Déjà vu? Erste Bodenkämpfe zwischen „Islamischem Staat“ und westlichen Spezialeinheiten

Quelle: Kanadische Armee
Quelle: Kanadische Armee
Im Irak kam es zu ersten Kämpfen zwischen Milizen des Islamischen Staates (IS) und einer Spezialeinheit der Anti-IS Koalition. Angeblich waren die kanadischen Elite-Soldaten nur als vermeintliche Militärberater mit Offizieren der irakischen Armee hinter der Frontlinien auf "Inspektionsreise".

Laut Medienberichten, die den kanadischen Brigadegeneral Michael Rouleau zitieren, sollen die im Rahmen der sogenannten Anti-IS-Koalition im Irak stationierten kanadischen „Militärberater“ hinter der Frontlinie unter Granatbeschuss durch den IS gekommen sein. Daraufhin, so Brigadegeneral Rouleau, "wurde ein Granatwerfer und die Maschinengewehrstellung neutralisiert.“

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Den Vernehmungen nach seien die kanadischen Soldaten lediglich vor dem Hintergrund strategischer Planungen mit irakischen Offizieren zur Frontlinie aufgebrochen. Als sich die vermeintlichen Militärberater allerdings der Front näherten, wurden sie beschossen. Die Elitesoldaten sollten, so die Verlautbarungen der kanadischen Armee, verifizieren, ob das was "auf den Karten geplant wurde, auch umgesetzt werden konnte".

Als Teil der US-geführten Anti-IS-Koalition stationierte das nördliche Nachbarland der USA bislang rund 600 Soldaten im Irak. Diese nehmen mittels eigener Kampfflugzeuge an Luftbombardierungen gegen den Islamischen Staat teil. Ottawa schickte jedoch auch 69 Soldaten von Spezialeinheiten nach Bagdad, die offiziell lediglich irakisches Militär beraten und ausbilden sollen.

Vor dem Hintergrund, dass Kanadas Regierungschef Stephen Harper erst im September betont hatte, dass Truppenkontingente auf irakischem Boden auf keinen Fall in Gefechte verwickelt würden und eine „Kampfrolle“ ausgeschlossen wäre, erscheinen diese Aussagen anhand jüngster kanadischer Truppenbewegungen so dicht am Frontverlauf zumindest widersprüchlich. Harper hatte zuvor wörtlich gesagt:

„Kanadische Soldaten begleiten irakische Soldaten nicht in den Kampf.“

Derweil verteidigte Brigadegeneral Rouleau die Kampfhandlungen durch seine Einheiten nahe dem Frontverlauf mit dem „inhärenten Recht zur Selbstverteidigung“. Die irakische Regierung wiederum erklärte, dass das kanadische Kommando eine Offensive gegen Stellungen des IS vorbereitet habe. Darüber hinaus unterstützten die Soldaten Rouleau zufolge die irakische Luftwaffe dabei, Angriffspunkte für künftige Luftangriffe zu lokalisieren. Es gebe jedoch keine Kampfeinsätze.

Sollte die Anti-IS-Koalition weiterhin Bodentruppen in den Irak versenden, werden sich die von der schiitischen Regierung in Bagdad ohnehin unterdrückt fühlenden Sunniten sich weiter radikalisieren.

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Vor allem aber fühlen sich viele junge Iraker, die mit der US-Besatzung seit 2003 groß geworden sind, erneut vom „imperialistischen Westen“ eingekreist. Sie fürchten die Invasion der Mächte, die nach dem Sturz des sunnitischen Diktators Saddam Hussein ein pro-iranisches Regime an der Spitze des Staates tolerierten.

Für Sunniten sind die irakische Regierung sowie ihre für Folter und Menschenrechtsverletzungen bekannten Schiiten-Milizen nichts anderes als ein Herrschaftsinstrument der USA zur weiteren Unterdrückung einer bereits seit mehr als einem Jahrzehnt diskriminierten Minderheit.

Die Bekämpfung eines vermeintlichen sunnitischen Extremismus mittels schiitischer Milizen, die sich seit Jahren blutig an den Sunniten rächen, nun auch mit US-Waffen, schafft eine Stimmung, in der sich Iraker lieber dafür entscheiden, aufseiten des IS als gegen ihn zu kämpfen.

Mit zusätzlichen Kontingenten aus den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland wird das Risiko, in einen wilden Bürgerkrieg samt blutigen Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten hineingezogen zu werden, für die westliche Welt signifikant größer. Militärisch ist der Konflikt nicht zu gewinnen, dennoch könnte am Ende eine offizielle Rückkehr von Bodentruppen, auch wenn Washington genau dieses Szenario seit dem Truppenabzug 2011 kategorisch ausschließt, die einzige Lösung sein.

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