Süd-sudanesische Regierungstruppen vergewaltigen Zivilisten - Blauhelme bleiben untätig

UN-Blauhelmsoldaten kontrollieren die Lebensmittelausgabe in einem südsudanesischen Flüchtlingslager.
UN-Blauhelmsoldaten kontrollieren die Lebensmittelausgabe in einem südsudanesischen Flüchtlingslager.
Im Südsudan haben Regierungstruppen ausländische Entwicklungshelfer vergewaltigt. UN-Blauhelme griffen trotz mehrerer Hilferufe nicht ein. Der von den USA unterstützte Aufbau des jungen Staates droht endgültig zu scheitern. Präsident Kiir, einst geschätzter US-Verbündeter, führt nun eine Armee an, die gegen US-amerikanische Staatsbürger wütet.

Etwa 80 bis 100 Regierungssoldaten griffen in einem Hotel in der südsudanesischen Hauptstadt Juba ausländische Entwicklungshelfer an und töteten einen lokalen Journalisten. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP. Unter den Opfern waren mehrere Amerikaner. Der Vorfall ereignete sich bereits am 11. Juli, wurde aber erst jetzt bekannt.

Südsudans Präsident Salva Kiir bei einem Treffen mit George W. Bush im Oval Office des Weißen Hauses im Januar 2009.

Eine Entwicklungshelferin erzählte AP, ein Soldat habe sie mit seinem AK-47-Maschinengewehr bedroht und ihr gesagt: "Entweder du hast Sex mit mir, oder alle Männer hier werden sich an dir vergreifen und danach schießen wir dir in den Kopf." Daraufhin sei sie von 15 Soldaten vergewaltigt worden. Andere Opfer berichten ebenfalls von Schlägen, Schüssen und sexuellen Übergriffen.

Während des Angriffs sendeten die bedrohten Zivilisten mehrere Hilferufe an Soldaten der UN-Friedensmission, die nur etwa einen Kilometer entfernt stationiert waren. Doch von dort kam keine Antwort. Auch die amerikanische Botschaft, ebenfalls alarmiert, blieb untätig. Den UN-Blauhelmsoldaten wird nun unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Der UN-Präsident Ban Ki Moon kündigte am Mittwoch eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe an.

In dem jungen ostafrikanischen Staat brachen im Dezember 2013 Kämpfe zwischen den Regierungstruppen von Präsident Salva Kiir und Soldaten des Rebellenführers Riek Machar aus. Seitdem wurden 50.000 Menschen getötet und 2 Millionen vertrieben. Die Vereinten Nationen entsandten 13.500 Blauhelmsoldaten in das Land. Erst in der vergangenen Woche beschloss der UN-Sicherheitsrat, die Hilfstruppen um 4.000 Kräfte aufzustocken.

Seitdem das Land im Jahr 2011 unabhängig wurde, haben die USA umfangreiche Unterstützung geleistet. Doch die Bemühungen des Staatsaufbaus sind weitgehend gescheitert. Präsident Kiir, einst geschätzter Verbündeter der USA, führt nun eine Armee an, die gegen amerikanische Staatsbürger wütet. Richard Gowan, Experte für UN-Friedensmissionen bei der Denkfabrik European Council on Foreign Relations, sagte Foreign Policy:

“Die USA und die UN haben auf eine enge Partnerschaft mit Salva Kiir gesetzt. Aber es hat sich herausgestellt, dass Kiir ein unzuverlässiger Partner ist, der die UN hasst und verstärkt auch die USA."

Die jüngsten Vorfälle sind auch ein Rückschlag für die Pläne von US-Präsident Barack Obama, die UN-Friedenstruppen verstärkt zum Schutz von Zivilisten einzusetzen. Das Versagen der Blauhelme in Juba weckt Zweifel daran, ob Obama diesem Ziel bis zu seinem Amtsende im Januar noch wesentlich näher kommen wird.