Exklusiv aus Libyen: RT besucht als erster internationaler Nachrichtensender IS-Gefängnis in Sirte

Die libysche Küstenstadt Sirte ist mittlerweile weitgehend vom IS befreit. Die Spuren der Schreckensherrschaft sind jedoch noch allenthalben präsent.
Die libysche Küstenstadt Sirte ist mittlerweile weitgehend vom IS befreit. Die Spuren der Schreckensherrschaft sind jedoch noch allenthalben präsent.
Ein Reporterteam von RT hat die nach Monaten der Besetzung durch die Terrormiliz IS weitgehend wieder befreite libysche Küstenstadt Sirte besucht und ist dort auf eine Reihe von Reminiszenzen an die Schreckensherrschaft der Dschihadisten gestoßen.

In einem Exklusiv-Bericht für RT ist William Whiteman den Spuren der Terrormiliz "IS" in der libyschen Küstenstadt Sirte nachgegangen. Eine Moschee und der Küstenstreifen, an dem eine der brutalsten Massenexekutionen in der Geschichte der Terrororganisation durchgeführt wurde, wecken schauerliche Erinnerungen an die Grausamkeiten des IS.

Während libysche Truppen, die dem einflussreichen Stamm der Misrata angehören, im nördlichen Stadtkern von Sirte immer noch den IS bekämpfen, lassen zahlreiche Siedlungen in den befreiten Gebieten nach wie vor Spuren der Schreckensherrschaft der Terrormiliz erkennen. An den Wänden von Häusern finden sich oft Zeichen und Propagandaparolen des IS wieder. Regierungsnahe Milizen haben mittlerweile begonnen, diese zu übermalen.

Die Verwüstungen in der kriegsgeschüttelten Hafenstadt sind noch an allen Ecken zu sehen. Die Bevölkerung der Stadt ist vor den bewaffneten Konfrontationen geflüchtet. Whiteman berichtet von zerstörten Panzern, die auf offener Straße in Sirte ausbrannten. Seit August fliegen die USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz in Libyen.

"Also hier hinter mir sieht man, wie ein Panzer des 'Islamischen Staates' durch einen US-amerikanischen Luftangriff zerstört wurde. Die Videos davon sind durch das US-Militär deklassifiziert und im Internet veröffentlicht worden", berichtete Whiteman.

RT gehört zu den ersten internationalen Medienteams, die über die Erlaubnis verfügen, die Stadt zu betreten und dort zu filmen. An diesen Drehorten filmte zuvor der IS mitunter seine brutalsten Hinrichtungsvideos. Die Dschihad-Videos dienen nicht nur dazu, Gegner abzuschrecken, sondern stellen auch eine wichtige Quelle dar, um überall auf der Welt neue Anhänger zu rekrutieren.

In der Zwischen ist es regierungstreuen Milizen beispielsweise gelungen, die Rabat-Moschee in der Innenstadt von Sirte einzunehmen. Der IS hatte diese in zahlreichen seiner Videos als Kulisse verwendet. "Die IS-Kämpfer setzten sich hierhin, um aus dem Koran zu rezitieren", erklärte Whiteman. "Das war in einem der 'berüchtigten' Videos des IS der Fall. Heute stehen wir in jeer Moschee, in der das Material gedreht wurde. Wir sind momentan nur 500 Meter von der Frontlinie gegen den IS entfernt."

In einem anderen Propagandavideo prahlt der IS mit der Hinrichtung von 21 ägyptischen Kopten, einer christlichen Minderheit. Die Opfer erhielten orangefarbene Kleidung, die an die Kleidung in US-Gefängnissen erinnern soll. Die in Schwarz gekleideten IS-Henker richteten ihre Opfer mit Messern am Strand von Sirte hin. Das Video löste weltweit heftige Reaktionen aus.

Die Kopten hatten sich als Arbeiter in Sirte aufgehalten, ehe sie vom IS als Geisel genommen wurden. Die Terrormiliz hielt die Christen zunächst in einem kleinen unterirdischen Gefängnis fest. Whiteman schaute sich dieses zusammen mit einem örtlichen Polizisten an.

"Es gibt hier absolut kein Tageslicht, keine Fenster, nichts. Es ist heiß. Wie man sehen kann, schwitze ich. Es ist ein Albtraum, hier drin stecken zu müssen und auf dein Schicksal zu warten. Schrecklich, auch nur darüber nachzudenken", sagte er, als er die Zellen beschrieb, in dem die ägyptischen Kopten vor ihrem Tod eingepfercht und festgehalten wurden.

Außerhalb des Gefängnisses las ein Polizist eine verrostete Machete vom Boden auf. Sie wurde von den IS-Schergen bei ihrer Flucht vor den heranrückenden Regierungstruppen hinterlassen, heißt es. Auf dem Messer scheinen sich menschliche Blutspuren zu befinden. Whiteman kommentierte:

Es ist keines jener Messer, die im Video verwendet wurden. Aber ich meine, ja, es scheint so, als sei Blut auf der Klinge. Ich weiß nicht, ob ich es näher an die Kamera halten sollte, es sieht so aus, als hätte man es verwendet. Es ist nicht gesäubert worden."

Der IS hatte die ölreiche Küstenstadt Sirte, die auch der Geburtsort des ehemaligen Machthabers Muammer el-Gaddafi war, im Juni 2015 erobert. Die Misrata-Milizen starteten im Namen der so genannten Einheitsregierung in Tripolis im Mai eine erfolgreiche Großoffensive gegen den IS. Sie werden dabei von der US-amerikanischen Luftwaffe bei ihren Anstrengungen unterstützt, die Terrormiliz zurückzudrängen. Laut Angaben des Pentagon von vergangener Woche sind nur noch drei Siedlungen in Sirte unter Kontrolle der IS-Dschihadisten.

Eine aktuelle Karte zeigt den Frontverlauf in Sirte: Schwarz = IS-Stellungen, Grün = Stellungen der Misrata-Miliz:

Bildquelle: Twitter
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