Sensibles Gerät: Bundeswehrfahrzeuge in Mali benötigen hitzefrei

Sensibles Gerät: Bundeswehrfahrzeuge in Mali benötigen hitzefrei
Zumindest für ein Standbild mit der Ministerin reicht der Fuhrpark der Bundeswehr in Mali noch aus.
Die Bundeswehr erlebt eine neue Pleite mit teurem, aber nicht praxistauglichem Gerät. Derzeit steht die Hälfte ihrer Fahrzeuge in Mali aufgrund von Hitze, Staub und unwegsamem Gelände still. Auch ein höherer Militäretat dürfte kaum etwas an der Lage ändern.

Während deutsche Marken und insbesondere deutscher Maschinenbau im Ausland bislang meist für Qualität standen, wächst seit einiger Zeit die Liste der Rüstungsblamagen.Euro-Hawk, Transall und G36sind nur einige Namen in der historischen Pleitenserie bei Bundeswehr–Gerät, die nicht nur peinlich ist, sondern im schlimmsten Fall in tödlicher Weise dysfunktionale Auswirkungen hat. Nach Kampffliegern, die nicht fliegen, und U-Booten mit Salzwasserempfindlichkeit ist es jetzt in Mali bereitgestelltes Gerät, welches in einer heißen, staubigen Umgebung so gar nicht mehr funktionieren will. Bis zur Hälfte der Fahrzeuge ist derzeit nicht einsatzbereit, unter anderem ist es zu hitzeempfindlich.

Kampfhubschrauber Tiger fliegt nur bei bestimmten Temperaturen und kommt deshalb im heißen Mali erst mit einer Sondergenehmigung zum Einsatz - ein Fall von vielen, in denen Geräte der Bundeswehr zwar teuer, aber nicht uneingeschränkt einsatzbereit waren.

Die Bundeswehr ist seit drei Jahren in dem westafrikanischen Krisenstaat im Einsatz und unterstützt die UN-Mission Minusma. Deren Kernaufgabe ist die Überwachung der Waffenruhe zwischen den malischen Konfliktparteien.

Nach einem Militärputsch im Frühjahr 2012 und einem Bürgerkrieg, in dem Al-Kaida-Truppen mehrere Landstriche erobern konnten, griff die ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Jahr 2013 militärisch ein und gab das Kommando später an die UN ab. Zuvor hatte sich ein international bekanntes Szenario abgespielt. Von den USA im "Kampf gegen den Terror" gelieferte Unterstützung setzte die Armee gegen innenpolitische Gegner ein und teuer ausgebildete Offiziere liefen zu den Aufständischen über.

Das Bundeskabinett hatte Anfang dieses Jahres eine Ausweitung des Einsatzes beschlossen, wodurch bis zu 1.000 deutsche Soldaten in dem westafrikanischen Staat eingesetzt werden können. Dies erfolgte vor dem Hintergrund einer Vereinbarung zwischen Deutschland und den Vereinten Nationen, die Rettungskette im Norden des Landes ab Frühjahr von den Niederländern zu übernehmen. Im Rahmen dieses Vorhabens verlegte die Bundeswehr die Transporthubschrauber zur Rettung von Verwundeten und vier Kampfhubschrauber zu deren Schutz nach Mali.

Der stellvertretende Kontingentführer des 4. Deutschen Einsatzkontingentes in Gao teilte mit, die Auftragserfüllung gegenüber den Vereinten Nationen sei sichergestellt, betonte aber:

Die Einsatzbedingungen führen uns aber regelmäßig an die technische Belastungsgrenze."

Airbus A 400M ist eine von mehreren Fehlinvestitionen im Rüstungssektor. Ob durch privatisierte Kaufempfehlungen vonseiten mit der Rüstungsindustrie vernetzter Unternehmensberater die Sicherheit zunimmt, ist fraglich.

Technik, die entgeistert

Für den Einsatz des Kampfhubschraubers "Tiger", der am 1. Mai als einsatzbereit gemeldet werden sollte, benötigt die Bundeswehr vorerst eine Sonderfreigabe zum Flug unter hohen Temperaturen, da dieser bisher nur bei bis zu maximal 43,26 Grad Celsius abheben darf. Die Sondergenehmigung soll nun auch den Einsatz bei bis zu 48,26 Grad Celsius erlauben.

Die Bundeswehr-Pleiten werden zwar als Argument angeführt, auch bei bisher schwammigem Feindbild mehr in die Aufrüstung zu investieren. Viele Rüstungsprojekte scheitern jedoch, wie mittlerweile auch andere deutsche Großprojekte, bereits in der Planung.

Auch in diesem Fall ist fraglich, warum angesichts der Lage aktueller Konfliktgebiete Kampfhubschrauber überhaupt nur für eher gemäßigtes Klima konzipiert werden und warum das Gerät für den Einsatz in dem westafrikanischen Land, mit einer insbesondere im Frühjahr sehr heißen Trockenzeit, vorgesehen war. Doch zeigt eine mittlerweile lange Reihe von gescheiterten Projekten, dass Milliardenausgaben und der Einsatz ausgefeilter Technik letztendlich vor allem deren Herstellern dienten.

ForumVostok
MAKS 2017