Made in Kenia: Weltweit erstmals Staatsanleihen-Erwerb via Smartphone

Made in Kenia: Weltweit erstmals Staatsanleihen-Erwerb via Smartphone
Robert Collymore, Vorstandsvorsitzender des kenianischen Telekom-Unternehmens Safaricom.
Kenia ist aktuell vor allem aufgrund der sowohl im Norden des Landes als auch in der gesamten Region grassierenden Dürre und der Gefahr einer millionenfachen Hungersnot in den Schlagzeilen. Doch der ostafrikanische Staat gilt auch als hoffnungsvoller Wirtschaftsmotor und Innovationsschmiede. Nun erlaubt das Land als weltweit erster Staat Staatsanleihen mit dem Smartphone zu zeichnen.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, können damit im Staat am indischen Ozean Investoren auch ohne eigenes Bankkonto Schuldenpapiere zeichnen. Hintergrund: In dem 44-Millionen-Einwohner-Staat verfügen nur 15 Millionen Bürger über ein klassisches Bankkonto. Es gibt jedoch regionale Unterschiede auf dem afrikanischen Kontinent. So verfügen etwa in Südafrika, mit einem sehr gut ausgebauten Bankennetz, dass selbst der globalen Bankenkrise trotzte 77 Prozent der Bürger über ein Bankkonto.

Ein Werbeschild für das mobile Bezahlsystem M-Pesa in Nairobi, Kenia.

Im Gegensatz dazu gibt es im gesamten Land rund 38,5 Millionen Mobilfunk-Verträge. Dies führte zur vor Ort eingeführten Innovation des bargeldlosen Bezahlens mit dem eigenen Handy. Das von dem kenianischen Mobilfunkanbieter Safaricom entwickelte mobile Bezahlsystem „M-Pesa“, sorgte folglich für eine neue wirtschaftliche Dynamik, da so auch Geldtransfers in entlegene Gebiete möglich sind, weite Teile der Bevölkerung partizipieren und auch kleinere Geldbeträge unkompliziert transferiert werden können.

Bisher konnten interessierte Kleininvestoren nur entsprechende Anleihen erwerben, wenn sie auch über ein Bankkonto verfügen. Aufgrund des in Ostafrika nach wie vor rudimentären Bankennetzes, ist es für Kenia konsequent, dass nun auch bei der Ausgabe von Staatsanleihen neue Wege gegangen werden. Dabei winkt den Kleinanlegern eine Rendite von stattlichen 10 Prozent. Die Bonds haben eine Laufzeit von drei Jahren und einzige Voraussetzung für deren Erwerb ist ein Smartphone und ein Investment von 3.000 Schilling. Dies entspricht aktuell etwa 26 Euro entspricht. Damit kann nun auch der Otto-Normal-Kenianer zum Kleinanleger werden.

Bei der nun angelaufenen Staatsanleihen-Ausgabe handelt es sich dabei um einen Testlauf. Der ostafrikanische Staat möchte durch die Emission 1,4 Millionen Euro einnehmen und kooperiert dabei mit dem genannten Telekom-Unternehmen Safaricom. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, soll im Juni eine größere Anleihen-Emission folgen. Investiert werden sollen die Einnahmen des Testlaufs in neue Infrastrukturprojekte wie etwa den ambitionierten Bau einer neuen Eisenbahnlinie zwischen der Küstenstadt Mombasa und der Hauptstadt Nairobi in Zentralkenia.

Kampf um den Schein: Gegner und Befürworter des Bargeldes gehen in die offene Konfrontation.

Auch in Staaten der westlichen Hemisphäre wird für das bargeldlose Bezahlen geworben. Im Gegensatz zu etlichen afrikanischen Staaten, in denen das Bezahlen mit dem eigenen Smartphone für die Bürger den lang ersehnten Eintritt in den Wirtschaftskreislauf bedeutet, stößt es hierzulande eher auf Skepsis und wenig Gegenliebe. Die mögliche mittel- bis langfristige Abschaffung des Bargelds, ist in diesem Zusammenhang eine Entwicklung die es genau und kritisch zu beobachten gilt. Dabei gilt bislang auch auf dem afrikanischen Kontinent die Devise: Nur Bares ist Wahres.

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