-Shabaab, die mit vollem Namen "Harakat al-Shabaab al-Mujahideen" heißt, entwickelte sich aus dem militanten Flügel der Union islamischer Gerichte. Sie ist vom Wahhabismus, der strengsten Form des Islam, beeinflusst und nimmt Militärziele ebenso wie auch Zivilisten ins Visier.

Al-Shabaab will der Bevölkerung jede Normalität nehmen

Die Gruppe versuchte zuvor, durch Anschläge in der somalischen Hauptstadt Mogadischu die westlich gestützte Regierung zu stürzen. Und so erkor sie den Präsidentenpalast, das Parlament und das Oberste Gericht zu Anschlagszielen. Neben Regierungsgebäuden nahm die Gruppe auch Hotels, Parks und ein Strandrestaurant ins Visier, um das strauchelnde Land weiter zu verwunden und jeden Funken Hoffnung auf Normalität zu zerstören.

Al-Shabaab, die 2012 Al-Kaida die Treue schwor, konzentriert sich jedoch nicht mehr nur auf Somalia. In Gebieten Somalias, die Al-Shabaab kontrolliert, halten die Kämpfer sich Sex-Sklavinnen und führen öffentliche Steinigungen durch. Im Januar griffen sie kenianische Soldaten in El Adde nahe der Grenze zu Kenia an. Mehr als 100 Soldaten sollen sie hierbei getötet haben.

Bildungseinrichtungen und Einkaufszentren als Anschlagsziele

Die Anschläge, die international für das größte Wahrnehmung sorgten, waren jene auf ein Einkaufszentrum in Nairobi in Kenia 2013 - dabei starben 67 Menschen - und ein Anschlag auf eine Universität in Larissa, nahe der kenianischen Grenze, mit 149 Opfern. Rund um Mombasa versucht die Gruppe ihre Kampfstärke auszuweiten und innerhalb der muslimischen Bevölkerung Rekruten zu gewinnen. Das Ziel der Terrorgruppe ist ein islamischer Staat am Horn von Afrika und eine führende Rolle im internationalen Dschihad.