"Krieg gegen den Terror" - USA haben weitere Drohnen- und Ausbildungsbasis in Afrika errichtet

"Krieg gegen den Terror" - USA haben weitere Drohnen- und Ausbildungsbasis in Afrika errichtet
Garoua im Norden Kameruns ist die drittgrößte Stadt des Landes und zu einer der bedeutendsten im "Krieg gegen den Terror" in Afrika geworden. Das Afrika-Kommando und die US-Seestreitkräfte für Afrika unterweisen dort Elitetruppen wie die Füsilier-Marine Kamerun (FUMA) sowie Sicherheitskräfte der Nachbarstaaten Nigeria, Tschad, Niger und Benin im Kampf gegen die Terrormiliz Boko Haram. Laut US-Präsident Obama sollen die Einsatzkräfte in Kamerun bleiben "bis sie nicht mehr gebraucht werden.“

Am 14. Oktober des Vorjahres hatte US-Präsident Barack Obama angekündigt, den Krieg gegen den Terror um eine neue Front zu erweitern. Er hat in weiterer Folge 300 US-Soldaten nach Garous beordert, um dort zum einen Kamerun bei der Bekämpfung der Terroristen zu unterstützen, zum anderen – nicht ganz uneigennützig – um eine Drohnenbasis in dem afrikanischen Staat in eigener Sache errichten zu können, wobei der Einsatz vorerst auf Aufklärungsdrohnen beschränkt sein soll. „Diese Einsatzkräfte werden in Kamerun bleiben bis sie nicht mehr gebraucht werden“, erklärte Barack Obama zur Dauer des Einsatzes.

Ursprünglich stammt die 2002 gegründete, dschihadistische Gruppe Boko Haram aus Nigeria. Im Jahre 2010 begann sie, den Osten des Landes mit Terror zu überziehen, bis dato hat sie zehntausende Menschen getötet und sie benutzt Entführungen, Folterungen und Vergewaltigungen als Mittel des Krieges.

Nun fliegen von einer Basis aus, deren geografische Lage nicht exakt preisgegeben wurde, auch US-amerikanische Drohnen über das Tschadsee-Becken. Neben den bereits bestehenden amerikanischen Drohnenbasen in Äthiopien, Kenia und Djibouti, im Niger, im Tschad, auf den Seychellen und den Flugzeugträgern an der ostafrikanischen Küste wird dies eine weitere Präsenz zur Sammlung geheimdienstlicher und militärisch relevanter Informationen sein. Es soll nicht die letzte sein. Auch in Agadez im Niger soll dem National Defense Authorization Act für 2016 zufolge für etwa 50 Millionen US-Dollar eine weitere Basis errichtet werden, um Operationen im westlichen Afrika zu unterstützen.

Die Terroristen von Boko Haram haben in ihrer grenzüberschreitenden Ausbreitungspolitik vor allem auch von der Uneinigkeit zwischen den Nachbarländern, von bestehenden Grenzkonflikten und von mangelnder Fähigkeit, in elementaren Sicherheitsfragen zusammenzuwirken, profitiert. Jagten Truppen aus Nigeria die Terroristen, konnten diese problemlos über die Grenze entkommen und den Verfolgern waren die Hände gebunden.

Die MQ-9 Reaper Drohne wird nicht mehr von der US-Luftbasis in Arba Minch, 450 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba abheben.

Immerhin gibt es zwischen Kamerun, seit 33 Jahren von Präsident Paul Biya regiert und alles andere als das Musterbeispiel eines funktionierenden Staatswesens, und Nigeria noch erbitterte Streitigkeiten über die Zugehörigkeit der von nigerianischen Truppen besetzten, ölreichen Halbinsel Bakassi, und während es in den 1980ern und 1990ern darüber sogar zu Gefechten zwischen den Armeen beider Staaten kam, entschied 2007 der Internationale Gerichtshof, dass Kamerun der rechtmäßige Souverän über Bakassi sei. Nigeria zog daraufhin zwar seine Truppen zurück, aber es blieb eine diplomatische Eiszeit zwischen beiden Ländern. Auch die Beziehungen der Länder zu Benin, Niger und Tschad waren nie spannungsfrei, sodass es erst eines Kraftaktes vonseiten des französischen Präsidenten François Hollande bedurfte, um die Länder an einen Tisch zu bekommen und sie auf die Zusammenarbeit im Kampf gegen Boko Haram einzuschwören.

Auf diesem Treffen wurde ein globaler und regionaler Aktionsplan verabschiedet und gemeinsam Boko Haram der Krieg erklärt. Auch verständigte man sich auf geheimdienstlichen Austausch, Grenzüberwachung, eine militärische Präsenz rund um den Tschadsee und die Schaffung eines Mechanismus, der die Intervention im Falle auftretender Gefahr ermöglichen solle.

In Kamerun ist die Präsenz der US-Truppen nicht unumstritten. Nicht wenige Kritiker argwöhnen, Washington habe es auf die Kontrolle über Ölreserven entlang der Grenze zum Tschad abgesehen, und werfen den Amerikanern vor, viel zu spät reagiert zu haben.

Bis dato habe Boko Haram schon 1200 kamerunische Zivilisten nach Einfällen aus Nigeria getötet. Auch die 2003 fertiggestellte, von der Weltbank finanzierte Pipeline zwischen Tschad und Kamerun, die über 600 Kilometer Öl aus drei Feldern im Tschad an den Golf von Guinea transportiert, dürfte das Interesse der Amerikaner angeregt haben, mutmaßen Gegner des Einsatzes.

Die USA versuchten in einer durchaus engagierten Weise, diesen Anwürfen entgegenzutreten. So besuchte der Botschafter in den ersten vier Monaten der Präsenz mehrfach Garoua und traf sich mit lokalen Offiziellen und der Bewohnern. Die Soldaten auf der Basis hingegen beschränken die Kontakte auf ein Minimum. Man unterstütze zwar die lokale Wirtschaft durch Bestellungen vor Ort und verteile in Zusammenarbeit mit lokalen Stammesführern Sardinen, Tomaten, Hot Dogs oder Hamburger an die Bevölkerung, aus Sicherheitsgründen werden dabei jedoch stets Zwischenhändler eingeschaltet.

Für viele Bewohner ist auch eine Beschäftigung auf der Basis eine willkommene Option, um höhere Verdienste zu erzielen, als es ihnen sonst auf dem regulären Arbeitsmarkt möglich wäre. Dennoch hängen die Jobs an einem seidenen Faden und der kleinste Eindruck von Indiskretion kann zur Entlassung führen. Das wechselseitige Vertrauen erscheint jedenfalls noch als durchaus ausbaufähig.