Südsudan: Helfer warnen vor einer Ausweitung der Hungersnot

Südsudan: Helfer warnen vor einer Ausweitung der Hungersnot
Ein Junge in einem Flüchtlingslager im Südsudan, 5. April 2017.
Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen schlagen Alarm und warnen vor einer Ausweitung der Hungersnot im Südsudan. Etwa die Hälfte der 12 Millionen Einwohner ist auf Hilfslieferungen angewiesen. Ganz aktuell sind circa 100.000 Menschen vom Hungertod bedroht.

Ein Junge auf der Suche nach Wasser in der Dürre-Region Somalias

Ohne einen raschen und massiven Hilfseinsatz der internationalen Gemeinschaft drohe sich die Hungersnot „auf weite Teile des Landes auszuweiten“, erklärte der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Juba, Stefano Temporin. Der UN-Sondergesandte für den Südsudan, David Shearer, erklärte, in der nordwestlichen Region Northern Bahr el Ghazal zum Beispiel sei die Lage bereits kritisch. „Ich wäre nicht überrascht, wenn für das Gebiet auch eine Hungersnot ausgerufen würde.“

Keine einfache Situation für die Helfer. Aber einfach nichts zu tun, hätte drastische Folgen für die Menschen im Land und auch für uns in Europa. Kurzfristig müsse man laut Shearer den Menschen Nahrung zu Verfügung stellen. Langfristig brauche es aber eine politische Lösung des Problems. „Ein Waffenstillstand würde uns eine Pause geben, um Verhandlungen aufzunehmen und den Friedensprozess wieder anzuleiern“, sagte Shearer. Dann könnten Helfer auch Zugang zu allen Gebieten bekommen.

Dabei ist es nicht so, dass der Südsudan keine Einnahmequellen hat: Das Land verfügt über reiche Erdölvorkommen. Firmen aus China, Malaysia und Indien fördern diese. Doch das Geld fließt in den Bürgerkrieg, der seit 2013 herrscht. Im Jahr 2011 erlangte das Land die Unabhängigkeit vom Sudan. Doch Ende 2013 brach in Folge eines Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir und dessen damaligem Stellvertreter Riek Machar ein Bürgerkrieg aus.

Der Konflikt hat auch ethnische Hintergründe. Kiirs Gefolgsleute vom Volk der Dinka kämpfen gegen Machars Anhänger vom Stamm der Nuer. Zehntausende Menschen kamen seither ums Leben, rund 3,5 Millionen sind nach UN-Angaben auf der Flucht, die die Landwirtschaft ist dadurch vielerorts zum Erliegen gekommen.

Die Freunde von gestern, die Feinde von morgen: Präsident Salva Kirr vor dem Parlament in Juba, November 2015.

Mitarbeiter der vereinten Nationen versuchen, die Not zu lindern, weil die südsudanesische Führung versagt, was sie wohl willentlich macht. Das erklärt auch, warum die direkte Zusammenarbeit mit der südsudanesischen Regierung ausgesetzt wurde. Dass die Entwicklungszusammenarbeit eingestellt wurde, soll Druck aufbauen, damit die Kriegsparteien dazu gedrängt werden, das Friedensabkommen auch umsetzen, das Präsident Kiir und sein Rivale und Vize Machar Ende 2015 formal geschlossen haben.

Allerdings wird dieses mehr schlecht als recht eingehalten: Menschenrechtsorganisationen werfen Präsident Salva Kiir und seinen Gefolgsleuten vor, Nuer zu überfallen und aus ihren Dörfern zu vertreiben. Diplomaten in Juba, der Hauptstadt im Südsudan, fordern nun, dass das Land aus den Vereinten Nationen isoliert werden soll: Zum Beispiel in der Vollversammlung, ein Waffenembargo soll verhängt werden sowie ausländische Bankkonten der südsudanesischen Rädelsführer eingefroren werden. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein Waffenembargo ist im UN-Sicherheitsrat durch ein Veto Russlands und Chinas gescheitert.

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