Südsudan: US-geförderte christliche Miliz SPLA massakriert Zivilisten und beschießt US-Diplomaten

Die Freunde von gestern, die Feinde von morgen: Präsident Salva Kirr vor dem Parlament in Juba, November 2015.
Die Freunde von gestern, die Feinde von morgen: Präsident Salva Kirr vor dem Parlament in Juba, November 2015.
Ein ehemaliger Alliierter der USA bereitet zunehmend Sorgen. Die Präsidentengarde beschoss bereits im Juli das Personal der US-Botschaft. In dem an Erdöl reichen Staat tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg zwischen ehemals von den USA unterstützen Milizen.

UN-Blauhelmsoldaten kontrollieren die Lebensmittelausgabe in einem südsudanesischen Flüchtlingslager.

In US-amerikanischen Diplomatenkreise breitet sich Unruhe über einen alten Alliierten aus. Am 7. Juli gerieten einige US-Beamte in der südsudanesischen Hauptstadt Juba in einen Hinterhalt.

Südsudanesische Truppen beschossen die gepanzerten SUVs, als diese am Präsidentenpalast vorbeifuhren. In den Fahrzeugen saß unter anderem der zweithöchste Diplomat der USA, James Donegan. Am heutigen Mittwoch soll sich der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten in Washington mit dem Thema befassen.

Zwar überlebten alle Insassen den Zwischenfall unverletzt. Andererseits besteht unter dem Sicherheitspersonal kein Zweifel daran, dass die angreifenden Soldaten genau dies versucht haben. Drei separate Gruppen feuerten auf die unbewaffneten Diplomatenfahrzeuge. Schließlich musste ein Team von US-Marines die Amerikaner und ihre südsudanesischen Fahrer befreien.

An dem Vorfall war maßgeblich die Präsidentengarde eines guten alten Freundes der USA, Salvaa Kiir, beteiligt. Seine christliche Miliz, die Südsudanesische Befreiungsfront SPLA, hatte die US-Außenpolitik seit Jahrzehnten dabei unterstützt, den ölreichen Süden des Landes vom muslimisch geprägten Norden abzuspalten. Präsident George W. Bush hatte dieses Projekt im Jahr 1999 sogar zur Chefsache erklärt. Seitdem lieferten die Geheimnetzwerke des Außenministeriums über verdeckte Kanäle tonnenweise Waffen an die SPLA.

Südsudans Präsident Salva Kiir bei einem Treffen mit George W. Bush im Oval Office des Weißen Hauses im Januar 2009.

Kurz nach der formellen Unabhängigkeit des Südsudan, für die – wie im Kosovo – ein Referendum durchgeführt wurde, begannen sich jedoch die unterschiedlichen Milizen innerhalb der SPLA zu bekriegen. Den Kampf um die Beute, die größten Vorkommen an Erdöl in der Region, tragen die Milizenführer mit denselben Mitteln aus, wie zuvor ihren vom Westen unterstützten Kampf gegen die Regierung von Omar al-Bashir im Sudan.

Internationale Menschenrechtsgruppen werfen den christlichen Milizen seit Jahren die unbeschreiblichsten Grausamkeiten vor. Die lange vom Westen unterstützten Rebellen massakrieren wahllos Kinder, Frauen und Alte, oft mit extrem grausamen Methoden. So führte eine Untersuchung der Afrikanischen Union nach Gesprächen mit Augenzeugen auf folgende Methoden der Kriegsführung auf:

Mord, Folter und Vergewaltigungen gegen Zivilisten, niedergebrannte Dörfer und erzwungener Kannibalismus. Überlebende von Massakern in der Hauptstadt Juba gaben an, dort seien Zivilisten gezwungen worden, Blut von getöteten Opfern zu trinken oder gebratenes Menschenfleisch zu essen. Aus dem nördlichen Ort Bentiu gab es Schilderungen von Vergewaltigungen, die mit zerschmetterten oder abgeschnittenen Gliedern einhergingen.

Seit im Dezember 2013 die Kämpfe zwischen den verschiedenen SPLA-Fraktionen ausbrachen, haben sich westliche Ölkonzerne aus dem Südsudan zurückgezogen. Zunächst hatten Exxon und Total auf gute Geschäfte mit den neuen Machthabern in Juba gehofft. Selbst der Chef der Söldnerfirma Blackwater, Erik Prince, beteiligte sich an einer geplanten Ölraffinerie im Südsudan.

Salva Kiir, offiziell der Präsident des Südsudan, bei einem Treffen mit SPLA-Chef Paul Malong Awan. Der unvermeidliche schwarze Cowboyhut von Salva Kiir ist ein persönliches Geschenk von US-Präsident George W. Bush.

Nachdem nun mehrmals amerikanische Bürger im Südsudan angegriffen wurden, verlangen Beamte des Außenministeriums eine Untersuchung der Vorfälle. Aber das Außenministerium verharmlost die Bedeutung des Angriffes. Gegenüber Foreign Policy hieß es, es gebe keine Möglichkeit herauszufinden, ob die Präsidentengarde von Kiir wirklich wusste, wen sie angriff.

Hingegen erklärten mehrere Quellen, die mit dem Vorfall beschäftigt waren, dass die amerikanischen Diplomaten gut zu erkennen waren. Die Frontscheiben ihrer gepanzerten SUV enthielten laminierte Karten mit der amerikanischen Flagge. Die diplomatischen Nummernschilder mit der Nummer 11 ließen zudem erkennen, dass hier Beamte der amtierenden Supermacht unterwegs waren.

„Es war schieres Glück, dass der Vorfall nicht in einer blutigen diplomatischen Tragödie geendet ist.“

Bereits Mitte August hatten SPLA-Soldaten in einem Hotel in Juba ausländische Entwicklungshelfer angegriffen und einen lokalen Journalisten getötet. Die amerikanische Regierung steht nun vor einem selbst geschaffenen Dilemma: In seiner Strategie für die Nationale Sicherheit formulierte Obama nur einen einzigen zwingenden Grund für Militäreinsätze im Ausland: Wenn das Leben amerikanischer Bürger in Gefahr ist oder Amerikaner getötet werden.

Vor wenigen Tagen besuchte Samantha Power, aktuell US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, die Hauptstadt Juba, um Angriffe auf UN-Friedenstruppen und Zivilisten zu untersuchen. Dabei waren auch amerikanische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen betroffen. Power erwähnte den Vorfall nicht in ihren öffentlichen Äußerungen. Aber in einer persönlichen Begegnung mit Kiir habe die „Botschafterin sehr eindringlich ihre Sorge geäußert“, erklärte ihr Sprecher Kurtis Cooper.

Seit dem Jahr 2004 hatte Samantha Power, damals noch als unabhängige Menschenrechtsaktivistin, maßgeblich die westliche Kampagne zur Spaltung des Sudan vorangetrieben. Mittlerweile haben die Vereinigten Staaten mehr als 1,7 Milliarden Dollar für „humanitäre Hilfe“ in den Südsudan überwiesen, allein im vergangenen Juli waren es 138 Millionen Dollar.