Kolonialismus 2.0: Erdgas-Multi Shell etabliert großflächig Fracking in Südafrika

Aufgebrochene Böden in der Nähe von Aberdeen im Karoo-Becken. Das Wüstengebiet beherbergt riesige Mengen an Erdgas, die aber nur mithilfe von Fracking gefördert werden können. Woher die benötigten Wassermengen kommen sollen, ist unklar.
Aufgebrochene Böden in der Nähe von Aberdeen im Karoo-Becken. Das Wüstengebiet beherbergt riesige Mengen an Erdgas, die aber nur mithilfe von Fracking gefördert werden können. Woher die benötigten Wassermengen kommen sollen, ist unklar.
Die westlichen Energieunternehmen beginnen zahlreiche Projekte in Afrika, um mit den neu entwickelten Fördertechniken weltweit Energie zu gewinnen. Südafrika freut sich über eine Ausbeutung der riesigen Vorkommen an Erdgas. Die ökologischen Folgen sind nicht kalkulierbar. Analysten warnen in diesem Zusammenhang zudem vor einer massiven Verschlechterung der bereits chronischen Trinkwasserknappheit.

Die südafrikanische Regierung erklärte am Dienstag, dass das Land zukünftig mit einer Gruppe internationaler Firmen zusammenarbeitet, um tiefliegende Erdgasvorkommen auszubeuten. Dabei muss das berüchtigte Hydraulic Fracturing eingesetzt werden. Dafür kooperiert die südafrikanische Regierung mit der Firma Shell, die maßgeblich daran beteiligt war, dieses technische Verfahren zur Marktreife zu bringen.

Die Gasvorkommen liegen hauptsächlich im Karoo-Becken, im Südosten des Landes. Der Minister für ländliche Entwicklung und Landreform, Gugile Nkwinti, sieht in dem Projekt „eine echte Chance für das Wirtschaftswachstum“. Er geht davon aus, dass bereits im nächsten Jahr die Förderung beginnen kann.

Südafrika ist bei seiner Energieversorgung stark von Importen abhängig, da das Land über keinerlei konventionell zu fördernde Erdöl- und Erdgasvorkommen verfügt. Der Internationale Währungsfonds hatte im vergangenen Jahr vor einer Stromkrise in Südafrika gewarnt. Allerdings verbessern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den gefallenen Rohölpreis.

Bisher schätzen internationale Ökonomen die Wachstumsaussichten jedoch pessimistisch ein. „Die Entwicklung des Energiesektors ist der Schlüssel, die Einschränkungen für das Wachstum zu beseitigen“, glaubt der Minister in seiner Ansprache. Bisher ist das Land bei der Stromerzeugung zu etwa 90 Prozent auf Kohle angewiesen.

Shell hat die Lizenzen für die Förderung erhalten, obwohl die südafrikanischen Behörden erst vor kurzem Vorschriften für die Schiefergasförderung erlassen haben. Das Britisch-niederländische Unternehmen geht davon aus, dass es in Südafrika 1,4 Billionen Kubikmeter fördern kann.

Ein Dorfbewohner zeigt einen Eimer voll mit Rohöl verschmutzem Wasser aus dem Niger-Delta, verursacht durch ein jahrelanges Leck in einer  Shell-Pipeline, Oktober 2015.

Die amerikanische Energiebehörde schätzt, dass in Südafrika bis zu 13,7 Billionen Kubikmeter Erdgas zu finden sind. Das wären die mit Abstand höchsten Reserven auf dem afrikanischen Kontinent.

Fracking gilt als eine besonders umweltschädliche Variante der Gasförderung, da dabei extrem hohe Mengen von klimaaktiven Gasen entweichen. Zudem besteht das Risiko von großflächigen geologischen Verwerfungen, die unter anderem zu den berüchtigten Erdbeben im Umfeld der Fracking-Förderung führen. Bei dieser Fördermethode werden außerdem extrem große Mengen an Wasser verbraucht, die mit Chemikalien versetzt in den Boden gepresst werden.

Seit ihrem Erfolg mit der Fracking-Förderung in den USA vermarkten die dort aktiven Firmen die Fracking-Technologie weltweit. In Ägypten stieg im vergangenen Jahr die britische BP in zwei große Projekte zur Gasförderung ein. Dabei geht es zum einen um Tiefwasser-Förderung in Mittelmeer. Chevron betreibt ein Fracking-Projekt in Algerien. In der Wüstenstadt Ain Salah kam es vor einem Jahr zu einem Aufstand der Bevölkerung gegen das Projekt, da die Fracking-Förderung die ohnehin schwierige Versorgung mit Trinkwasser weiter verschlechterte.

Ein ähnliches Problem wird sich wahrscheinlich im Karoo-Becken zeigen. Das "Herz Südafrikas" besteht hauptsächlich aus einer Halbwüste, die von chronischer Wasserknappheit geprägt ist.