Ex-CIA-General Haftar erobert wichtigste Ölhäfen Libyens von UN-gestützter Einheitsregierung

Nach der Vertreibung des IS aus Sirte rechnete die international anerkannte Einheitsregierung in Tripoli damit, dass sie nun leichter die volle Kontrolle über Libyen herstellen könnte. Dabei hat sie offenbar die Rechnung ohne General Haftar gemacht.
Nach der Vertreibung des IS aus Sirte rechnete die international anerkannte Einheitsregierung in Tripoli damit, dass sie nun leichter die volle Kontrolle über Libyen herstellen könnte. Dabei hat sie offenbar die Rechnung ohne General Haftar gemacht.
Haftar-treue Truppen haben der international anerkannten libyschen Einheitsregierung in Tripoli jüngst drei wichtige Erdölhäfen abgenommen. Diese beschuldigt Haftar, auf "ausländische Söldner" zurückzugreifen und plant die Rückeroberung.

Die Armee des Parlaments von Tobruk im Osten der nordafrikanischen Republik, einer von drei bedeutsamen politischen Kräften, die in Libyen um die Macht kämpfen, eroberte am Montag ihren dritten Erdölhafen in Folge. Diese Entwicklung versetzt dem ohnehin schwierigen Einigungsprozess des Landes einen weiteren bedeutsamen Rückschlag.

Unsere Streitkräfte konnten die Kontrolle über den Zuwaytina-Hafen übernehmen und diesen komplett absichern", sagte Muhammed el-Azumi, der Pressesprecher der umstrittenen Tobruk-Regierung, am Montag.

Einheiten des Abgeordnetenrates (HoR) in Tobruk hatten am vergangenen Sonntag eine Blitzoffensive gestartet. Dabei nahmen die Kräfte unter dem Kommando des Ex-Generals Chalifa Haftar zwei Exportterminals für Erdöl ein. Auf diese Weise verschaffte sich Tobruk nach jüngsten Verlusten wieder eine starke Stellung im Kampf um die Macht im Land, die sich vor allem über den Zugriff auf die Erdquellen definiert.

Dieser Schritt richtet sich gegen einen Prozess hin zur nationalen Einigung und zerstört die Hoffnungen der Libyer auf mehr Stabilität und einem Ende des Blutvergießens", sagte ein Pressesprecher der Einheitsregierung in Tripoli am Montag.

Der Angriffsbefehl Haftars kam, als sich auch in Libyen Millionen Menschen auf den islamischen Feiertag Eid el-Adha vorbereiteten, auch als Kurban Bayram bekannt.

Die Einheitsregierung rief den Rivalen aus dem Osten auf, Angriffe "mit ausländischen Söldnern und nicht legitimen Kräften" auf Ölterminals einzustellen.

Die Truppen Tobruks werden vom abtrünnigen General Chalifa Haftar angeführt. Analysten vermuten, dass Haftar in seinem Bestreben, die beiden übrigen rivalisierenden "Regierungen" zu unterminieren, signifikante militärische und logistische Unterstützung vonseiten Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emirate erhält.

Die von den Truppen Tobruks am Sonntag und Montag eingenommenen Ölhäfen hatten sich zuvor für zweieinhalb Jahre unter der Kontrolle von Ibrahim Dschadran befunden, dem Vorsitzenden der Petroleum-Garde (PFG). Seit die PFG die Kontrolle über die Häfen an sich genommen hatte, wurde deren Betrieb eingestellt. Kürzlich stellte sich Dschadran allerdings auf die Seite der Einheitsregierung in Tripoli. Beide Parteien einigten sich darauf, den Betrieb wieder aufzunehmen.