Schwarzes Gold – schmutziges Gold: Umweltkatastrophe in Nigeria könnte Shell teuer zu stehen kommen

Ein Dorfbewohner zeigt einen Eimer voll mit Rohöl verschmutzem Wasser aus dem Niger-Delta, verursacht durch ein jahrelanges Leck in einer  Shell-Pipeline, Oktober 2015.
Ein Dorfbewohner zeigt einen Eimer voll mit Rohöl verschmutzem Wasser aus dem Niger-Delta, verursacht durch ein jahrelanges Leck in einer Shell-Pipeline, Oktober 2015.
Dem britisch-niederländischen Erdöl-Konzern „Shell“ droht eine Millionenstrafe wegen jahrzehntelanger großflächiger Umweltverschmutzung im Niger-Delta. Einwohner zweier Regionen in Nigeria haben die Firma verklagt und fordern, die Folgen der regelmäßigen Erdölleckagen zu beseitigen, die dramatische Verseuchungen im Bereich der Landwirtschaft, Fischerei und im Grundwasser verursacht hat. Der Gesamtschaden beläuft sich auf Dutzende Millionen Pfund.   

Ein Arbeiter in einer illegalen Rohölraffinerie in Nigeria's Öl-Bundesstaat Bayelsa, November, 2012.

Die Region Ogale liegt im Niger-Delta und leidet schon seit langem darunter, dass „Shell“ dort eine ungeeignete Ausrüstung benutzt, was regelmäßig zu Erdöllecks führt. Probleme mit der Umwelt gehen noch auf Ende der 1980er Jahre zurück. Die Pipelines und andere Infrastruktur des Konzerns ist veraltet und bedarf einer gründlichen Renovierung, für die das Unternehmen nicht aufkommen will. Das ausfließende Erdöl verseucht Boden, Gewässer, Sümpfe und Grundwasser.       

Einheimische klagen, dass sich die Verpestung auf Fischerei und Landwirtschaft negativ auswirke. Außerdem hätten sie keinen Zugang zu Trinkwasser. Die Ogale-Bevölkerung schlägt Alarm: Sollte sich die Lage nicht zum Besseren hin wenden, würde die Region in Verfall geraten.   

Quelle: Ruptly

Bereits im Jahr 2011 hatte das UN-Umweltschutzprogramm einen Bericht über die Umweltsituation in der Region Ogoniland veröffentlicht. In der Studie wurde hervorgehoben, dass sich die Lecks in Besorgnis erregender Weise regelmäßig ereigneten, wobei die Ortsansässigen ihr ganzes Leben lang mit der ständigen Verseuchung konfrontiert seien. Die Kommission pochte darauf, dass man den Nigerianern den Zugang zu Trinkwasser schnellstmöglich gewähren sollte.       

Mehrmals forderten die Einheimischen von der Firmenleitung eine Entschädigung und ein Dekontaminierungsprogramm, doch „Shell“ weigerte sich, das zu tun. Die Betroffenen verklagten dann den Konzern mit Hilfe der Anwaltskanzlei „Leigh day“, die sich auf dem Gebiet der Menschenrechtsverletzungen spezialisiert und Anfang 2015 eine Klage gegen „Shell“ gewonnen hatte. Ein Gericht hatte damals den Ölproduzenten verpflichtet, an 15.000 Einwohner der benachbarten Region Bodo 55 Millionen Pfund auszuzahlen, wo die Fischer wegen Wasserverseuchung einen enormen Schaden erlitten hatten.            

Der Giftschlamm des Rio Doce ergießt sich mittlerweile schon in den Atlantik

Das Oberhaupt des Stammes Emere, Godwin Bepe Okpabi, hofft, dass die Klage ihnen über den toten Punkt hinweghelfen kann:

„Niemand hört auf uns, niemand schert sich um diese Situation. Hoffentlich wird der Prozess ʻShellʼ veranlassen, die verseuchten Gegenden zu dekontaminieren.“

Unter den Lecks leidet auch eine weitere Region im Niger-Delta – und zwar Bille. Die Einheimischen bestreiten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Fischerei. Daher setzt die Wasserverseuchung, die unter anderem 3.200 Hektar Mangrove vernichtet hat, ihnen sehr stark zu. Der Streit zwischen Bille und „Shell“ wird in einem separaten Verfahren behandelt. Man wirft dem britischen Unternehmen vor, außer Stande zu sein, seine Infrastruktur vor durch Drittpersonen verursachte Schäden zu schützen.